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sicher, daß Du diesen Entschluß später nicht bereuen wirst?"
_ „An der Seite Vera's? Als Besitzer des Ulmen- Hofs?" scherzte Kurt. „Wie wäre das möglich?"
„Schockmillionen, das Leben eines Husarenofficiers hat doch auch seine Reize! Ich meine, es wäre besser gewesen, Du hättest mit dem Abschied noch einige Jahre gewartet, vielleicht so lange, bis die Majorsecke vor Dir lag, der Charakter eines Majors würde Dir beim Abschied nicht verweigert worden sein."
„Und graue Haare hätte ich dann auch schon", erwiderte Kurt lachend. „Nein, Papa, was man thnn will, das muß man auch ganz thun; Baron von Busse wünscht nun einmal, daß ich mich fortan der Oekonomie widme, und ich hab's ihm versprochen, da kann ich denn nun auch nicht früh genug mit Lernen beginnen. Wenn ich später einmal das große Gut übernehmen soll, dann muß ich doch auch die nöthigen Kenntnisse haben, und Niemand weiß, wie bald das schon geschehen kann."
„Na, na, der Baron ist ja noch ein sehr rüstiger Mann."
„Und Gott wolle verhüten, daß der schauderhafte Fall schon bald eintritt, aber es ist ja Alles möglich, und dann liegt es mir ob, das Erbe Vera's treu und gewissenhaft zu verwalten. Vera und ihr Vater sind ganz mit mir einverstanden, sie meinen zwar, ich bringe ihnen ein Opfer, für das sie mir danken müßten, aber die größere Pflicht des Dankes liegt doch auf meiner Seite."
Der Oberst hatte eine Kerze angezündet, mit gedankenvoller Miene ließ er den Siegellack auf den Brief tropfen, um ihn mit seinem Wappen zu verschließen, und nachdem dies geschehen war, blies er eine lang gezogene Rauchwolke über ihn hinweg.
„Na, ja, das ist ja Alles richtig", sagte er, „tadeln wird Dich Niemand deshalb, im Gegentheil, Du handelst, wie ein Mann von Ehre handln soll. Und was Diejenigen sagen werden, welche vor Neid über Dein Glück bersten möchten, das kann Dich wenig kümmern!"
„Schauderhaft wenig", nickte Kurt, während er den Brief sorgsam in die Tasche steckte, „ich lache sie Alle aus, sie sollen mir die Freude nicht verkümmern. Meinetwegen mögen sie dann später auch lachen, wenn ich hinter Pflug und Egge hergche, um Alles praktisch und gründlich zu lernen, ich stehe dann auf meinem eigenen Grund und Boden und brauche mir meiner Manichäer wegen keine Sorge mehr zu machen."
„Ja, diese Schwefelbande!" feufzte der Oberst. „Wenn ich sie erst los wäre!"
„Das wird ja nun auch kommen, Papa, sobald die Hochzeit hinter mir liegt. Sie lassen Dich ja nun schon in Ruhe."
„Natürlich, dir Bande weiß ja, daß Du mit Vera verlobt bist, und Dich verpflichtest hast, nach Deiner Hochzeit den Beutel zu ziehen. Aber kannst Du glauben, daß Einige von dieser Schwefelbande
schon so unverschämt gewesen sind, mich zu fragen, wie bald denn nun die Hochzeit gefeiert werde? Schockmillionendonnerwetter, denen aber habe ich ein Licht angezündet, daß ihnen Hören und Sehen verging I"
„Sapristi, sag' ihnen doch die Wahrheit! Sag' ihnen, sie brauchten nicht länger, als bis zum Frühjahr zu warten."
„Hm, das ist auch noch nicht sicher."
„Doch, Baron v. Busse hat es mir gestern noch einmal gesagt, er ist ja schon damit beschäftigt, das Nest für uns einzurichten."
„Und Vera ist auch damit einverstanden?"
„Nun, natürlich, die Wünsche des Vaters sind für sie maßgebend, und ihr ist es ja auch lieb, daß nicht mehr die ganze Arbeitslast auf den Schultern ihres Papa's allein ruht. Du wirst dann im Sommer auch schon auf dem Ulmenhose wohnen."
„Dann und wann einige Tage!"
„Ich denke für immer, es wird eine Wohnung für Dich dort eingerichtet."
„Na, na, was soll ich denn auf dem Ulmenhofe?" fragte der Oberst zu dem S,lM aufblickend. „Fliegen fangen. Dazu bin ich noch nicht alt genug. Und wenn die Schwefelbande mich nicht mehr belästigt, dann komme ich mit meiner Pension vortrefflich aus, Fränzchen weiß das einzurichten."
„Ja, aber wenn Fränzchen Dich nun auch verläßt?"
„Schockmillion, rede kein Blech! Fränzchen sollte mich verlassen? Weshnlb? Weil ihr Bruder das Unglück gehabt hat? Ich habe ihr doch keinen Vorwurf gemacht, im Gegentheil —"
„Nein, nein, deshalb nicht. Willst Du mir Verschwiegenheit versprechen?"
Der Oberst blickte ihn starr an und ließ den langen Schnurrbart langsam durch seine Finger gleiten.
„Sie wird doch nicht heirathen wollen?" fragte er.
„Wenn ein ehrenhafter Mann sie heimführen will, soll sie dann nicht mit beiden Händen zugreisen ?"
„Na, na, und wer ist dieser ehrenhafte Mann?"
„Verschwiegenheit, Papa?"
„Parole d’honneur."
„Der Doktor Kirchner."
„Schockmillionen, der?" fragte der Oberst, die buschigen Brauen hoch emporziehend. „Und das geschieht hinter meinem Rücken?"
„In der Sache selbst ist noch nichts geschehen, Papa", beruhigte Kurt ihn, „ich glaube sogar, daß Fränzchen noch keine Ahnung von dem ihr bevorstehenden Glück hat. Mit mir hat der Doktor allerdings darüber geredet, und ich konnte nicht lügen, um Dir eine gute Haushälterin zu erhalten."
„Nein, nein, ich würde Dir dafür auch keinen Dank gewußt haben," sagte der alte Herr. „Für Fränzchen wäre diese Heirath ja ein Glück und ein Segen, eine brillante Partie, und ich will hoffen,


