Ausgabe 
21.9.1886
 
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im Kielwasser des Schiffes tummelte, zu schießen- Als er aber den Capitain bat, ein Boot bemannen zu lassen, um die Beute aufzufischen, fuhr ihn der sonst so höfliche und gefällige Mann wüthcnd an, er solle sich zum Teufel scheeren und mehrere Matrosen, welche in der Nähe standen, drohten dem Schützen grimmig mit den Fäusten.

Achselzuckend wandte fleh der Irländer um und schritt seiner Sabine zu, während Mr. Hendrick, welcher ein erstaunter Zeuge des ganzen Vorganges gewesen war, fragend zum Capitain herantrat. Doch dieser machte eine abwehrende Bewegung und sagte schließlich in höchst mürrischem Tone:

Well, Sir, wir Seeleute halten es für eine sehr übele Vorbedeutung, unter Mutter Carey's Küchelchen zu schießen oder ihnen überhaupt sonst ein Leids anzuthun, und Sie können sich darauf verlassen, Mr. Hendricks, daß uns irgend ein Un­heil schon im Nacken sitzt und wer weiß, was uns schon in dieser Nacht bevorsteht."

Letztere ging indessen vorüber, ohne daß sich etwas Besonderes ereignet hätte und der nächste Morgen stieg, wie schon auf der ganzen Reise, heiter und strahlend empor. Bald hatte sich die kleine Reisegesellschaft auf dem Verdeck wiederum zusammen- gefunden; man scherzte und plauderte mit einander, bis die allgemeine Aufmerksamkeit durch eine Menge herrlich schimmernder Fische, die aber Allen unbekannt waren, erregt wurde. Die Fische tummelten sich in den jenen Gegenden eigenen klaren Gewässern schein­bar zum Greifen nahe umher und rasch hatte O'Moorley mehrere Angeln ausgeworfen, an denen sich eine ganze Anzahl der allseitig wegen ihrer Farbenpracht bewunderten Bewohner der Tiefe fingen.

Die Fische gaben, vom Schiffskoch pikant zube­reitet, ein köstliches Gericht für die Passagiere wie für die Mannschaften ab. Aber nach der Mahlzeit stellten sich bei Allen mehr oder weniger krankhafte Erscheinungen ein, ja, ein Matrose starb sogar nach einigen Stunden unter Symptomen einer starken Vergiftung.Das kommt davon", sagte der Steuer­mann Tom Manners, der sich vor Schmerzen den Leib hielt, giftig,wenn so eine verdammte Land­ratte, wie dieser irische Bengel, glaubt, auf Mutter Carey's Küchelchen schießen zu können, als wär's 'ne Heerde Enten. Möge der Irländer zu seinem Sanct Patrik in die Hölle fahren."

Ken O'Moorley, welcher am meisten von den Fischen gegessen hatte und darum auch die meisten Schmerzen empfand, wälzte sich ohnweit Tom Manners auf dem Verdecke umher und mußte die Verwünschungen des Steuermannes gehört haben, denn bei den letzten Worten desselben stürzte O'Moorley auf Tom los und indem er mit ver­zerrter Miene ausrief:Nun, wenn ich zur Hölle fahren soll, so mußt Du wenigstens die Reise mit, machen", packte er seinen Gegner wie mit Niesen- kräften an der Kehle, schleppte ihn über's Deck und schwang sich, ehe nur Jemand zur Hsise herbei­

springen konnte, mit dem unglücklichen Steuermann über Bord.

An eine Rettung der Beiden war ja nicht zu denken; schon der Umstand, daß Passagiere wie Mannschaften alle von der seltsamen und furcht­baren Krankheit befallen worden waren, verhinderte die Aussetzung eines Bootes. Bald erhob sich aber auch ein Sturm, der das führerlose Schiff durch die Wellen dahinjagte und dasselbe wie spielend in den aufgeregten Wassermassen hin- und herschleuderte; da ermannte sich Dr. Webster, welcher noch am meisten seine Besonnenheit zusammen hatte, kletterte mühsam aus der Cajüte an Deck empor und traf hier mit seinem deutschen Freunde zusammen, welcher gleichfalls von der Krankheit weniger berührt worden war. Den vereinten Anstrengungen Beider gelang es nach unsäglicher Mühe, das Steuerrad festzu­binden während die Matrosen stöhnend überall umher lagen -, so daß das Fahrzeug nicht mehr so furchtbar hin« und hergeworfen werden konnte.

Die Nacht kam heran, immer weiter flog der John Douglas" durch die schäumenden Wogen da tauchte plötzlich in Lee ein Licht auf und Webster sowie Reichardt, die sich beim Steuerrad niederge­kauert hatten, jubelten auf mußten sie doch an- nehmen, daß sich ihnen nun ein Retter nahte! Da brauste es heran mit Entsetzen erkannten die zwei Freunde, daß ein mächtiger Schiffskörper seinen Lauf gerade auf den verhältnißmäßig kleinenJohn Douglas" zunahm und nach ein paar schreckenvollen Secunden erschütterte ein Stoß denJohn Douglas", daß es in den Planken und Masten krachte, als ob das Schiff in den nächsten Minuten auseinander bersten sollte. Glücklicherweise erwies sich derJohn Douglas" als eine äußerst solid gebaute Brigg; zwar wurden die Bulwarks auf der Leeseite einge­drückt und der zweite Mast schmetterte mit einer Menge Segelstangen und Tauwerk herab, ohne jedoch weiteres Unheil anzurichten sonst aber schien dem John Douglas" nichts Bedenkliches widerfahren zu sein. Ueberdies verschwand das fremde Schiff gar bald wieder in Nacht und Sturm und die Brigg raste durch die schäumende See weiter dahin mit den kranken Passagieren und Schiffsmannschaften an Bord.

Der Morgen rückte herauf vier Matrosen waren gestorben, die übrigen aber wohl, weil sie nicht so viel von den verdächtigen Fischen gegess n sowie die Passagiere, befanden sich auf dem Wege der Besserung und schlichen nach und nach mühselig hervor. Auch Capitain Dumnore kam jetzt aus seiner Cabine hervorgekrochen und nachdem er sich von dem Zustande des Schiffes überzeugt, befahl er, die Anker fallen zu lassen und das letztere kehrte sich nun dem Winde entgegen; die Segel wurden zusammen gebunden und endlich trat, da auch der Sturm nachließ, für die an Bord desJohn Douglas" Befindlichen eine gewisse Erholungs- und Ruhepause ein.

(Fortsetzung folgt).

Redactton: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.