Ausgabe 
27.5.1886
 
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nicht aufgehört, die Katakomben

Händen entwand entzog.

Neubert hatte

Ida Edler, welche ihr nach ihres Vaters Versicherung sehr gern Gesellschaft leisten würde.

Etwold gab zu Allem seine Zustimmung und ließ das Landhaus am Fluß zur Aufnahme seiner Tochter Herrichten. Der Gedanke that chm sogar wohl, sie nicht im Hause zu wissen. Hier konnte man nie wissen, was die nächste Stunde brachte, und Klara bedurfte in erster Linie der Ruhe und des Fernhaltens jeder Erregung.

Sie siedelte bald mit ihrer Freundin Ida, der ihr treu ergebenen Dienerin Minna und dem eng­lischen Kutscher, dem Nachfolger des rothen Matthies, nach dem Landsitz ihres Vaters über. Dieser be­suchte sie dort öfter und der Sanitätsrath kam tag« lich auf eine Stunde hinaus. Dieses Arrangement sagte auch ihm am Besten zu, hätte er doch der Ehre nicht gern entsagt, eine so schwer Kranke dem sicheren Tode entrissen und der Gesundheit wieder­gegeben zu haben.

Man erinnerte nun Klara mit keinem Wort mehr an das Vorgefallene und sagte ihr folglich auch Nichts von der Flucht ihres Bruders.

Inzwischen hatte Niston, nachdem er seinen Sohn in dem Garten des öden Hauses begraben, die Stadt verlassen und seine Schritte nach der Bellinger Haide gerichtet. ,

Er fand die Hütte, welche seiner unglucklrchen irren Gattin zum Aufenthalt diente, und fettens dieser ein so freundliches Willkommen, daß er gerne verweilte, um den Zustand derselben aus nächster Nähe zu beobachten.

Dieser erweckte leider kaum eine Hoffnung mehr. Nicht nur war seine Gattin, wie Duprat es gesagt, unheilbar wahnsinnig, sondern auch körperlich schwand sie zusehends dahin. Niston durfte nicht hoffen, sie noch lange auf Erden zu sehen. Sie war kaum mehr der Schatten ihrer selbst.

Er hatte sich Besseres versprochen; er hatte ihr sein ganzes Herz ausschütten und ihren Rath in seiner verzweiselten Lage erfahren wollen; aber nun erkannte er, daß es besser sei, wenn er ihr Nichts sagte und vor allen Dingen das schreckliche Ende ihres Sohnes ihr vorenthielt. Er sagte, sein Ches habe Rudolph auf eine lange Reise geschickt, von der er so bald nicht wiederkehren werde. Und die arme

nach neuen Funden zu durchsuchen, und so wär er auch an die nach dem öden Hause führende große Thür gekommen.

Er veranlaßte sofort die Oeffnung derselben und drang mit mehreren Beamten in das öde Hans ein, das er genau durchsuchte.

Da entdeckte er denn sehr bald, daß die Thür zu den Katakomben letzthin mehrfach geöffnet worden, und daß bis vor ganz Kurzem das nach dem Hof gelegene Zimmer bewohnt gewesen.

Neubert, damit noch nicht zufrieden, dehnte seine Forschungen auch nach dem Hof und Garten ans, und hier entdeckte sein Falkenauge nur zu schnell die Stelle, wo Riston seinem Sohn das Grab ge­graben.

,,Hier ist Etwas vergraben worden", sagte er. Jedenfalls neue Beweise gegen die Anarchisten."

Picke und Schaufel, schon in den Katakomben verwendet, waren zur Hand. Man setzte sie an und förderte bald die Leiche Duprasis zu Tage.

Neubert ließ sofort den Kommissar von seinem schrecklichen Funde in Kenntniß setzen. Er selbst kannte Duprat nicht.

Racheis kam mit Soltmann und jener rekognos- cirts den Tobten sofort als den jungen Prokuristen des Kommerzienraths Etwold.

Das Staunen über diese merkwürdige Entdeckung war natürlich groß.

Dieser Mensch ist ermordet worden", war das allgemeine Urtheil.

Man ließ die Leiche nach der Morgue bringen, und die dort sofort vorgenommene Secirung ergab die Vergiftung.

Nun begaben sich der Kommissar, Soltmann, Neubert und noch einige Beamte nach dem Etwold'schen Hause, in dessen Nähe die Letzteren zurückblieben, während Racheis den Kommerzienrath aufsuchte.

Todtenblässe überzog das Antlitz des Letzteren, als Jonas den Kommissar meldete, der jenem auf dem Fuße folgte.

Sie wünschen?" fragte Etwold unsicher.

Herrn Duprat, Ihren Prokuristen zu sprechen", lautete die Antwort.

Etwold verlor fast die Fassung.

Der der ist momentan nicht zugegen", stammelte er.

Der Kommissar zog seine Uhr.Und wann wird er zurück'sein?" fragte er.Ich habe dringend mit ihm zu sprechen."

Er ist überhaupt nicht in der Stadt", entgegnete Etwold ebenso.

Also verreist. Und wohin?"

Der Kommerzienrath schwieg.

Nun?" fragte der Kommissar.

Ich weiß es nicht."

Wie, Herr Kommerzienrath, Sie wissen nicht, wo Ihr Prokurist ist?"

Etwold schwieg.

Daun nöthigen Sie mich, es Ihnen zu sagen", sprach finster der Kommissar.Ihr Herr Duprat

Schwachsinnige glaubte es.

Das alles war nicht geeignet,, Riston's Haß gegen Etwold zu vermindern im Gegentheil. Aber er wollte sich jetzt nicht seiner Gattin entziehen, und mit Etwold hätte er sich selbst dem irdischen Richter überliefert. Mochte jener sich noch so lange in Sicherheit wiegen, bis auch dieses sein Opfer ausgerungen und den von ihm erlittenen Mißhand­lungen erlegen war. Um fo furchtbarer drohte dann die Vergeltung, welche Riston zu üben gedachte. Ehe diese letzte traurige Wendung aber eintrat, er­eignete sich etwas Anderes, das die Rache Ristons und das erwünschte Opfer ihm