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ich?" fragte er
ber. Da sah es gewiß auch windig aus mit der versprochenen Belohnung seiner Spionage.
„Natürlich schweigen Sie hierüber gegen Jedermann" fuhr Duprat fort, „denn wenn an der ganzen Sache auch nichts ist, so kann eine Weiterverbreitung der Geschichte dem Kommerzienrath doch nur peinlich fein und die Verläumderzungen in Bewegung setzen. Er würde dann natürlich wißen, von wem dies ausgeht, wer allein die Scene belauscht haben rann; und dann würde selbst meine Fürsprache Ihre Entlassung nicht abwenden können."
Jonas wurde nun schon um seine Stellung besorgt und gelobte strengste Verschwiegenheit. Er mußte sein gesunkenes Ansehen wieder Herstellen; und auch dazu ward ihm Gelegenheit.
„Im Bureau nichts vorgekommen?" forschte Duprat weiter.
„Ja — mit dem Leuchtmann" sagte Jonas mit seinem süßesten, aber auch widerlichsten Lächeln.
Duprats Brauen zogen sich zusammen.
, ..Leuchtmann, so so" sagte er. „Und was ist's mit ihm?"
Jonas erzählte den vorhin belauschten Vorfall. Und a^s er die Befriedigung sah, welche sich darüber rn Duprats Mienen spiegelte, konnte er sich nicht enthalten, hinzuzufügen: „Schade, daß Sie den Brief doch bekommen haben. Wenn ein Zufall es jetzt anders gefügt hätte, wären wir den kindischen Alten los."
In Duprats grauen Augen, die zumeist halb von den Wimpern verschleiert waren, blitzte es tückisch auf.
„Einen Brief bekommen — ich?" fragte er staunend. „Habe ich Ihnen denn so etwas gesagt?"
„Nein nein,'' entgegnete Jonas verlegen. ,,^ch meinte nur, weil Sie doch jetzt zurückgekommen |tnb."
„Aber doch nicht infolge eines erhaltenen Briefes ’ Wer weiß, was der vergeßliche Mensch geschrieben hat und an wen? Ich habe keinen Brief erhalten."
Jonas blickte fragend, zweifelnd auf den Prokuristen. War das nun eine Lüge, ersonnen um Leuchtmann aus seiner Stellung zu werfen, oder Wahrheit?"
Da hätte er aber noch lange schauen können! «rÄI "h gemeißelten Züge verriethen
Nichts. Und die Wimpern waren jetzt so tief ae- senkt, daß von den Augen kaum etwas zu sehen war.
Das war Herrn Duprat's gewöhnliche Art, sich zu geben; unb so sah er recht bescheiden, fast demuthig aus. Nur, wenn er die großen, stahl- grauen Augen aufschlug und voll auf Jemand
Hebten fidj seine ehernen Zügen, blitzte es fpöttlsch oder drohend in feinen Augen in einer ganz eigenthümlichen, unheimlichen Art.
Jonas machte Miene zu gehen.
. "Warten Sie noch", sagte Duprat. „Hat man mein Kommen in dem Bureau bemerkt?"
"^h glaube, daß es außer mir Niemand bemerkt hat."
Aber was hat Fräulein Clara mit diesem Menschen gemein, daß Sie ihre Namen zusammen nennen?"
Jonas zögerte noch, zu sagen, was zwischen Mathies und dem Commerzienrath vorgefallen war, zwar nicht, um diesen zu schonen, sondern weil er siy fürchtete, ein Geheimniß zu verrathen, welches fernem Herrn verhängnißvoll werden konnte.
„Reden Sie ganz offen", ermuthigte ihn Duprat. „Sie wissen, welchen innigen Autheil ich «n allem, was dieses Haus betrifft, nehme. Uebrigens können Sie mir auch nichts sagen, was ich auf einem anderen Wege nicht ebenso aut erfahren könnte." v
"Ganz sicher nicht", entgegnete Jonas, „und das ermuthigt mich auch jetzt zu sprechen. Aber wenn Herr Etwold erfahren sollte, daß ich —"
„Unbesorgt", sagte Duprat versichernd. „Ich habe keme Veranlassung. Ihren Namen gegen den Commerzienrath zu erwähnen, es wäre denn in Ver- Endung mit einem Vorschlag zur Aufbesserung Ihrer bescheidenen Stellung-"
„O, Herr Duprat!"
Dank. Sie wissen, ich liebe das nicht. 39t Gehalt ist klein, es muß erhöht werden. Das ist auch ohnedem selbstverständlich. Und wenn sich einmal eine bessere Stelle bietet - Treue und Am hanglichkeit werden von mir stets gebührend belohnt werden." '
Jonas ergoß sich noch in sklavischen Dankesbe- zeugunqen für das zu erwartende Gute, dann er- zah te er mit geläufiger Zunge, was zwischen dem rothen Mathres und dem Kommerzienrath gesprochen worden war.
Duprat lauschte scheinbar theilnahmslos, denn er machte sich fortwährend hier und da zu schaffen, so daß Jonas sein Gesicht nicht einmal zu sehen bekam.
Nachdem dieser geendet, sagte er scherzend: „Ein Ammenmärchen natürlich, das niemand glauben kann und wird. Der Kerl wollte unserem guten Kommerzienrath bange machen, um ihn zu zwingen, ihn rm Dienst zu behalten. Er hat wahrscheinlich zuerst gedacht: „Morde heute, denn morgen bist du nicht mehr bo£ als bann aber die Kriminalbeamten kamen unb bie Lache eine ihm gefährlich scheinenbe Wendung nahm, wollte er lieber roieber bleiben, um erst gar keinen Verbacht gegen sich aufkommen zu lassen. Ich hatte indessen dem Kommerzienrath schon genug von seinem schlechten Charakter aufgedeckt, um ihn unmöglich zu machen; bas mochte er wissen, und so I benutzte er meine Abwesenheit, um seine gut ersonnene Lüge anzubringen. Ich hätte nur da sein foHen - der Hallunke! Hoffentlich hat ihn das Wasser verschlungen. Ein christliches Grab war der Kerl nicht werth. - Ist das alles, was Sie mir zu sagen haben?"
Jonas war von dieser Aufnahme seines „wichtigen" Geheimnisses etwas stark entnüchtert. Er habe Wunder geglaubt, was er wisse; und nun legte der Prokurist der Sache gar keine Bedeutung weiter


