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„Kommt und versucht Ihr Euren stärkeren Athem an diesem unzündbaren Funken."
„Gern", erwiderte Duprat. „Trinken Sie indessen ein Glas Wein."
Riston erhob sich und Duprat hockte am Kamin nieder. Ersterer war entschlossen, seine Lippen nur anzufeuchten. Es war ein sehr alter und kostbarer Wein, den er da in einem versteckten Zimmer des Hauses entdeckt hatte; er hatte ihn schon einmal umgeworfen, und gerade heute wollte Riston einen klaren Kops behalten — sehr begreiflich bei seinem furchtbaren Vorhaben.
Nur einen Blick warf er jetzt auf den Tisch, einen zweiten auf Duprat, dessen Gesicht abgewendet war, und dann vertauschte er mit einem verschmitzten Lächeln die Becher, den kleinen Weinrest Duprat's yinuntergießend.
„Ha! Welches Feuer, welche edle Blume!" rief er enthusiasmirt. „Gleich noch einen Becher darauf, junger Freund! Da züngelt die Flamme empor. Nun hier Bescheid gethan! Ich könnte mich tobt trinken in diesen Wein und nicht bereuen, daß ich sterbe." (Fortsetzung folgt.)
Die große catalonische Abenteurer- Gesellschaft in Athen.
(Nachdruck verboten.)
Wohl keine der großen und merkwürdigen Heimstätten des klassischen Alterthums dürfte in den finsteren Zeiten des früheren Mittelalters und unter der Herrschaft unbedeutender Monarchen, wie es die meisten der byzantinischen Kaiser gewesen, mehr verfallen sein, als Athen. Im sechsten Jahrhundert, nach Schließung der berühmten Schulen der Rhetorik und Philosophie, war die herrliche Heimstätte alt- griechischer Bildung und Kunst zu einer unbedeutenden Landstadt von äußerst geringem Umfange herabgesunken, und hob sich erst einigermaßen wieder, nachdem die Franken (Abendländer) das lateinische Kaiserthum in Konstantinopel im Beginn des 13. Jahrhunderts errichteten. Athen ward damit die Hauptstadt des gleichnamigen Herzogthums, das Attika, Böotien, einige Theile von Phokis und die Insel Euboea umfaßte. Das Herzogthum Athen war zuerst im Besitze der burgundischen Familie de la Roche und ging von diesem Hause durch Erbschaft auf Hugo Brienne und von diesem auf seinen Sohn Walther über. Die Schicksale des Herzogthums unter diesem Fürsten, und dessen Untergang bilden eine der merkwürdigsten Episoden der Geschichte Griechenlands im Mittelalter. Jacob Philipp Fall- merayer hat in seiner „Geschichte der Halbinsel Morea während des Mittelalters", auch jenem Ab
schnitte eine besonders ausführliche Schilderung gewidmet, der einige der wichtigsten Momente der nachfolgenden Skizze entnommen sind.
Nach dem im Jahre 1302 erfolgten Friedensschluffe zwischen den Königen Karl II. von Neapel und Friedrich von Arragonien, weigerten sich die Söldner des letzteren, Abenteurer der schlimmsten Art und aus allen abendländischen Völkern, zumeist aber aus Cataloniern, Almugavaren und genuesischen Freibeutern zusammengesetzt, die Waffen niederzulegen. An der Spitze dieses unerschrockenen wilden Hausens stand Roger de Flor, der ehemals Tempelritter, dann Seeräuber und zuletzt Vice- Admiral von Sicilien gewesen. Diesem tüchtigen Krieger von vornehmer Geburt stellten sich drei andere, gleichfalls bewährte Führer 'aus Catalonien zur Seite. Diese Freibeuter boten dem byzantinischen Kaiser Andronikus, den damals sowohl Bulgaren, wie Türken gleich hart bedrohten, ihre Dienste an. Roger's Söldner, in Krieg und Raub ausgewachsene Männer ohne Treu und Glauben, Freunden und Feinden gleich fürchterlich, wurden bezeichnend genug „Gottes und der Menschen Feinde" genannt. Roger erschien mit diesem Heere von ungefähr 8000 Mann und mit mehr als 60 Fahrzeugen im Jahre 1304 zu Constantinopel, erhielt daselbst eine kaiserliche Prinzessin zur Ehe und den Rang eines Großadmirals von Romania. Er setzte hierauf nach Anatolien über und schlug die Mohamedaner in zwei Hauptschlachten. Der unkriegerische Sinn der griechischen Bevölkerung der reichen und blühenden südlichen Landschaften des byzantinischen Reiches, erfüllte die Herzen jener tapferen Abenteurer mit höchst gerechtfertigter Verachtung, sowie mit dem bei solchen rohen Kriegern sehr leicht erklärlichen Neid und wilder Habgier. Durch ihre Siege berauscht begannen die catalonischen Freibeuter, die von den Mahomedanern befreiten reichen Küstenstriche Anatoliens, gleich Feinden zu plündern und bald hausten sie daselbst schlimmer, als es die Ungläubigen gethan.
Der Kaiser Andronikus ward von seinen Unter« thanen denn auch bald mit Klagen gegen die Cata- lonier bestürmt, während sich diese wiederum über ihren rückständigen Sold, sowie über die schlechten Lebensmittel und die falsche Münze, welche ihnen der Kaiser zahlte, beschwerten. Die Genuesen, die Stärke der catalonischen Freibeuter, als ihrem Handel mit Recht gefährlich betrachtend, schürten die zwischen den abendländischen Abenteurern und dem Kaiser entstehenden Mißhelligkeiten noch dadurch, daß sie Andronikus zuflüsterten, Roger wolle die den Türken entrissenen Länder für sich behalten und zöge Verstärkungen heran, welche sich in Messina, von Friedrich von Arragonien und Ferdinand von Majorca begünstigt, bereits sammelten. Letzteres war zwar entschieden unwahr, doch fühlte sich der mißtrauisch gewordene Andronikus veranlaßt, Roger mitten in seinem Siegesläufe Halt zu gebieten. Er forderte ihn auf, mit einem Theile seiner Krieger sofort Anatolien zu verlaffen und auf der europäischen


