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Ler Referendar nickte zustimmend; seine Misston war ja völlig gescheitert, wenn es diesem Burschen aelang, ihm zu entwischen.
Die Erklärungen de« Oberförsters enthielten auch viel Geheimnißvolles; Räthsel, di- um jeden Preis gelöst werden mußten, wenn auch der alte Herr be- haupten wollte, daß an ein Verbrechen dabei nicht zu denken sei.
Sie hatten das Dorf endlich errercht. Es war in dem Schneegestöber eine mühsam und beschwer- liche Wanderung gewesen. Die warme Stube in dem Hause des Ortsvorstehers mußte Allen willkommen sein.
Der rothe Fritz wurde aufgefordert, seine Taschen auszuleeren. Er erschrack sichtbar, daran schien er noch nicht gedacht zu haben.
„Sie haben kein Recht, einen Schuldlosen zu verhaften!" sagte er trotzig. „Ich habe die That, deren ich» angeklagt werde, nicht begangen!"
„Würden Sie bereit sein, das Protocoll zu führen?" wandte der Referendar sich zu Hellmuth; „das nöthige Schreibmaterial liegt hier schon bereit."
Der Förster übernahm ohne Zögern das Amt, und Rommel gab dem Gensdarm einen Wink, dem Gefangenen bei der Durchsuchung der Taschen behilflich zu sein.
Der Vagabund sträubte sich noch immer; er knirschte vor Wuth, als der Gensdarm eine goldene Taschenuhr und einen schweren Siegelring auf den Tisch legte. —
In den Augen des Referendars leuchtete es auf. Hastig blätterte er in seinem Notizbuch, und bald hatte er gefunden, was er suchte. Frau Schirmer hatte ihm die Uhr und Ring ihrer Neffen beschrieben und diese Beschreibung paßte ganz genau auf die gefundenen Gegenstände.
„Sieh' da, sieh' da, Timotheus", sagte er erfreut, „wie kommt Ihr zu diesen Sachen?"
„Ich hab' sie gefunden", erwiderte der rothe Fritz barsch.
„Wo?"
„Im Forst."
„Und wann?"
„Sie glauben mir ja doch nicht", sagte der Vagabund trotzig; „Sie haben sich einmal vorgenommen, mir irgend ein Verbrechen zu beweisen, was kann ich dagegen machen! Ich habe die Sachen gefunden, aber beweisen kann ich das nicht, denn es war Niemand zugegen, der es mir jetzt bezeugen könnte."
„Nur heraus mit der Sprache!" erwiderte der Referendar ungeduldig; „wann und wo wollt Ihr den Fund gemacht haben?"
„Wann? — Vor einigen Tagen. Ich hatte damals vor meiner Auswanderung die Büchse in den hohlen Baum versteckt, mitnehmen wollte ich sie nicht, und ich wußte auch nicht, wem ich sie zum Kauf anbieten sollte. Daß ich sie wiederfinden würde, glaubte ich nicht; ich dachte mir, der hohle Baum sei längst umgehauen. Und wie ich nun die
Büchse heraus hatte, fand ich außer ihr ein Päckchen, das diese beiden Sachen enthielt."
„Und wer könnte sie dort versteckt haben?" fragte der Referendar sarkastisch.
„Ja wenn ich das wüßte!"
(Fortsetzung folgt).
Der Ausstand der Mornpurru.
Aus einem egyptischen Tagebuche.
Von R. v. Saldern. (Fortsetzung).
Wir hatten unterwegs etwa eine halbe Stunde gerastet, dann aber ging es wieder vorwärts, allmählich lichtete sich der Wald, ein frischer, kühler Lufthauch kam un» entgegen und bald befand sich der ganze Zug im Morgengrauen am Ufer des Blauen Nils. Was sollte aber nun hier aus uns werden? Jndeffen, auch jetzt wußte Sabbi Datscho Rath; er deutete auf eine dunkle Maffe, deren verschwommene Contouren sich in den über dem Fluß auf- und niederwogenden Morgennebeln erkennen ließen und meinte, das müßte unser nächster Zufluchtsort werden. Ich verstand zuerst nicht, was der Bursche hierbei sagen wollte, als jetzt aber beim Strahl der Sonne sich ein ziemlich kräftiger Wind erhob, der die Nebel rasch vertrieb, erblickte ich eine aus der breiten Wasserfläche aufragende, kleine Insel mit hohen felsigen Wänden, die allerdings geeignet erschien, unsere kleine Schaar aufzunehmen. Denn wie der in solchen Dingen anscheinend erfahrene Sabbi Datscho meinte und auch Sadik bestätigte, durften wir nicht daran denken, uns nach dem nächsten egyptsschen Posten einen Rückweg durch den Wald zu bahnen, wir mußten den Fluß dazu benutzen; auf welche Weise sich dies bewerkstelligen ließ, mußte freilich noch ausgemittelt werden. Vor allem handelte es sich aber darum, von dem Ufer, wo wir einem Ueberfall der zahlreichen Aufständischen sofort erliegen mußten, nach der Insel zu kommen, die vielleicht höchstens zwei hundert Schritte vom Ufer entfernt war; das allerdings sehr tiefe Wasser floß an dieser Stelle vollkommen ruhig dahin. Wie aber sollten wir hinüber kommen, vor Allem unsere drei kranken Officiere hinüberschaffen? Nun, Signor", unterbrach sich Galvini selbst, indem er den Rest seines Glases mit offenbarem Behagen ausschlürfte und sich dann von mir ohne Sträuben das Glas wieder füllen ließ, „ich habe mich doch Jahre lang in der Wild« niß da oben am Blauen und Weißen Nil Herumgetrieben und dabei mehr als ein Mal Gelegenheit gehabt, meinen Witz in verzweifelten Fällen anstrengen zu müssen, aber jetzt stand ich doch rathlos da — indessen, meine schwarzen Satanekerle wußten sich zu helfen.
Sabbi Datscho besprach sich kurz mit seinen


