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Redaktion: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießm.
lichen Fischmahlzeit geschwächt fühlten. Gegen Äbend wurde die letzte traurige Pflicht gegen die verstorbenen vier Matrosen erfüllt — man band die Leichname auf Bretter, befestigte an denselben Kanonenkugeln, damit sie sofort untersänken, betete dann ein fromme» Gebet und unter dem Singen eine« geistlichen Liedes wurden die vier Leichen dem Schooße des Meeres übergeben. , ,
Am nächsten Morgen sollten die Anker gelichtet werden und wirklich ertönte auch über den Sabinen der Passagiere das Geräusch, das mit dieser Beschäftigung immer verknüpft zu sein pflegt- Aber das Getrampel und das Geschrei der Matrosen hörte sehr rasch wieder auf und machte einer fast unheimlichen Ruhe Platz. Mr. Hendricks, dem diese plötz- liche Stille nach dem vorangegangenen Geräusch seltsam vorkam, stieg an Deck empor und ihm folgten fast unmittelbar Dr. Webster und der Deutsche. Auf dem Verdeck bot sich den Paflagieren ein an Bord eines Schiffes ganz ungewohnter Anblick dar _ die Matrosen standen oder lehnten unthätig, jedoch mit finsteren oder auch bestürzten Mienen, umher, die wenigen Officiere, wie der Hochboots, mann und der zweite Steuermann, der auf dem „John Douglas" indessen bis jetzt auch mit Matrosendienste hatte verrichten müssen, ehe er nun zum Ersätze des unglücklichen Tom Manners berufen worden war, faßen in mürrischem Schweigen am großen Mast bei einander und nur Capitain Dumnore wanderte, die Arme in einander gekreuzt und eben» falls mit gefurchter Stirne, auf dem Verdecke rast« los auf und nieder, ohne daß er nur einen Bleck auf die spiegelglatte See oder auf den sich em schönsten Blau präsentirenden Himmel warf.
Mr. Hendricks frug einen der Leute, was es denn gegeben habe, und stumm deutete der Mann auf den Anker.
„Nun, was ist's mit dem Anker?" fragte verwundert der Kaufmann weiter; ,,hat er vielleicht nicht gefaßt und sind wir in der Nacht wohl gar auf eine Sandbank getrieben?"
„O ja", erwiderte der Matrose, ,,er hat so gut gefaßt, daß wir wohl kaum mehr von dieser verdammten Stelle kommen werden — schauen Sie nur hinunter, da sind Leute, die uns wohl zu halten
Hendricks, und mit ihm die beiden Gelehrten, beugten sich über Bord — aber was sie nun sahen, war geeignet, auch den beherztesten Männern Furcht und Entsetzen einzuflößen. Auf dem Grunde des Meeres, das hier eine Tiefe von nur wenlgen Fuß zu haben schien, während es doch eine solche von mindestens sechzig Fuß hatte, lagen die Leichen der am vorhergegangenen Abend versenkten vier Matnisen mit aufwärts gekehrten Gesichtern da und es Men, als starrten die glasigen Todtenaugen das Schiff drohend an und hielten es mit ihren gespenstischen Blicken in einem dunkeln Zauberkreise gefangen.
| (Schluß folgt).
„Wollen Sie damit sagen, daß Signora Barlotti —"
„Ich will damit sagen, daß die Barlotti in meinen Augen nur eine Comödiantin ist, die nicht auf der Bühne allein, sondern auch im gewöhnlichen Leben sich in jede Rolle zu finden weiß", erwiderte der Landrath mit verächtlichem Achselzucken. „Sie mögen vielleicht anders darüber denken!"
„Die Dame ist meine Freundin I" sagte der Referendar, dem das Blut heiß in die Stirn stieg.
„Bah, ich weiß nicht ob Sie auf diese Freund, schäft so stolz sein dürfen; Sie müflen sie mit vielen Anderen theilen." (Fortsetzung folgt.)
Mutter Karey's Küchelchen. (Fortsetzung).
„Das haben wir davon", sagte Capitain Dumnore finster, sich zu Dr. Webster und Reichardt wendend, „daß der tolle Irländer nach den Sturmvögeln geschossen hatl Wir alle wären nicht erkrankt, vier meiner braven Burschen schauten noch fröhlich das Licht, auch mein wackerer Tom Manners und der unglückliche Schütze selbst lebten , noch — wenn er eben seinen verdammten Schuß nicht gethan hätte — und was ist zudem aus meiner schönen Brigg ge« worden!"
Webster und Reichardt suchten den alten See« wolf vergeblich von diesen abergläubischen Anschau« ungen zu bekehren. Dieselben waren selbst bei Capitain Dumnore, der sonst wirklich ein tüchtiger Seemann war und die zum Ober-Commando eines Schiffes nöthigen Kenntnisse mehr al» in hinläng« lichem Maße besaß, zu fest eingewurzelt, als ihm die jungen Gelehrten mit ihren Vernunftgründen hätten beibringen können. Schließlich bat der See- mann die beiden Freunde, das Gespräch nicht weiter fortzusetzen, da die Matrosen darauf aufmerksam werden und denjenigen, die ihre Erfahrungen nnb seemännischen Glaubensartikel ableugnen wollten, leicht als leichtfertige Spötter betrachten könnten und dann könne er, der Capitain, unter den obwaltenden Umständen für nichts stehen.
Einer solchen Ueberzeugungstreue gegenüber waren die beiden Gelehrten machtlos, sie begaben sich deshalb nach der Cajüte zurück, um hier insbe. sondere den Damen Mr. Hendrick'S, welche durch das furchtbare Ende des Irländers, von dem sie nur zu bald Kunde erhalten hatten, in große Er. regung versetzt worden waren, Trost und Beruhigung einzusprechen und dies gelang den Freunden um so eher, als jetzt die See sich längst wieder beruhigt hatte und Alles einen glücklichen Beschluß der Reise verhieß. Der Tag nach der Unglücksnacht verstrich unter verschiedenen Ausbesserungen, die sich durchaus nöthig machten; doch konnten nur die leichtesten Arbeiten vorgenommen werden, da die Matrosen sich immer noch von den Nachwirkungen der unhe,m-


