Ausgabe 
27.7.1886
 
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Hichener Jamilienblätter.

BelleMßisches Beiblatt;uw Gießener Anzeiger.

^TTStT""" ~ Dienstag den 27. Juli. 1886.

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Saat und Ernte.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Das Alles beweist Nichts", erwiderte der Förster. Es ist gar nicht festgestellt worden, ob jener Mann selbst sich das Leben genommen hat, oder ob er er. mordet worden ist, und daß er vorher Alles verspielt haben soll, das kann auch nur eine Vermuthunz genannt werden. Es hat damals überhaupt keine scharfe Untersuchung stattgefunden; die Leiche ist be­erdigt worden, und damit war die Sache zu Ende."

Hat man die Person des Betreffenden nicht er­mittelt?" fragte der Oberst.

Der Herr soll ein Officier gewesen sein", ant- wortete der Wirth.Die Dame hat ihm nachher einen Grabstein setzen laffen; erinnerst Du Dich des Namens noch, Marie?"

Von Salbergl" sagte die junge Frau.

Den Namen hab' ich früher schon einmal ge­hört", nahm Hans das Wort.Der Vater nannte ihn, und es schien ihm unangenehm, daß er ihn ausgesprochen hatte. Er wies mich barsch ab, als ich deshalb eine Frage an ihn richtete. Welche Be- wandtniß hat's denn eigentlich mit diesem Herrn?"

Darüber habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen", erwiderte seine Schwester.In des Vaters Waffensammlung hängt ein kleines zierliches Pistol

Nichtig, das trägt auf einem kleinen silbernen Plättchen den Namen von Salberg!" unterbrach Hans sie.

Vielleicht ist es dieselbe Waffe, mit der jener Ofstcier sich erschossen hat!" fiel der Wirth ein.

Erschaffen hat er sich mit einem Revolver", er­widerte Hellmuth;das weiß ich ganz genau, man hat einen Revolver neben der Leiche gesunden. Und daß den rothen Fritz nur das schuldbeladene Gewissen fortgetrieben hat, das steht bombenfest."

Was kümmert's uns!" sagte der Wirth achsel- zuckend.Wir wollen abwarten, wie er sich schicken wird; er kann ja auch als ein gebesserter Mensch heimgekehrt sein.'

Der Oberst hatte sich erhoben.

Mein Zimmer wird jetzt wohl durchwärmt sein", wandte er sich zu dem Wirth;ich möchte heute Abend noch einige Briefe schreiben. Bitte, führen Sie mich hin." |

Der Wirth nahm eine Lampe vom Schenktisch ' und schrill seinem Gaste voraus; der Letztere äußerte '

seine volle Zufriedenheit über die ihm angewiesene Stube."

Traulich und behaglich, so liebe ich's!" sagte er, mit einem prüfenden Blick durch das hübsch cinge- richtete Zimmer.

Von diesem Fenster blicken Sie auf den Wald", erwiderte der Wirth.Die Aussicht bietet in dieser Jahreszeit freilich keine besonderen Reize; aber was die Hauptsache ist, Sie haben frische und gesunde Luft. Es thut mir leid, daß Sie schon am ersten Abend mit dem Förster zusammentreffen mußten; er ist ein unangenehmer Patron, ein Rechthaber, der Alles besser weiß und überall herrschen möchte. Mich haßt er ganz besonders, weil ich sein Neben­buhler gewesen bin; daß ihm Marie von Reizenstein auch ohnedies nicht ihre Hand gegeben haben würde, will er gar nicht einsehen. Na, das Haus kann ich ihm nicht verbieten, und n eines Schwagers wegen muß ich manchmal ein Auge zudrücken; der arme Junge dauert mich, ich kann's ihm kaum verdenken, wenn er etwas leichtsinnig geworden ist."

Sie müßten mit Ihrem Schwiegervater einmal ernst darüber reden; so kann's doch nicht bleiben, und es läßt sich voraussehcn, daß es kein gutes Ende nehmen wird."

Hilft Alles Nichts!" sagte der Wirth, während er die Lampe anzündete und die Fensterläden schloß; der alte Oberförster hat einen harten Kopf, und seinem Willen soll Alles sich fügen. Wie es enden wird, weiß der Himmel; es bleibt schließlich wohl nichts Anderes übrig, als daß ich meinem Schwager eine Summe Geldes gebe, mit der er auf See gehen kann. Hat er dann später die Hörner sich abge­laufen, so wird's ihm hier wohl besser behagen. So, ich hab' Ihnen statt der Kerzen eine Lampe ge­geben; zum Schreiben und Lesen ist e» ein besseres Licht."

Ich danke Ihnen umsomehr für diese Aufmerk­samkeit, als ich meine leidenden Augen schonen muß."

Und was wünschen Sie heute Abend zu speisen?" Was Sie haben."

Vorzüglichen Hasenbraten."

Sehr wohl! Haben Sie die Güte, mir das Abendbrod gegen acht Uhr herauf zu schicken."

Der Wirth verbeugte sich zustimmend und ver­ließ das Zimmer. Schon auf der Treppe vernahm er einen lauten und heftigen Wortstreit; als er unten im Hausflur anlangte, kam ihm sein Schwager mit hochrothem Gesicht und zornflammenden Augen entgegen.

Was ist vorgefallcn?" fragte er bestürzt.