Ausgabe 
25.9.1886
 
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Mutter Karey's Küchelchen.

(Schluß).

Wir können nicht fort", murmelten die Matrosen in abergläubischer Furcht durcheinander und nur scheue Blicke hinunter nach ihren tobten Gefährten werfend,wir haben es versucht, den Anker aufzu­winden, aber die Vier da drunten halten so fest, daß wir es nicht einmal vermochten, die große Winde l zu drehen?!

Nein, ich kann's nicht!" 1

Gut, dann müssen die Nachforschungen fortge- ! setzt werden, bis wir die Lösung haben. Es könnten dabei noch andere Dinge an den Tag kommen, von denen Sie selbst keine Ahnung haben."

Zum Beispiel?"

Ein amerikanisches Duell!"

Wer hat Ihnen das gesagt?"

Ich vermuthe er."

Ach so ich dachte nicht daran, daß Sie mit Ihrer lebhaften Phantasie"

Verzeihen Sie, ich folgere meine Schlüsse aus Thatsachen!"

Ich finde hier keine Thatsachen."

Herr von GörliH könnte Ihnen eine solche vor­legen", erwiderte Rommel, sich mehr und mehr er­eifernd.Gestern Abend ist eine Thatsache entdeckt worden, die nach meiner Ueberzeugung eine weit­tragende Bedeutung hat."

So? da bin ich doch neugierig!"

Ich will's Ihnen berichten; vielleicht errathen Sie die Bedeutung sofort. Zur Feier unserer drei- fachen Verlobung sollte Einer von uns ein Souper geben; wir wollten das Loos darüber entscheiden lassen, wer die Kosten übernehmen mußte. Karten hatten wir nicht, aber Herr von Görlitz fand in seinem Schreibtisch einen Würfel, an den er seit Jahren nicht mehr gedacht zu haben schien. Er wollte uns nicht erlauben, diesen Würfel zu benutzen, aber Freund Brausewind hatte schon Besitz davon ergriffen und ihn einige Male über den Tisch rollen lassen. Er machte die Entdeckung, daß stets die Sechs oben blieb. Herr von Görlitz geriet!) in furchtbare Aufregung; wir zerschlugen den Würfel und fanden, daß die der Sechs entgegengesetzte Seite mit Blei ausgesüllt war."

Oberst Johnson war von seinem Sitz emporge­fahren; seine Hand hielt den Arm des jungen Mannes fest umklammert.

Und Herr von Görlitz?" fragte er mit heiserer Stimme.Gab er Ihnen Aufschluß?"

Nein I Wir mußten ihn verlassen; seine fieber- hafte Erregung gestattet ihm nicht"

Sie wissen also Nichts weiter, als daß dieser Würfel gefälscht ist?"

Nichts weiter! Sie aber"

Ich weiß ebenfalls Nichts!" sagte der Oberst mit einer raschen, energisch ablehnenden Handbe­wegung.Sagte Herr von Görlitz Ihnen auch nicht, wann und wie dieser Würfel in seinen Besitz gekommen ist?"

Nein, und gerade dieses Schweigen läßt mich erkennen, daß meine Verrnuthungen begründet sind. Ein amerikanisches Duell, entschieden durch gefälschte Würfel, also mit biirren Worten gesagt: ein Mord"

Vergessen Sie nicht, daß dies Alles vorläufig nur noch Vermuthung ist", fiel der Oberst ihm ernst in die Rede.Solche Vermuthungen aber darf man

erst dann aussprechen, wenn sie durch Beweise be­stätigt sind."

Und wo soll ich die Beweise suchen?"

Sie? Was kümmert denn Sie"

Die Schwester Salberg'S ist meine Braut!"

Daraus erwachsen Ihnen nach dieser Seite hin keine Verpflichtungen!"

Ludmilla wünscht, daß ich ihr Klarheit und Gewißheit verschaffe, und ihr Wunsch ist mir Befehl."

' Der Oberst stützte das Haupt auf den Arm und blickte sinnend vor sich hin.

Sie mögen eine gewisse Berechtigung dazu haben; ich will das nicht bestreiten", sagte er nach einer geraumen Weile.Darum aber dürfen Sie noch immer nicht solche Vermuthungen aussprechen.

Diese Vermuthungen liegen so nahe, daß Jeder auf sie fallen muß", erwiderte Rommel, dessen forschender Blick unverwandt auf dem Oberst ruhte. Wollen Sie auch jetzt noch jeder Begegnung mit Herrn von Görlitz ausweichen? Vielleicht wird er Ihnen nähere Erklärungen geben. Sie waren ja auch mit Salberg befreundet."

Ich kann Ihnen darauf jetzt noch keine Antwort geben." , r .

Der Landrath scheint auch noch immer Nicht seinem Haß gegen den Hauptmann gebieten zu können; ich fürchte, es wird noch einmal zu entern Rencontre kommen."

Das glaube ich nicht."

Eingefädelt ist es schon -"

Mag sein! Aber seinen Zweck wird der Land- rath nicht erreichen. Wann erwarten Sie den Oberförster?"

Uebermorgen."

Wollen Sie mir einen großen Gefallen er­zeigen ?"

Gewiß, sehr gern!"

Lassen Sie mich's wissen, sobald der alte Herr hier angekommen ist. Ich möchte noch vor feiner Vernehmung mit ihm reden; vielleicht kann ich ihn bewegen, dem Richter Alles zu sagen, was dieser zu wissen verlangt.

(Fortsetzung folgt.)