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„Meinetwegen?" erwiderte der Oberförster endlich.
seid da in einem Jrrthum, über den ich Euch leider nicht aufklären kann. Ss mag sein, daß ich in diese fatale Geschichte verwickelt bin, aber von einem Verbrechen kann hier gar keine Rede sein. Uhr und Ring waren freilich dem Tobten geraubt, und habt Ihr zuerst ihn gefunden, dann werdet Ihr bester misten, als ich —"
„Gar Nichts weiß ich!" fiel der rothe Fntz rhm heiser ins Wort. „Es heißt ja, der Mann habe in Wiesbaden Alles verspielt, und in Wiesbaden giebt's Leute genug, die einem ruinirten Spieler da» Letzte abkaufen."
„Wir wollen nicht weiter darüber reden", fuhr der alte Herr fort, „die Verwandten haben auf alle Nachforschungen verzichtet, und das Gericht wird heute gewiß nicht mehr daran denken. Ihr beklagt Euch darüber, daß Ihr verfolgt und überwacht werdet, aber ich meine, das hättet Ihr voraussehen können. Ihr seid vor Eurer Auswanderung mehrfach bestraft gewesen, das vergißt man nicht, und ich kann es meinen Beamten wahrhaftig nicht Übel nehmen, wenn sie Euch scharf auf die Finger sehen."
„Bah, wenn ich weiter Nicht» zu fürchten hätte!" (Fortsetzung folgt).
Der Ausstand der Mompurru-
Aus einem egyptischen Tagebuche.
Von R. v. Saldern. (Fortsetzung).
In der That konnte mir Sadik Dima schon am Abend des vierten Marschtages — in der Zwischenzeit hatte sich nicht» Besonderes erreignet — mittheilen, daß der lange Unterofficier in der dritten Abtheilung, Baber Mandschera, als das eigentliche Haupt der Verschwörer zu betrachten sei und daß zu denselben auch unser Führer gehöre. Heber die muthmaßliche Stärke der Meuterer hatte Sadik allerdings noch nichts Bestimmte» erfahren können, dagegen versicherte er, daß die ihm untergebenen Soldaten alle treu seien und daß er dafür sorgen würde, daß aus ihnen möglichst die Mannschaften für die abendlichen Wachtposten entnommen würden; das Weitere mußten wir eben abwarten.
Wir rückten noch immer ohne besondere Zwischenfälle ziemlich rasch vorwärts, nur daß wir mehr und mehr in sumpfige Districte kamen und Fieberanfälle machten sich bei den Officieren wie bei den Mannschaften bemerklich und von letzteren waren schon mehrere den Anstrengungen des Marsches wie den Anfällen des Fiebers erlegen. Das war aber nur der Anfang eines Marsches, Signor", — Galvini schüttelte sich ordentlich noch vor nachträglichem Entsetzen und stärkte sich schleunigst durch einen tüchtigen Schluck, „an den ich mit Schaudern zurückdenken kann. Einen Weg konnte man unsere Route gar
nicht mehr nennen, wir arbeiteten uw» Jeder, so gut wir konnten, durch die Moräste, in welche die Mannschaften oft knietief einsanken und in denen es von allerhand Gewürm wimmelte, dann durch stachliches Gestrüpp und ein verschlungene» Gewirr von Schlingpflanzen und Ranken, wobei wir Berittenen natürlich absteigen und die Pferde nachführen mußten, mühsam hindurch, inmitten einer heißen, erstickenden Luft, von dichten Haufen von Mosquitos oder wie die blutsaugerischen Jnsecten sonst heißen mochten, umschwärmt, dabei die Hälfte von un» vom Fieber geschüttelt — o, Signor, seitdem habe ich noch manche abenteuerliche Fahrt mitgemacht, aber nie mehr einen solchen höllischen Marsch!" Der Erzähler bedeckte mit der Rechten einen Augenblick die gebräunte Stirn und fuhr fort:
„Unsere drei Kanonen waren schon beim Passtren der ersten Sümpfe stecken geblieben und aus dem scheußlichen Morast und den Umschlingungen der zähen Sumpfpflanzen auch gar nicht wieder herauszubekommen, ebenso erging e» un» schließlich mit den Munitionswagen — zum Unglück brach unter den Maulthieren und den unsere Proviantvorräthen tragenden Kameelen eine Art Seuche au», welcher viele Thiere erlagen, so daß wir Munition und Proviant, so gut die» eben anging, auf die noch übrigen Thiere verpacken mußten. Ueberdie» raffte das Sumpffieber förmlich bei jeder neuen Marsch* stunde die Mannschaften weg — wir ließen eine breite, entsetzliche Spur von tobten Menschen und Thieren, von weggeworfenem Gepäck und allerhand weggeworfenen Waffen zurück! Endlich ging uns auch noch unser spitzbübischer Führer, der uns wohlweislich erst in diese elenden Sumpfgegenden gelockt hatte, durch, an dem Schuft war freilich nicht» verloren und überdies sollte er auch bald genug seinen wohlverdienten Lohn erhalten."
Der alte Jäger ließ sich anscheinend nicht ungern dadurch unterbrechen, daß ich noch eine letzte Flasche bestellte und nachdem die Gläser frisch gefüllt waren, berichtete er weiter: „Sie können sich einen Begriff von diesem furchtbaren Marsch machen, Signor, wenn ich Ihnen sage, daß das Regiment 1200 Man stark von Chartum ausgerückt, jetzt aber auf kaum 500 Mann zusammengeschmolzen war, also Über die Hälfte Leute verloren hatte! Jndeffen befferte sich der Gesundheitszustand ersichtlich, sobald wir die höher gelegenen Bergteraffen erreicht hatten; dafür liefen uns aber die schwarzen Burschen dutzendweise fort, denn nunmehr waren wir im Gebiets der aufständischen Mompurru angelangt. Aber ihre Dörfer, die wir jetzt öfters durchzogen, zeigten sich alle von den Bewohnern verlaffen, nur verschiedene Hausthiere, namentlich eine Art Ziegen, waren zurückgeblieben und diese erklärten wir natürlich für gute Beute, da es mit unseren Proviantvorräthen auf die Neige ging.
E» war gegen Ende der dritten Woche feit unserem Ausmarsche aus Chartum, als wir eines Abends auf einer ziemlich trockenen Lichtung Halt


