Hießener Jamilienbläller
BsSetristisches BeihLstt Mm Gießener ArWiM-
1888.
Dienstag den 24. August.
Rr. 99
Saat und Krnte.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.) 14. Capitel.
Beweise.
Wie Emil Rommel es vermuthet hatte, fand man am nächst- n Morgen die Büchse des rothen Fritz in dem hohlen Baume.
Der Förster fügte die einzelnen Theile ineinander und machte die Herren auf die Kennzeichen aufmerk' fam, die den sichern Beweis lieferten, daß erst kurz vorher ein Schuß aus dieser Waffe abgefeuert worden war.
Man ging nun zu der Stelle, auf der das Attentat verübt worden war. Fußspuren waren nicht mehr zu entdecken; der Schnee, der noch immer in dicken Flocken niederste!, hatte sie verwischt.
Der Wirth konnte den Ort ganz genau bezeichnen, und bald hatte auch der Förster die Kugel gefunden, die aus einem Baume geschnitten werden mußte.
Die Kugel paßte zur Büchse; für die Sachverständigen unterlag es keinem Zweifel, daß sie aus dieser Waffe abgcschoffen worden war, und als Sachverständige durften sich alle Anwesende bezeichnen; Jeder von ihnen hatte schon an einer Jagd theilgenommen und mehrmals eine Schußwaffe in der Hand gehabt.
„Diese Beweise genügen vorab", sagte der Referendar. „Es unterliegt nun wohl keinem Zweifel mehr, daß der rothe Fritz den Mordversuch verübt hat. Bitte, geben Sie mir einmal Ihre eigene Büchse, Herr Förster. Da sehen Sie, meine Herren, aus dieser Waffe könnte das Geschoß nicht gekommen sein; ich überzeuge Sie davon nur des. Mb, um Ihnen zu beweisen, daß die Kugel in dem Rohr des Vagabunden gesteckt haben muß!"
„Aber ist diese Büchse wirklich Eigenthum des rothen Fritz?" erwiderte der Wirth, deffen Mißtrauen noch immer nicht geschwunden zu sein schien. „Diese Frage müßte vorher gelöst werden."
„Sie ist bereits gelöst", unterbrach Hellmuth ihn mit einem zornflammenden Blick. „Ich habe ja mit eigenen Augen gesehen, daß er die Waffe aus dem Versteck holte. Wollen Sie meinen Worten keinen Glauben schenken?"
„Ich danke, diese Aussage ist so klar, daß man ihr Glauben schenken muß!" sagte Rommel mit scharfer Betonung, während er dem Wirth einen
warnenden Blick zuwarf. „Wo sind die Gensdarmen, Herr Ortsvorsteher?"
„Sie durchstreifen den Wald, um den Vagabunden zu suchen."
„Ich glaube nicht, daß sie ihn finden werden", nahm der Förster wieder das Wort. „Der rothe Fritz kann sie schon von Weitem kommen sehen, und sie kennen den Wald nicht so genau wie er. Es wird einige Tage dauern, ehe wir ihn haben, wenn er nicht schon die Gegend verlaßen hat."
„Er ist auch gestern Abend nicht im Dorf gesehen worden?" fragte der Referendar.
„Nein", erwiderte der Ortsvorsteher. „Er ist überhaupt selten im Dorf gewesen. Mit den Leuten dort will er Nichts zu thun haben; wenn sie ihn anreden, wird er grob."
„Aber er muß doch einen Ort haben, an dem er übernachtet!" warf der Referendar ein. „Mir scheint, er ist nicht scharf genug überwacht worden!"
„Wie kann ich einen solchen Menschen überwachen! Ich habe dasür keine Leute; wenn der Vagabund das Dorf verläßt, hört meine Controle überhaupt auf. Scheunen und Ställe gießt es in der Umgegend genug, in der er sich hineinschleichen ; kann, um dort zu übernachten!"
„Vielleicht ist er nach Wiesbaden gegangen" sagte der Wirth. „Es könnte nicht schaden, wenn man die Behörde dort auf ihn aufmerksam machte."
Der Referendar stand in Nachdenken versunken.
„Ich werde nachher ins Dorf kommen", wandte er sich noch einer geraumen Weile zu dem Ortsvorsteher. „Finden die Gensdarmen sich vorher ein, so sollen sie auf mich warten, damit ich ihnen meine Instruktionen geben kann. Haben Sie ein sicheres Gefängniß?"
„Nur eine Stube mit vergittertem Fenster; für die Sicherheit des Gefangenen übernehme ich keine Bürgschaft." '
„Dann muß er sofort nach kurzem Verhör weiter transportirt werden. Aber darüber läßt sich ja noch sprechen, wenn wir ihn haben. Kommen Sie, Herr Förster, ich wünsche, daß Sie mich begleiten; es wäre ja möglich, daß wir dem Burschen begegneten." „Wohin wollen Sie?" fragte Hellmuth, als sie sich eine kurze Strecke entfernt hatten.
i „Zum Oberförster."
„Glauben Sie, daß er Ihnen angeben kann, t wo der rothe Fritz zu finden ist?"
„Nein; ich möchte einige andere Fragen an ihn 1 richten. Sie werden mich vor dem Försterhause erwarten."


