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"inmal mit Bitten, als er am Tage nach der Be­erdigung Ackermann'S gekommen war, um Abschied -u nehmen.

Er war mit den Damen allein, die Herren konnten erst am Abend stch einfinden; dann sollte ein kleines Abschiedseffen, zu dem auch Signora Barlotti geladen war, die Freunde noch einmal ver­einen.

Wie gern ich auch in Eurem wirklich herzer­hebenden Kreise bleiben möchte ich kann und darf es nicht", sagte er mit bewegter Stimme, wenigstens jetzt noch nicht, und so müßt Ihr Euch gedulden, bis es mir vergönnt ist, zu Euch zurück­zukehren. Wir stnd ja Alle so alt noch nicht, und die Jahre vergehen rasch, vorzüglich Euch, den Glücklichen, und ich glaube nun hoffen zu dürfen, daß eine Zeit kommen wird, in der wir wieder vereint sein werden."

Und Vera?" fragte Ludmilla.

Ihretwegen schon müßtest Du Dich bestimmen lassen, hier zu bleiben", fügte Tante Lina hinzu. Sie liebt Dich, Du würdest ste glücklich machen und selbst glücklich werden."

In seinen Augen leuchtete es auf, aber im nächsten Moment schüttelte er ablehnend das Haupt.

Es wäre unzart, wollte ich jetzt schon an Vera die entscheidende Frage richten", sagte er;ihr muß Zeit gelaffen werden, bis die Stürme in ihrem Innern sich beruhigt haben. Sie hat einstweilen genug damit zu thun, den Nachlaß ihres Mannes zu ordnen; in dieser Beschäftigung wird sie ihre Ruhe wiederfinden, und inzwischen könnt Ihr sie darauf vorbereiten, daß ich noch unter den Lebenden weile. Vielleicht komme ich dann nach einem Jahre, um sie zu holen"

Vielleicht vielleicht!" unterbrach Tante Lina ihn ärgerlich.Das liegt in weitem Felde."

Nicht doch", erwiderte er ruhig, und aus seinen tiefblauen Augen traf ein freundlicher Blick ihr treu­herziges Antlitz, das leichte Schatten umwölkten. Ihr werdet mir ja schreiben, ob ich kommen darf"

Zweifelst Du daran?"

Man zweifelt immer noch, so lange die Gewiß­heit fehlt."

Diese Gewißheit könntest Du Dir bald ver­schaffen."

Ich nannte Dir vorhin die Gründe, die mir eine Frage jetzt noch nicht gestatten. Meine Abreise kann ich nun auch nicht länger hinausschieben, mein Associo erwartet mich mit Sehnsucht, und ich bitt» dem edlen Manne schuldig, daß ich auf seine Wünsche Rücksicht nehme."

Und Du wirst wirklich hierher zurückkehren?" fragte Ludmilla zweifelnd.

Wenn Eure Nachrichten günstig lauten, gewiß!"

Und wann gedenkst Du abzureisen?" fragte Tante Lina.

Morgen."

Steht das fest?"

Ganz fest. Ich werde in England noch einige

Tage weilen müssen, um geschäftliche Angelegenheiten zu ordnen. Der Sohn des Oberförsters ist bereits benachrichtigt, wir treffen in Hamburg zusammen; ich habe auch dort Geschäfte, die mich einen oder zwei Tage aufhalten werden."

Und der Wilddieb soll Dich begleiten?" sagte Ludmilla.

Wer sagte es Dir?"

Emil."

Der Mann sitzt ja noch im Gesängniß."

Die Untersuchung ist niedergeschlagen"

Um so besser", erwiderte der Oberst rasch; ich bin bereit, mein Versprechen zu halten; nur soll der Mann nicht wähnen, daß er drüben ein Schlaraffenleben finden werde!"

Du könntest bittere Erfahrungen mit ihm machen!" sagte die alte Dame warnend.

Darf die Besorgniß mich abhalten, seine Besse­rung zu versuchen? Vielleicht steckt doch noch ein guter Kern in ihm und hier, in seiner Heimath, würde er untergehen. Wir werden sehen! Er wäre nicht der erste Vagabund, der mir seine Rettung verdankte; man muß solche Menschen nur zu be­handeln verstehen."

Er schritt, während er das sagte, langsam auf und nieder, und die Blicke der beiden Damen folgten ihm.

Du mußt das ja selbst am besten wissen", nahm Tante Lina nach einer Pause wieder das Wort;aber daß Du abreisen willst, ohne Vera wiederzusehen, ohne ihr nur ein Wort des Trostes zu sagen, das ist mir, gelinde gesagt, unbegreiflich."

Das letzte Wort war noch nicht über ihre Lippen, als die Thür leise geöffnet wurde.

Vera stand auf der Schwelle des Zimmers. Nur ein einziges Wort, der Name des Geliebten, entrang sich ihren bebenden Lippen; im nächsten Augenblick lag sie an seiner Brust, und seine Arme hielten sie fest umschlungen.

Du willst mit mir gehen?" fragte er, ihr tief in die thränenfeuchten Augen schauend, die voll heißer Liebe, voll namenlosen Glückes zu ihm auf­blickten.

Mit Dir bis an's Ende der Welt, einem neuen Leben entgegen!" antwortete sie jauchzend.Mit Dir, Geliebter, in Noth und Tod, wohin Du mich führen magst!"

Mein süßes Weib!" sagte er bebend vor Glück und Freude.Aber wer sagte Dir, daß ich"

Frage nicht, ich weiß Alles, Alles; meine Liebe soll Dich reich entschädigen für die verlorenen Jahre!"

Er drückte einen heißen Kuß auf ihre Lippen, Purpurgluth übergoß ihr schönes Antlitz, und stürmisch schlangen ihre Arme sich um seinen Nacken.

Ich muß morgen schon abreisen", sagte er leise.

Ich begleite Dich."

Du willst Alles hier im Stich lassen?"

Alles, wenn ich nur Dich habe! Fort von hier, fort so rasch wie möglich! Hier war mir das Leben eine Hölle, und nicht eine freundliche Erinnerung