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daß sie den Antrag annnnmt, wenn er ihr gemacht wird."
„Der Doctor will nur noch so lange warten, bis er ihren Bruder aus der Haft befreit hat."
„Dann könnte er wohl noch lange warten müssen!"
„Ist denn noch immer keine Aussicht vorhanden?" fragte Kurt, indem er die Handschuhe anzog.
„So viel ich weiß, nein. Von Madamc Winkler habe ich lange nichts vernommen, und der Doctor schweigt auch. Sieh, sieh, also deshalb kommt er so oft hierher?" -
„Jawohl. Deshalb ritt ich auch so oft nach dem Ulmenhofe", scherzte Kurt. „Die Liebe ist ein schauderhafter Magnet. Adieu, Papa! Ich gehe jetzt zum Oberst und bringe ihm den Scheidebrief."
In Sinnen versunken blickte der Oberst auf die Thür, hinter der sein Sohn verschwunden war.
„Wie das noch sprudelt und braust!" sagte er. „Na, na, wenn er einmal die Uniform ausgezogen hat, dann wird die Neue kommen, ich prophezeie es ihm. Aber er wird es überwinden, er ist eine kernige Natur, und auf dem Ulmenhofe ist er unter tüchtigen, lieben Menschen, die ihm das Dasein angenehm gestalten."
Die Pfeife war ausgebrannt, er nahm eine andere von der Wand und zündete sie an; dann wanderte er eine Zeit lang auf und ab.
„Fränzchen und der Doktor Kirchner!" brummte er. „Ei, ei, wer hätte das gedacht! Na, ich gönne es ihr von ganzem Herzen — der Doktor ist ein ehrenwerther Mann, er verdient viel Geld . . . Schwerenoth, sie könnte keine bessere Partie machen! Aber ob sie das auch einsehen wird? Wenn sie nun Nein sagte?'
Er blieb stehen und schüttelte ärgerlich das graue Haupt; und während er diesem Gedanken nachging, schien die Möglichkeit, daß sie cs thun könne, ihn mehr und mehr zu beunruhigen.
,,Na, das muß ich wissen", sagte er endlich. „Ich will ihr auf den Zahn fühlen. Schockmillionen, es wäre eine Dummheit, die sie niemals sich verzeihen könnte!"
Er verließ ohne Zögern das Cabinet und ging in das Wohnzimmer.
Fränzchen saß am Fenster vor dem Nähtisch, die Nadel ruhte. Die hastige Bewegung, die ihre Hand nach dem Auge machte, ließ den Oberst er- rathen, daß sie geweint hatte.
„Na, na, doch keine unglückliche Liebe?" fragte er in seiner jovialen Weise.
„Wie kommen Sie ^darauf, lieber Onkel?" erwiderte Fränzchen mit einem gezwungenen Lächeln, während sie in sichtbarer Verwirrung ihre Arbeit wieder aufnahm.
„Schwerenoth, man wird doch fragen dürfen?"
„Und wem könnte diese unglückliche Liebe gelten?
<Jch glaube nicht, daß es Ihnen möglich ist, mir diese Frage zu beantworten."
„Vielleicht doch", scherzte der Oberst.
„Dann bitte ich —"
„Halt, das ist mein Geheimniß, liebes Kind. Du hast also noch gar keine Ahnung davon, daß Du einmal heirathen könntest?"
Purpurgluth übergoß das schöne Antlrtz Fränz- chen's; sie neigte das Haupt tief nieder und ein leiser, kaum hörbarer Seufzer entrang sich ihren Lippen.
„Nein," erwiderte sie. „Was könnte ich dem Manne bieten, der mich zur Gattin wählen wollte? Nur einen entehrten Namen, nichts weiter.",
„Schwerenoth, Kind, Du nimmst das zu tragisch! Der Mann, der um Deine Hand werben wird, weiß das ja, also darfst Du auch keinen Anstoß nehmen, wenn er selbst es nicht thnt."
Fränzchen blickte befremdet auf; das war so ernst und zuversichtlich gesprochen, daß unwillkürlich die Ahnung in ihr aufstieg, er müsse mehr wissen, als er ihr verrathen wolle.
„Wer ist cs?" fragte sie mit vibrrrender Stimme-
„Ja, weiß ich es denn?" erwiderte er mit scheinbarer Unbefangenheit. , .
„Treiben Sie keinen Scherz mit nur, lieber Onkel. „ ,
„Nein, nein, ich habe das Alles nur rm Allgc- meinenen gesagt", fuhr er fort, während er ihr gegenüber sich niederließ und ihre Hand erfaßk. „Ich meine nur, wenn einmal ein Ehrenmann diese Hand von Dir forderte, dann solltest Du nicht eines dummen Vorurtheils wegen Rein sagen. Selbst wenn Dein Bruder schuldig wäre, könnte Dir doch nicht der leiseste Vorwurf daraus gemacht werden.'« Fortsetzung folgt.
Woden-Wericht.
Die Monate haben ihren Ring geschlossen die Wogen des Gesellschaftslebens gehen hoch und hoher, und von Neuem läßt Prinz Carneval sein keckes Banner durch das -and wehen, die fröhliche übermüthige Menge um dasselbe zu ver-
Aber je größer die Lust, je größer auch oft die Sorgen, nämlich die der Toilette, und diese unseren schonen Leserinnen zu erleichtern, soll jetzt unsere Aufgabe fern.
Die zur Repräsentation bestimmten Torletten, roelaje ausnahmslos die lange Schleppe bedingen, verlangen schone, schwere Stoffe, unter 'welchen besonders eine Zusammenstellung . von glattem oder brochirtem Sammet, Silk und Plüsch nut Damast, brochirter Seide, Atlas re. sehr schön wirkt. Plüsch, Silk oder Sammet ergeben die Schleppe und dre^Laule, bre vielfach mit großen Bluinensträußen geimifterten Seidenstoffe dagegen Draperien, Tabliers, Latztheile u. s. ro. Zunr Aus- putz spielen kostbare Spitzen, Chenille-Stickereien vor Allem aber Schmelz und Perleii eine große Rolle. Als kostbare Nouveautö erschienen Tabliers aus schwarzem Tüll, auf dessen von Schmelz glitzerndem Grunde mit abschawrten,. farbigen Perlen einzelne Rosen-Bouquets und Guirlanden gestickt find. Einen ganz besonderen Werth legt man auch auf schöne Talllen- Garnrturen. Die schlicht in der vorderen Mitte geschlossene Form findet sich fast nie im Salon, dagegen ist die kurze Jackentaille mit duftigem Jabot oder kostbarer Weste an der Tages-Ordnung; besondere Sorgfalt verwendet man auf die Aermel, welche bald glatte, bald bauschende Einsatztheile, Puffen, Spangenbesätze, Epaulettes rc. erhalten. Dies gilt jedoch


