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machen, wenn ich 'mal zu hübschen Mädchens gehe« antwortete der Baß des Mannes.
„So? Ich nicht? Wer denn sonst? .... Lebst Du nicht von meinem Gelds, he? Wo sind die d00 Thaler hin, die wir Dir geborgt haben? Fort sind fiel Und Du, Du bist überschuldet. Anstatt aber da hübsch zu Hause zu bleiben und das Geschäft zu pflegen, treibst Du Dich hier in diesen Spelunken herum."
. „Geschäft! Was heißt Geschäft! Die Leute, die der mir verkehren, sind entweder Lumpen, die kein Geld haben, oder Gläubiger von mir, die ooch nischt bezahlen Es is eben alles futsch! Und Du schüttest eben hübsches Geld wieder auf, verstehst Du mich...."
„Dir Lüderjan wieder Geld geben? . . . Was bildest Du Dir ein? . . . Nicht einen Pfennig!" antwortete die weibliche Stimme.
„Dann werden wir 'mal an den Herrn Bester schreiben, oo der vielleicht Mosen und die Propheten herausrückt, wenn ich ihm etwas über die zwei Brände mittheile."
„Schweig, Unverschämter!"
„Kannst mich nennen, wie du willst . . . . is
3a?l Derlei. ... Du bist an meinem Unglücke schuld.... erst hast Du Deinen armen Mann betrogen .... von mir will ich gar nicht reden, aber von den anderen .... Du kennst doch den Amtsrichter Schäfer, was? na.... und..."
„Ernst, ich sage Dir, Du sollst schweigen
„Blos wenn's Geld setzt, sonst nicht!"
„Sei nicht so dumm, Mensch, denke an den Er- schlagenen! Weist du wer den blutigen Hammer hat? \ Ich.... ich ... . habe ihn, der bringt Dich i eben auch aufs Zuchthaus!"
„Und Du kannst mit der Kirchnern Wolle spinnen! Das arme Ding! So für nischt und wieder nischt l Zwanzig Jahre brummen . . . huhu!"
Durch das Gehen der Thüre in der Hausflur s wurde die Unterhaltung der beiden würdigen Sub- j ;ecte, IN denen der Leser oder die Leserin wohl schon l längst die Wirthin Bester und den früheren Haus- l knecht des goldenen Ringes, der in der Residenz sich \ als Restaurateur etablirt, das Geschäft aber dermaßen heruntergebracht hatte, daß er nichts von dem, l was er ansah, mehr sein nennen konnte, erkannt I haben. I
, Kirchner drückte sich absichlich hinter den neben - fernem Tische befindlichen Baum, um noch weiteres i zu hören.
Als das Geräusch verstummt war, sagte Frau bester zu ihrem Begleiter: „Gut, Du sollst noch einmal Geld haben, aber Du mußt damit nach Amerika."
„Ist mir ganz einerlei — aber nur balde, ehe mich die Gerichtsvollzieher fassen. Wenn ich in 8 Tagen nicht noch einmal 500 Thaler habe, so gehts uns Beiden an den Kragen."
Frau Bester trieb zum Fortkommen und beide verscywanden.
Kirchner vermochte sich in den nächsten Augenblicken kaum zu fassen. Was sollte er thun?
Tausend Gedanken jagten durch das gemarterte Hirn, um eben so viele Male wieder verworfen zu werden.
, Ein leichtes Geräusch neben ihm, störte ihn aus fernem Hinbrüten.
„Haben Sie gehört, was die Beiden sagten?" fragte die auftauchende Gestalt?
„Ja", antwortete Kirchner.
„Dann haben wir nur eine Pflicht: DiePersön- üchkert der beiden festzustellen und sie dem Gericht zu überliefern. Hier scheint ein schweres Verbrechen begangen worden zu sein."
, „Bleiben Sie!" bat Kirchner mit zitternder stimme. „Ich kenne die Beiden leider zu genau. Meine Frau ist zu zwanzigjährigem Kerker unschuldig verurtheilt und diese Beiden sind die Thäter. Herr Gott im Himmel! Mir schwinden die Sinne."
„So sind Sie der frühere Lehrer Kirchner!" „Der bin ich!" antwortete der Gefragte.
, „Mein Name ist Helmding — ich bin Secretär im Ministerium. Ich habe einen weiten Spaziergang gemacht und mich hier durch ein Glas Bier gestärkt. Kommen Sie mit nach der Stadt und erzählen Sie mir die Details. Es interessirt mich Ihr Fall gerade jetzt doppelt, da im Ministerium zur Zeit über die Fortgewährung oder Einziehung Jgres Wartegeldes Erwägungen stattfinden.
Die Beiden eilten auf dem nach der Stadt führenden Hauptwege weiter, während die Bester hatten S8irt^e einen schmalen Fußweg eingeschlagen
Auf dem Wege nach der Stadt theilte Kirchner ! dem auf so unerwartete Weise gewonnenen Bekannten i die näheren, unseren Lesern bereits bekannten Einzeln, heilen mit und Helmding versprach dem Schwerge- prüften am andern Morgen pünktlichst um neun Uhr vorzusprechen, um gemeinschaftlich die Anzeige bei dem Landgericht zu erstatten.
Kirchner war zu aufgeregt. Die auf ihn im Laufe des Tags eingestürmten Erlebnisse ließen ihn noch lange nicht Ruhe finden. Erst das Morgen- grauen brachte ihm den ersehnten Schlummer.
VIII.
Schluß.
Der Präsident des Landgerichts erstaunte nicht wemg, als er am Montag früh die Meldung em- pfing, der frühere Lehrer Kirchner habe in Angelegenheit der ziemlich vor Jahresfrist stattgefundenen Brände des benachbarten Hallbergs wichtige Mit- cherlungen zu machen. Gleichzeitig ließ sich der Mmistermlsecretär Helmding mit anmelden, da er rm Verein mit Kirchner die Anklage gegen andere, dieser 2chat dringend verdächtige Personen mit erheben wolle.
, Da der Landgerichtspräsident seiner Zeit bei der m Hallberg stattgefundenen Schwurgerichtssitzung und speclell auch bei der Verhandlung gegen die Kirchner'schen Eheleute den Vorsitz geführt hatte, so war ihm die Ueberraschung von um so schwererer Bedeutung.


