Ausgabe 
22.5.1886
 
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feind noch auf Erden wandelte und ihn bedrohte. Er hoffte zwar von Duprat's Beihülfe das Beste, aber wer weiß, ob sich für den gleich eine Gelegen­heit fand, Riston aus dem Wege zu räumen oder ob er selbst nicht das Opfer seiner zu großen Verwegen­heit wurde. Dann aber stand Etwold einem mächtigeren Gegner, als er selbst es war, allein und hülflos gegenüber.

Welch ein Trost war es für ihn da, Duprat seine Vorbereitungen zur Befreiung von diesem größten, weil im Dunkeln schleichenden Feind, mit aller ihm eignen Ruhe treffen zu sehen; und an dem Tage, wo jener zu ihm sagte:Heute vollbring' ich es", wußte er auch, daß wirklich der entscheidende Schlag geführt werden würde, wenn es auch nicht vorher zu sagen war, ob von Riston oder Duprat. Jedenfalls war der Letztere zur Ermordung des Anderen fest entschloffen, und das war momentan Alles, worauf er sich stützen, das er mit Anstrengung aller verfügbaren Mittel hatte erstreben können.

Riston, ahnungslos von diesem verrätherischen Vorhaben seines besten Freundes, dem er der treueste Kamerad gewesen und noch war, saß oder hockte vielmehr in seinem Zimmer im öden Hause, vor der halb erloschenen Kamingluth. Es war Abend. Der Regen pochte an die Fenster, der Sturm heulte am Schlüsselloch und rüttelte das alte Gemäuer, als wenn er es aus dem Fundament reißen wollte. Es drohte, eine recht böse Nacht zu werden.

Heute vollbringe ich es", murmelte auch Riston, wie die Bestätigung eines eigenen, so bösen Ge­dankens, wie Duprat ihn hegte.Aber wie warne ich ihn?" fuhr er nach kurzer Ueberlegung fort. Wie bewahre ich ihn vor den unausbleiblichen Folgen meiner That. Er haßt mich trotz all' meines Wohlwollens und ist seinem Herrn scheinbar treu ergeben. Vielleicht auch nur scheinbar und wenn ich ihm die Nothweudigkeit von dessen Ermordung klar lege und ihm das ganze Baarvermögen Etwold's als goldenen Apfel in die geöffneten Hände werfe, wird er sich als vernünftiger, kalt berechnender Mann in das Unvermeidliche fügen und nur noch seinen Vortheil zu sichern suchen. Ich habe mich nach allem Näheren heimlich und genau erkundigt. Ich kann den Mord begehen und habe nur wenige Schritte, um mit dem blutgetränkten Messer vor Duprats Bett zu gelangen. Geht er nicht gutwillig mit, so zwinge ich ihn dazu, unter Androhung des gleichen Schicksals. Ec wird am besten wissen, wo die Schlüssel zu den Büreaux zu finden sind, und auch das Geld des Alten. Zwar soll Jonas in dem Vorzimmer zu den Büreaux schlafen, aber der ist ein Schleicher und Feigling, und wenn er Etwas hört, wird er sich eher ruhig verhalten, als seine Gegenwart am Ort verrathen. So kommen wir auch über dieses letzte Bedenken hinweg. Nur noch ein wenig Geduld und"

Hier wurde der Jdeengang Riston's unterbrochen. Plötzlich wurden Tritte laut im Corridor; dieselben näherten sich seiner Thür.

Der Falschmünzer sprang empor und ergriff einen zur Hand liegenden Revolver.Mord oder Selbstmord", zischte er.Mir Alles gleich. Nur nicht gefangen werden."

Er eilte zur Thür. Ehe er dieselbe noch er­reichte, wurde sie von außen geöffnet Duprat trat herein.

Riston ließ den Revolver sinken.

Ihr?" sagte er verwundert uck> besorgt zu­gleich.

Ich", entgegnete der Andere fest. Er war ent­schlossen, Riston zu tobten.

Sind wir entdeckt? Sehe ich einen Flüchtling vor mir?" fragte der Letztere besorgt.

Keine Angst; Alles ruhig", erwiderte Duprat mit erzwungenem Lächeln.Im Gegentheil, ich komme, um bei einem friedlichen Becher mit Ihnen zu besprechen, was wir noch weiter zu thun haben, um uns vor Entdeckung zu sichern. Ich war das letzte Mal kalt und hart gegen Sie, weil ich Sie verkannte und Ihre bekundete Freundschaft für Lüge hielt. Ich bin zur Einsicht gekommen, daß ich mich geirrt, und daß ich Ihnen mein ganzes Vertrauen schenken wollte."

Er streckte Riston seine falsche Hand hin, die dieser herzhaft drückte.

Sie sehen mich bewegt, ergriffen", sagte er. Aber wenn man so alt, so einsam und verloren ist wie ich und man zeulebens nur eine harte un­gerechte Behandlung erfahren hat, klingen Einem so gütige und aufrichtige Worte wie die Ihren gar wunderlich zu Herzen. Sie können und werden mir auch Ihr volles Vertrauen schenken, wenn ich Ihnen erst sagen werde, wer dies von Ihnen fordert."

Sein Steckenpferd", dachte Duprat.Und das edle Naß?" fragte er halb jovial.

Was soll es sein?"

Rothwein."

Hier ist das gedämpfte Feuer von Malaga!" sagte Riston, zwei kleinere Flaschen aus einer dunklen Ecke hervorholend.Oeffnen Sie, werthge­schätztester junger Freund, und schenken Sie ein, in­dessen ich mich um meine Neubelebung des ver- glimmenden Funkens hier bemühe. Dieses Feuer ist der Spiegel meines eigenen Lebens verglühend, mit Asche bedeckt, und doch nur eines Hauches be­dürfend, um wieder aufzulodern in Liebe oder Haß. Aber thuen mir zu dem äußeren inneres Feuer, dann wird's schon gehen."

Er sprach dies über die Gluth gebückt, und währenddem schenkte Duprat den Wein in zwei ganz gleiche Becher, deren einen er fast bis zum Grunde leerte, wie um sich Muth zu trinken. In den anderen vollen schüttete er mit zitternder Hand ein Pulver aus einem weißen Papierchen. Das Pulver zerrann im Wein, ohne dessen Farbe zu verändern. Diesen Becher schob Duprat dem Falschmünzer hin.

Meine Lungen sind zu schwach", sagte Riston.