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gebenheiterEwar, ja selbst 'in dieselben thätig ein» griff, schilderte in seinen Aufzeichnungen jenen Tag, von dem er folgende Einzelheiten berichtet: „Ich konnte schon am Montag, Dienstag und Mittwoch eine große Erregung in den Zügen des Kaisers wahrnehmen, während Napoleon's Benehmen düster und gezwungen schien. Er unterbrach während des Diner's nur das beängstigende Schweigen, um einige kurze Fragen an mich zu richten, und er hörte nicht einmal auf meine Beantwortung derselben. Auch war in jenen drei Tagen das Diner in kaum zehn Minuten beendet. Donnerstag den 30. November brach aber der Sturm los."
Napoleon und Josephine hatten zusammen in einem Zimmer des ersten Stockwerkes, das nahe bei dem Eabinet des Kaisers lag, gespeist. Josephine trug einen großen weißen Hut, welcher unter dem Kinn befestigt war, und der einen Theil ihres Gesichtes verbarg. Napoleon aber schlug fast beständig die Augen nieder. Man vernahm nur das Geklapper der Teller und Schüsseln, welche die Hofdienerschaft ab- und zutrugen- Die Ehegatten berührten die ihnen vorgesetzten Gerichte nicht. Nach Tische begab sich Napoleon mit Josephine in einen größeren Saal, der nächst dem Thronsaale und der Galerie der Diana lag. Hier entschloß sich Napoleon endlich zu reden. Er begann damit, daß die Wohl- fahrt des Reiches einen heldenmüthigen Entschluß erheische, und daß er auf die Ergebenheit und den Muth Josephinens zähle, um in eine Scheidung zu willigen, zu welcher er sich selbst nur mit der größten Schwierigkeit entschlossen habe. Die Kaiserin entgegnete nichts; sie zerfloß in Thränen und fiel ohnmächtig nieder. Napoleon rief hierauf Herrn von Bausset herein, welcher an der Thüre des Salons gestanden, und der das Schluchzen der Kaiserin gehört hatte. „Kommen Cie herein, Bausset", so sprach er, „und schließen Sie die Thüre." Der Präfekt des Palastes folgte dem Befehle und bemerkte Josephine, in Thränen schwimmend, auf dem Teppich liegen. „Nein", rief sie, „nein ich kann es nicht überleben!" Napoleon frug Herrn von Bauffet: „Sind Sie stark genug, die Kaiserin aufzuheben und sie über die innere Treppe nach ihren Gemächern zu bringen, damit man ihr dort die Sorgfalt und die Hülfe widmet, die ihr Zustand erfordert?" Der Präfekt nahm hierauf Josephine auf seine Arme, während ihm der Kaiser die Thüre des Salons öffnete und schritt voraus durch den dunklen zur kleinen Treppe führenden Gang. Jene Treppe war indessen so eng, daß kein Mann mit emer Last dieselbe hinabzusteigen vermochte, ohne einen Fall zu befürchten. Herr von Bausset bemerkte dies dem Kaiser, welcher hierauf einen Kammerdiener berief, der sich in der Nähe befand. Letzterer schritt nun dem Kaiser und Herrn von Bausset voran, welche Josephinen beim Kopf und den Füßen haltend, mit Mühe, aber ohne weiteren Unfall, über die schmale Treppe in ihr Schlafgemach
trugen, woselbst sie die unglückliche Fürstin auf ein Sopha niederlegten.
Napoleon schellte und zog sich, sobald die Kammerfrauen zur Hülfeleistung bei ihrer Gebieterin eintraten, zurück. Er ging in das Nebenzimmer, dort vergoß er heiße Thränen und ließ die Spuren tiefsten Schmerzes wahrnehmon. Der stolze Herrscher vergaß sich sogar in seiner Verwirrung so weit, daß er Herrn von Bauffet die Ursache jenes schmerzlich bewegten, soeben stattgefundenen Auftrittes mit- theilte, und die folgenden, oftmals durch tiefe Rührung unterbrochene Worte sprach: „Das Interesse Frankreichs und meiner Dynastie hat über mein Herz gesiegt. Die Scheidung ist mir zur unabweisbaren Pflicht geworden. Ich bin um so mehr über den Auftritt, welchen mir Josephine bereitete, betrübt, als sie bereits seit drei Tagen durch Hortense (die Königin von Holland und Josephinen'S Tochter) wissen mußte, welche unglückliche Verpflichtung mich zur Trennung von ihr nöthigt. Ich beklage Josephine von ganzer Seele, doch traute ich ihr mehr Charakterfestigkeit zu, denn ich war nicht auf einen solchen Ausbruch ihres Schmerzes vorbereitet." Nach jedem Satze machte Napoleon eine lange Pause und schöpfte mühsam Athem. Dann ließ er Corvisart, Foucho, LambacZres und die Königin von Holland, Hortense, herbeiholen und überzeugte sich selbst, ehe er wieder in seine Gemächer hinaufstieg, von dem Befinden Josephinen'S. Er fand sie viel ruhiger und ergebener, und vertraute sie der Sorgfalt des Dr. Corvisart. Hierauf empfing er Cambacärer und Foucho im ersten Stockwerke und schloß sich später mit der Königin von Holland ein. Die Unterredung mit dieser bot eine Quelle neuer heftiger Erregungen.
Zuerst nahm Napoleon, im Gespräch mit der jungen Königin, künstlich eine gewisse Härte an, wahrscheinlich um seine eigene Rührung nicht wahrnehmen zu lassen. „Ich bin fest entschlossen", so begann er, „Thränen und Jammern vermögen keine Entscheidung zu ändern, die unvermeidlich und zum Hcile des Reiches unverbrüchlich nothwendig geworden ist." — „Sire, Sie werden weder Jammern hören, noch Thränen sehen", entgegnete die Königin von Holland. „Die Kaiserin wird nicht verfehlen, sich Ihren Wünschen zu unterwerfen und vom Throne herabzusteigen, wie sie denselben eingenommen, indem sie sich Ihrem Willen fügt. Ihre Kinder werden aber gerne jenen Würden entsagen, welche sie nicht glücklich gemacht haben, und ihr künftiges Leben der Tröstung der besten und zärtlichsten aller Mütter widmen." — Hierauf erzürnte Napoleon gewaltig. „Das darf nicht sein", schrie er, „man würde an eine geheime Mißstimmung, welche Ihr gegen mich hegt, oder die mich gegen Eure Mutter und ihre Familie beseelt, glauben." — „Wir werden auch in der Verbannung niemals vergessen, was wir dem Kaiser schulden", entgegnete Hortense.
(Schluß folgt.)
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