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der Dieb fein soll!" rief der Oberst triumphirend, «ährend der Blick Fränzchen's voll gespannter Erwartung auf dem Antlitz des Doktors ruhte. Schwerength, wenn Sie Recht behielten, dann müßte dieser Schurke ganz gewiß sein Leben im Zuchthause beenden!"
„Ich muß Sie darüber im Zweifel lasten, ob Ihre Vermuthungen richtig oder falsch sind", erwiderte der Advokat, den dieser Ausruf in einige Verlegenheit gebracht zu haben schien. „Jedenfalls darf ich wohl erwarten, daß Sie die strengste Verschwiegenheit beobachten werden. Wir sind ja noch nicht sicher —"
„Ich verstehe", fiel der Oberst ihm in die Rede. „Beunruhigen Sie sich nicht darüber, ich werde kein Wort reden, das Ihre Pläne in Gefahr bringen könnte. Wie aber steht es nun mit Sonnenberg? Wir Alle haben ihn bisher für den Schuldigen gehalten. Ruht jetzt auch auf ihm kein Verdacht mehr?"
„In Bezug auf den kastenraub — nein."
„Und ebenso wenig in Bezug auf die graue Dame?" fragte Fränzchen.
„Hm, ich kann darüber noch nicht urtheilen", sagte der Doktor zögernd, und dieses Zögern ließ nur zu deutlich erkennen, daß er mit der Sprache nicht heraus wollte. „Vielleicht werden wir auch hierüber heute oder morgen Gewißheit erlangen. Daß er ein Abenteurer ist, unterliegt nach den Entdeckungen, die wir gemacht haben, keinem Zweifel mehr, aber auch hier fehlen noch die greifbaren Beweise, die allein zu einer Anklage berechtigen. — Im Uebrigen haben wir auch mit dieser Sache wenig oder nichts zu thun, uns kann es genügen, wenn wir den schuldlos Verurtheilten befreien."
„Da haben Sie Recht", nickt« der Oberst, der sich erhoben hatte, „wenn wir das erreichen, so kann uns der Abenteurer Sonnenberg sehr gleichgültig sein. Vielleicht ist er doch nicht so ganz unbeteiligt daran, und dann wird das Gericht ihn schon zu finden misten. — Ra, Sie bleiben wohl noch einen Augenblick, Herr Doktor, ich will mir nur in meinem Eabinet eine Pfeife stopfen."
Er warf dem Advokaten bei den letzten Worten verstohlen einen sehr bedeutungsvollen Blick zu, dann ging er rasch hinaus.
Der Doktor sah ihm betroffen nach. Er glaubte die Bedeutung dieses Blickes zu errathen, aber wie konnte der Oberst von seinem Herzens-Geheimniß Kenntniß haben?
Unwillkürlich erinnerte er sich, daß auch Dora dieses Geheimniß errathen hatte. Sollte sie in diesem Kreise davon gesprochen haben?
Wie dem auch sein rMhte, dieser Blick hatte seinen Zweck erfüllt und ihn ermuthigt, und da er ein Freund von raschen Entschlüssen war, so beschloß er augenblicklich, sich noch in dieser Stunde Gewißheit zu verschaffen.
„So dürfte ich also hoffen, den Bruder heute noch wiederzizschen?" unterbrach Fränzchen seinen
Gedankengang, und das leise Zittern ihrer Stimme bekundete ihre mühsam bekämpfte Erregung.
Wie aus einem Traume erwachend blickte er auf, in sichtbarer Verlegenheit rückte er an seiner Brille.
„Heute noch?" fragte er. „Das wird schwerlich zu ermöglichen sein. Selbst wenn wir den Dieb fassen und ihm ein volles Schuldbekenntniß entlocken, so könnte doch die Entlassung des Gefangenen frühestens erst morgen erfolgen. Das Gericht muß darüber entscheiden; ich werde den Antrag natürlich sofort nach der Verhaftung des Schuldigen stellen, aber wie gesagt, vor morgen dürfen wir auf die Entscheidung nicht rechnen."
„Aber Sie würden doch meinen Bruder heute noch benachrichtigen dürfen?" fragte das Mädchen, ohne ihr« Arbeit zu unterbrechen.
„Gewiß, und das soll unverzüglich geschehen."
„Ich danke Ihnen, diese Nachricht wird ihm die letzte Nacht im Kerker versüßen! Aber wenn nun auch diese Hoffnung vernichtet würde?"
„So setzen wir unverdrossen unsere Bemühungen fort!"
„Dürfen Sie auch nicht sagen, ob der Verdacht auf Reichert ruht?" fragte sie, die tiefblauen Augen mit einem erwartungsvollen Blick auf ihn heftend.
„Doch, Ihnen will ich's sagen, daß der Herr Oberst die Wahrheit errathen hat. Sie werden sicherlich schweigen."
Zweifeln Sie nicht daran," ich weiß ja, wie sehr dieses Schweigen durch die Umstände geboten ist. Wer hätte daranI gedacht, als der Diebstahl entdeckt wurde. Reichert selbst der Dieb! Wie aber wollen Sie es beweisen?"
„Durch den Besitz des Geldes, das wir hoffentlich bei ihm finden werden."
Fortsetzung folgt.
Wach hohem Ziel.
Novelle von Moritz Lilie.
(Fortsetzung.)
Da brauste es unheimlich in^den Lüften, und von fernher grollte dumpf der Donner. Der Wind fegte ungestüm in dem Laubwerk der Bäume, schüttelte rücksichtslos die zarten Blumenhäupter und rauschte in den Blättern der Reben, die sich an dem Holzgitter der Veranda hinaufrankten.
Das Licht der Lampe, welche der Diener gebracht hatte, flackerte hoch empor und erlosch dann; erst jetzt bemerkten die am Tische Sitzenden, daß sie tiefe, schwarze Finsterniß umgab. Der Himmel war rings von düstern Wolken überdeckt, kein Sternchen blickte tröstend und Hoffnung erweckend ans die geängstigte Erde herab.


