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(Nachdruck »erboten.)

Eine der merkwürdigsten und von auswärtigen Geschichtsschreibern am stärksten entstellten Episoden aus dem Leben des ersten Napoleon, ist die Geschichte seiner Trennung von der Kaiserin Josephine, seiner ersten Gemahlin. Erst im vorigen Jahre versuchte ein französischer Schriftsteller Jmbert de Saint-Amand in der eben so gründlich als wahr behandelten Monographie:Die letzten Jahre der Kaiserin Josephine" eine zusammenhängende Schilderung der den wichtigen Staatsact jener Scheidung begleitenden Ereigniste zu geben. Einige Einzelnheiten aus jenem Buche Saint-Jmbert's, die nur wenig bekannt sein dürften, und die ein Helles Licht auf das Familien­leben Napoleon's des Ersten werfen, verdienen gewiß auch die Aufmerksamkeit außer-französischer Geschichts-

dazn schweigen müssen! Aber wartet nur,-Gesindel! Auch an Euch kommt die Reihe, und dann werden Andere jubiliren."

Als Leuchtmann an seinen Platz zurückkehrte, waren die Augen des ganzen Bureaupersonals auf ihn gerichtet; man zweifelte nicht, daß Herr Duprat dem alten Herrn wieder etwas eingebrockt habe. Eine diesbezügliche Frage eines Ueberneugierigen blieb unbeantwortet. Aber man kannte den Herrn Prokuristen schon genügend, um zu wissen, daß alles Böse von ihm kam. , ,

Schade um ihn", murmelte Etwold rüdesten gedankenvoll.Aber Gedankenschwäche nein, so etwas kann ich unmöglich dulden."

(Fortsetzung folgt).

Entschiedenheit gewesen, zauderte lange, als cs sich darum handelte, mit jener Fran auf immer zu brechen, welche während vierzehn Jahren so innig mit seinem Geschicke verbunden gewesen und die rn ihm die lebhaftesten Erinnerungen an die Tage seiner Jugend und fernes Ruhmes wachries. So« wohl der Zeitpunkt, in dem die Kaiserin den ver- hängnißvollen Entschluß erfahren mußte, als «re auch die Form, in welcher ihr derselbe nmgetherlt werden sollte, bereiteten Napoleon dre empfindlichsten Verlegenheiten. Der gewaltige Mann, gewohnt Gefahren zu trotzen und alle Hindernisse zu zer­brechen, bebte zum ersten male. Schon seit erner Woche hatte er die Hand einer der Schwestern des Kaisers Alexander I. von Rußland begehrt, und dennoch wagte er es nicht, Josephine jene eben so peinliche als noihwendige Erklärung zu geben, sondern verschob dieselbe von Tag, zu Tag. Therls hoffte er, Josephine würde ihm durch freiwillige Er­gebung zuvorkommen; am meisten bestimmte sein Zögern aber wohl die erwartete Ankunft des Sohnes Josephinen's, des Vice-Königs Eugen, von welchem er für Josephmen Trost in so schwieriger Lage er­

wartete. . . ,

Die Kaiserin war noch immer eme reizende <z-rau und der heimlich an ihr nagende Gram lieg ste nur noch liebenswürdiger und anmuthiger erscheinen. Herr von Baustet, welcher dem tragischen Acte der Scheidung beiwohnte, entwarf von Josephmen folgende Schilderung.Die Kaiserin", so schreibt er,war damals sechsundvierzig Jahre alu Sie besaß die anmuthigsten Manieren und die graziöseste Haltung. Ihre Augen und ihr Blick waren be­zaubernd, ihr Lächeln voll Liebreiz, ihre Zuge und ihre Stimme waren von rührender Sanftmut),. ihr Wuchs war edel und schlank; dabei besaß ste einen erlesenen Geschmack und verwandte bedeutende Sorg­falt auf ihre Toiletten, so daß ste viel jünger schien, als ste wirklich war. Aber alle diese glanzenden Vorzüge standen doch noch der Güte und Große 8 ihres Herzens nach. Obgleich der Geist der Kasserm sehr lebhaft war, verletzte ste doch niemals die Eigenliebe Anderer, sie wußte Jedermann stets An­genehmes zu sagen und ihr Charakter bewahrte immer einfachen Gleichmut«. Dabei hrng s rührender Treue an Napoleon, und machte sein Herz ost, ohne daß er es selbst bemerkte, sanf eren und besseren Regungen zugänglich. Dre Natur hacke ihr ächtes und stets wahrbleibendes Gefühl vergehen, und nur wenige hochgestellte Frauen kamen ihr °n Opfermuth gleich, der sich bei ihr aus Liebe für den Gatten, bis zur Selbstverleugnung steigerte.

Am 30. November 1809 entschied sich endlich der Kaiser, Josephmen die traurige Nachricht von der bevorstehenden Scheidung zu überbringen. Er selbst äußerte sich über die Ereignisse jenes Tages Herrn von Bausset, dem Präfekten des Palastes, gegenüber mit folgenden Worten: ,, welche er­greifende Trauerspielscene habe ich heme erlebt:

freunde.

Im November 1809, so schreibt der mehrge­nannte Biograph Josephinen's, war in Paris eine große Anzahl gekrönter Häupter^ versammelt. Dre Könige von Württemberg und Sachsen, der König und die Königin von Holland und die regierenden Mitglieder des Rheinbundes waren damals zum Besuche des Kaisers nach Paris gekommen. Während dieser glänzenden Fürstenversammlung sollte das grausame Opfer der Scheidung von Napoleon voll­zogen werden, und war, durch eine lächerliche Laune des Schicksals, der Hof niemals prächtiger, als m jenem Augenblicke, in welchem iyn die Kaiserin für immer verlassen sollte. Der Z-Mg, Welchen sich Napoleon aufcrlegte, sobald er sich scmer sanften und unglücklichen Gemahlin gegenüoer b-fand, ver­mehrte sich in demselben Maaße, als die Kaiserin

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