Ausgabe 
27.11.1886
 
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Wagen und jagten der Glätte des Verbrechens zu. Unterwegs erzählte Blind folgendes:Als ich bei meinen Ausgängen heute früh den Broadway passtrte, traf ich gerade auf den Omnibus und stieg ein; nur zwei Passagiere saßen darin, die sich in lebhaftem Gespräche über ein Verbrechen unterhielten, welches, wie ich sofort heraushörte, in der Gegend begangen war, wo mein Onkel wohnte. Der eine erzählte ausführlich, was er von der dort versammelten Volks-- menge vernommen und alsbald nannte er zu meinem größten Schrecken auch den Namen meines Onkels. Zn größter Bestürzung besorgte ich nur noch ein dringendes Geschäft und eilte dann zu Ihnen, um Ihren Rath und Beistand zu erbitten. Dr. Westen t lrcite stumm in die verstörten Züge seines Begleiters und drückte demselben die Hand. Mr. Johnson war em lediger alter Herr von 6668 Jahren gewesen, er galt als sehr reich und hatte nur noch einen einzigen Verwandten, eben den jungen Dr. Blind, welcher früh verwaist war, und den er halb aus Mitleid adoptirt hatte; auch als Arzt hatte der Neffe noch längere Zeit bei ihm gewohnt, endlich aber sich in einer Pension einlogirt, weil er mit manchen Eigenthümlichkeiten des Onkels sich nicht mehr recht befreunden konnte. Als die Beiden sich dem Hause näherten, war dort eine Menge Menschen versammelt und mehrere Beamten bemühten sich, den Ankömmlingen Eingang zu verschaffen. Diese eilten sofort in das Schlafzimmer der Dr. Johnson, welches links vom Hausflur am Hofe lag, während sich auf der Straße zu auf der gleichen Seite das Bibliothek­zimmer befand. Die eigentlichen Wohnzimmer des Verstorbenen lagen auf der rechten Seite des Flurs. In dem düsteren in der That wie von einem Schauer des Verbrechens durchwehten Schlafzimmer war außer einigen Nachbarn nur ein eilig gerufener Arzt, Mr. Edwards, anwesend, welcher, wie er mit- theilte, den Richter bereits benachrichtigt habe. Auf den Zügen Blind's prägte sich deutlich Helles Ent­setzen aus, als er sich in dem dunkeln Raume um­blickte, der ihm von früher her so wohl bekannt fein mußte und er bebte zusammen, als ihm sein College die verzerrten Züge und das unterlaufene Antlitz des auf dem Bette Liegenden zeigte. Der Arzt, der bereits einige Zeit an dem Orte anwesend war, hatte schon eine Reihe Beobachtungen festgestellt und besonders war ihm aufgefallen, daß der Todte offen­bar mit bloßen Händen erdroffelt worden fein mußte, wovon die Spuren noch deutlich erkennbar waren. Gerade das Unheimliche der That ergriff auch Dr. Westen, der sich scheu umblickte, als müffe die Spur des Thäters noch irgendwo zu finden fein, während Blind wie ein Trunkener schwankend von dem Bette zurück auf einen Stuhl taumelte und tief seufzte.Ich muß gestehen, ich kann aus dem Fall nicht klug werden", sagte Dr. Edwards;soviel ich mich umgesehen habe, kann ich mir gar nicht ein­mal erklären, rote der Thäker hier herein hat kommen xönnen; ich habe auch schon gefragt, welche Leute

Nachts im Hause sind; es sind nur das Stuben­mädchen und die Köchin I Das Mädchen erzählte mir auch ziemlich zusammenhängend, was es bemerkt hat. Mr. Johnson ging jeden Abend um 11 Uhr zu Bette und so auch gestern. Gegen Uhr heute früh klopfte das Mädchen wie immer, aber der sonst leicht schlafende alte Herr gab auffallender Weise heute keine Antwort, die sonst nie ausblüb. Das Mädchen rüttelte an der Thür, lauter und lauter, es blieb alles still, ihr wurde bange, denn sie hatte bei Mr. Johnson schon öfter einen Schlag­anfall befürchtet und gemeinsam mit der Köchin und einem jungen Burschen brach sie denn endlich die Thür auf. Es mag wohl ein furchtbares Entsetzen gewesen sein als sie eintraten, denn die Scenerie hier hat wahrlich nichts Angenehmes. Dennoch dachten sie alle nicht an ein Verbrechen, sondern wie gesagt an einen Schlaganfall, als sie sahen, daß Mr. Johnson tobt war, und ich selbst erkannte die Situation erst, als ich die Fingerspitzen am Halse bemerkte; ich habe ja solche Fälle schon mehr erlebt, aber absolut räthselhaft ist mir, wo der Thäter ge­blieben ist. Sehen Sie dort die Thüre, durch die Sie und auch ich hereingekommen sind. Sie sehen noch jetzt, daß sie hier oben und unten verriegelt war, die Füllungen sind erst von den Mädchen beim Ein­dringen losgebrochen worden, so daß also die Thür fest verschlossen gewesen sein muß; dort kann der Thäter also nicht hinausgekommen sein. Dort die andere Thür führt in die Bibliothek nach der Straße zu; sie war von dieser Seite verschlossen, wenn auch nicht geriegelt und übrigens konnte dort unmöglich Jemand durch, denn auf der anderen Seite ist ein schwerer Bücherschrank in die Füllung eingepaßt und sogar mit Schrauben befestigt.

(Fortsetzung folgt)

Literarisches.

Industrie-Blätter". Wochenschrift für gemeinnützige Erfindungen und Fortschritte in Gewerbe, Haushalt und Ge­sundheitspflege. Herausgegeben von Dr. E. Jacobsen (R. Gaertner's Verlag, Berlin SW., Schönebergcrstraße 26). Preis vierteljährlich 3 <X Inhalt von Nr. 46, 1886: Ueber die Einwirkung des Sonnenlichtes auf das Glas. Die Concurrenz. Die Bakterien und der Krankheitsbegriff. (Schluß ) Chronik der Verfälschungen von Lebensmitteln rc. Behandlung der Abfallflüssigkeiten von der Weißblech­fabrikation. Methode zur Erkennung von Fuchsin als Ver­fälschung von Orseile und Cudbear. Ueber die Beschaffen­heit gewöhnlicher Trinkbranntweine. Das Entkorken der Flaschen mit Hülfe des Luftdrucks. Einwirkung von Phos­phorsäure auf Weißblech. Fabrikation von Eisenoxyd. Ueber Vergiftung durch Theegenuß. Pianino-Lampe. Ueber eine wenig bekannte Ursache der Corrosion von Dampf­erzeugungsapparaten. Kurze Anleitung zur praktischen Prüfung der Milch. Ueber Rheumatismus. Deutsche Reichs-Patente. Behandlung von Petroleumlampen.- Künstliche Diamanten. Thermometer. Angriff der Blei­röhren bei Wasserleitungen. Entzündung von mit Oel ge- \ tränkten Putzlappen. Metal anglais. Mittel zur Klärung von Liqueur.

Redaktion; A. Scheyda. Druck und Verleg der Brühl'schm Druckerei (Fr, Lhr, Pietsch) in Bietzen,