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1 wenn ich nicht voraussetzen durfte, einen tsenneman vor mir zu sehen, so würde ich die ganze Sache,
(Fortsetzung folgt.)
„Bah, Herr v. Wülfing!" unterbrach Natalie ihn lachend, „wenn Ihre Landsleute allein dort anzutreffen wären! Arroganz und Uebermuth wuchern wie die Prlze überall, wohin das Geld sich dommirend pflanzt. Doch kommen Sie, ich mag heute in der Thal keine Menschen mehr sehen."
M ^den.
Die beiden Damen waren an diesem Tage mcht mehr ausgegangen, doch 'nahmen sie am nächsten Morgen ihr gewohntes Bad auf der Düne, prome- nirten am Strande mit Herrn v. Wülfing und Reimann, weil Madame Borner noch immer stark erkältet war und dinirten dann bei ihr zu Hause.
Allerdings hatte Frau Hartung mit ihrem Anhang sich noch prononcirter und demonstrativer gegen । die Vervehmten benommen, während die englische \ Gesellschaft sie einfach ignorirt und Mylord Archibald j urplötzlich unsichtbar geworden war. Niemand hatte l eine Ahnung davon, daß er sich direct an den | Gouverneur gewandt und diesen von dem Vorfall । in Kermtniß gesetzt hatte, um nöthigenfalls seinen Rückzug zu decken, wenn dem Gegner ein Unglück zustoßen sollte.
Daß er die Beleidigung des jungen Hamburgers mit einem Faustschlage erwidert, fand der Gouverneur in der Ordnung, wünschte aber das Duell vermieden zu sehen, was Mr. Archibald ihm durch eine rasche und heimliche Abreise zusagte, zu welchem Behufs er eine Art Freischein sich erbat und erhielt, um am zweiten Morgen mit dem Dampfer nach Bremer- Hafen abzusegeln.
Als Herr v. Wülfing den Sohn Albion's, ter sich zum Cartellträger Mylord's angeboten und für die Ehre desselb n sich verbürgt hatte, aussuchte, um die nöthigen Verabredungen hinsichtlich des Duells mit ihm zu treffen, da der Engländer sich bei ihm nicht hatte blicken lassen, bemerkte derselbe trocken, daß der Gouverneur von der inzwischen ruchbar gewordenen Geschichte vernommen und nur eine regelrechte Boxerei gestatten wolle, zumal Mr. Archibald nach Darlegung der Sachlage sich durch den Schlag nur sür die erlittene Beleidigung revanchirt habe, ein Grund zu einem solchen blutigen Rencontre also nicht vorliege.
Der alte Herr glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen und blickte den Engländer, der mit den Händen in den Taschen ihm gleichgiltig den Cigarren- dampf in's Gesicht blies, erstaunt an. Dann aber in Empörung ausbrechend, trat er einen Schritt zurück, seinen Spazierstock unwillkürlich fester -packend.
„Herr!" sagte er mit seiner gewohnten Höflich.
feit, welche den alten Edelmann niemals verließ, wenn ich nicht voraussetzen dürfte, einen Gentleman
9. Capitel.
Das Gerücht von der abscheulichen Scene in der Kartoffel-Allee hatte sich durch die ganze Badegesellschaft verbreitet, obwohl die Unbetheiligten nichts Genaues darüber erfahren konnten, da die Hauptattentäter wohlweislich schwiegen und die Angegriffenen sich ebenfalls nicht bewogen fühlten, darüber
Ei« Festdiner Karl Maria's do« Weber.
Eine sehr heitere Episode aus des Meisters Lehr- und Wanderjahren erzählt Ernst Pasqus m der Touger'schen „Neuen Musik-Zeitung", die wir im Auszugs hier wiedergeben:
Es war im Jahre 1810. Drer Schüler des berühmten Tongelehrten Abt Vogler weilten damals in Darmstadt: Gänsbacher aus Wien war der älteste und längste, Karl Maria von Weber und Jakob Meyerbeer, der jüngste der fröhlichen Gesellschaft. Weber wurde von seinen Freunden viel nut seiner Wirthin, der alten Janitzsch, die ihm in der klnnen Ochsengaffe für 12 Kreuzer auftischte, gestichelt. Da rief er eines Tages mit einer Entrüstung, die jedoch die fröhliche Laune schlecht verbarg, den Genossen zu: „Was — mein 12-Kreuzer-Dmer wollt Ihr schmähend verschmähen? das muß gerochen werden! Morgen geht's der Meyerbeerschen Composttron in Eß-Dur an den Kragen, wir spielen sie vom ersten bis zum letzten Bissen herunter, und liegt sie uns nicht zu schwer im Magen, dann se'.d Ihr übermorgen meine Gäste. Und eine Festtafel sollt Ihr haben, wie Ihr noch keine im Leben gesehen, noch wieder sehen werdet, mit einer noch viel köstlicheren Tafel- *UU?Qur selben Zeit hatte Großherzog Ludwig Lf der große Musikfreund und Kenner, selbst em W I tiger Musiker, der die Concerte im Restdenzschlosse dirigirte, die in Darmstadt weilende Schauspiel- und Operntruppe des Prinzipal Krebs auf die Hofkaffe
als meiner nicht würdig, fallen lassen. Ich bm indeß auch mit meiner Ehre bei dieser abscheulichen Geschichte betheiligt, da ich der Begleiter, somit auch der Vertheidiger jener jungen Dame gewesen, welche allen guten Sitten zum Hohn das Opfer eines frechen Complots geworden. Ich sage Ihnen ein. fach, daß Herr Reimann und ich jenen Mr. Archl- f bald und Sie um 6 Uhr heute Nachmittag am ? Nordhorn erwarten oder Sie beide vor der ganzen | Gesellschaft züchtigen werden. Ich lege Ihnen ferner \ als Ehrenpflicht die strengste Verschwiegenheit hierüber auf und überlasse Ihnen die Wahl der Waffen.
, Gut, gut, Sir!" lächelte der Englänoer höhnisch, „wir wählen die Faust, - wir boxen!"
„Sie sind entweder ein Narr oder em Feigling! rief Herr v. Wülfing zornig. ,
„Bah, mit Greisen boxen wir mcht, Sir I — wir werden um 6 Uhr kommen, all nght ! — AVer den Feigling sollen Sie mir bezahlen, godäani'. — ich schieße Sie nieder wie einen Hasen, was liegt daran, old. Boy!“


