sammengenommen. An Geschossen und an Pulver fehlte es nicht; von letzteren waren 250 Fässer, jedes 125 Pfund, vorhanden, welche die Schweizer vom Regiment Salis-Samaden in der Nacht vom 12. bis 13. Juli aus dem Arsenal der Bastille in deren Hof gebracht hatten. Außer dem Geschütze und der Munition hatte der Gouverneur noch am 9. oder 10 Juli sechs Wagenladungen Steine und altes Eisen auf die Thürme schaffen lassen, um da- mit die Zugänge zur Brücke zu vertheidigen, wenn die Munition ausginge, oder wenn die Belagerer so nahe heran kämen, daß das Geschütz gegen sie unwirksam würde. Auch hatte de Launay einige Tage zuvor alle Zugbrücken ausbeffern und alle Geländer entfernen lasten, damit die letzteren nicht nach dem Aufzug der Brücken zum Ueberschreiten der Gräben dienen konnten. Den Gefangenen Tavernier hatte man, um in seinem Zimmer neue Schießscharten anbringen zu können, einige Tage zuvor nach einem anderen Thurme verbracht.
Noch schlimmer sah es mit der Proviantirung der Bastille aus. Es fanden sich nur zwei Säcke Mehl und etwas Reis vor. Zwar fehlte es nicht an Holz, wohl aber an einem ordentlichen Backofen. Wegen des Trinkwassers war man fast nur auf die die Bastille umgebenden Kanäle angewiesen. Einer langen Belagerung hätte man sicher nicht widerstehen können. Außer den 82 Invaliden bildeten 32 Schweizer vom Regiment Salis-Samaden unter dem Kommando des Grenadier-Lieutenants Louis de Flüe die Besatzung.
Am 12. Juli 1789 des Abends begann die Revolution in Paris. Das Volk schaarte sich in den verschiedenen Vierteln der Hauptstadt zusammen und ein Theil griff zu den Waffen. Am 12. Juli bemächtigte man sich, ohne Furcht vor den auf dem Marsfeld lagernden. Truppen und ungeachtet der Bitten des Gouverneurs, des Herrn de Sombreuil, des Jnvalidenhauses. In dessen Kellern befanden sich, nach Mignet, 80000 Gewehre und viele andere Waffen. Man führte alles im Triumphe fort und pflanzte die vorgefundenen Kanonen am Eingänge der Vorstädte, am Schlöffe der Tuilerieen, auf den Quaies und den Brücken auf, um die Hauptstadt zu schützen und dem stündlich zu erwarteten Angriff kräftig zu begegnen. Die Nachricht, daß die bei Saint-Denis aufgestellten Regimenter im Anmarsch auf Paris seien und daß der Gouverneur der Bastille deren Kanonen auf die Straße Saint-Antoine habe richten laffen, gaben dem Haffe und der Erregung der Menge neue Nahrung. Man beschloß die Bastille zu stürmen und mit dem Rufe: „Nach der Bastille!" zogen die bewaffneten Bürger aus allen Theilen der Stadt gegen das gefürchtete Staatsgefängniß. Die Besatzung deffelben war während des 13. den ganzen Tag im Innern des Schlaffes geblieben, nur 12 Mann waren auf die Thürme zur Beobachtung der Vorgänge außerhalb der Bastille commandirt worden.
Dienstag den 14. des Morgens, so fährt der Bericht der Invaliden fort, erschienen um 10 Uhr drei Männer am Gitter der Bastille und sagten dem wachhabenden Soldaten, daß sie Deputirte der Hauptstadt seien und den Gouverneur sprechen wollten. Der Soldat führte jene Herren bis an die kleine Zugbrücke und ließ ihre Ankunft Herrn de Launay melden. Dieser erschien mit den übrigen Officieren des Stabs an der ersten Brücke, welche auf seinen Befehl Herabgelaffen ward. Beim Anblick der ungeheuren Volksmassen, die jenen drei Deputirten folgten, erklärte er jedoch, daß nur diese eintreten dürften, hingegen vier Officiere so lange als Geiseln zum Volke hinausgehen sollten, bis die Deputirten die Bastille wieder verlaffen hätten. Kurz nachdem die Deputirten in den ersten Hof der Bastille geführt worden waren, erschien der gleichfalls von einer Menge Volkes jeglichen Standes ^begleitete Parlamentsrath Thuriot de la Roswre, erster Wähler des Distrikts Saint Louis-de-la-Culture und forderte im Namen des Vaterlandes von de Launay, daß er die auf den Thürmen der Bastille aufgepflanzten Kanonen, die in ganz Paris Besorg- niß erregten, sofort wegnehmen lasse. Der Gouverneur entgegnete, daß dieses nicht in seiner Gewalt läge und daß er die Kanonen nur auf Befehl des Königs herabnehmen lassen könne.
De la Rosiöre ersuchte nun den Gouverneur um Erlaubniß, den inneren Hof der Bastille zu betreten, was ihm nur mit Widerstreben und auf Zureden des Majors des Schlosses, Herrn de Losme, zugestanden wurde. Im ersten Jnnenhofe angelangt, forderte de la Rosiäre die Soldaten, die er dort fand, im Namen der Nation auf, die Richtung der Kanonen zu ändern und sich zu ergeben. Hierauf schwuren Officiere und Soldaten, auf persönliche Ermahnung des Gouverneurs, nicht zu schießen und von ihren Waffen keinen Gebrauch zu machen, falls sie nicht angegriffen würden. Hierauf bestieg de la Rosiöre die Thürme, um sich mit eigenen Augen von Allem zu überzeugen, und danach den Bürgern, die ihn geschickt hatten, einen um so wahrheitsgetreueren Bericht über seine Sendung geben zu können. Bei seiner Herabkunft erklärte er mit lauter Stimme vor den Offfcieren und Soldaten, daß er zufrieden sei, daß er dem Volke Bericht erstatten werde und die Hoffnung hege, daß dieses eine Bürgerwache stelle, welche im Verein mit den im Schlosse befindlichen Truppen die Bastille hüten solle. Hierauf verließ er das Schloß und kehrte mit dem Gouverneur de Launay in dessen Haus zurück. Um das unterdessen über das lange Verbleiben seines Deputirten ungeduldig gewordene Volk zu beruhigen, trat dieser an ein Fenster und versicherte, daß er in wenigen Augenblicken draußen sein werde. Kurz darauf verließ er den Hof.
(Schluß folgt).
Redaktion; A. Schetzda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


