Ausgabe 
20.7.1886
 
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39 Fuß breit und vom Maindeck aus 32 Fuß Fuß tief. Ihr Gehalt beläuft sich auf 8766 Cubik- meter Brutto, 5412 Cubikmeter Netto oder 3004 Registertons. Die Zwei-Cylinder Compoundmaschine indicirt 2300 Pferdekräfte, ihre Kohlenbunker fassen 862 Tonnen Kohlen, der tägliche Kohlenverbrauch beträgt 45 Tonnen, die Schnelligkeit 14 Meilen per Stunde.

An Passagierräumen enthält das Schiff 70 Cabinen erster Klaffe, 80 Cabinen zweiter Klasse und 760 Zwlschendecksplätze. Diese letzteren sind nach dem amerikanischen Gesetz vermessen, welches für jeden Passagier einen viel höheren Cubikraum verlangt, als die deutschen und englischen Vorschriften. Die großen Salons, die Damenzimmer, Rauchzimmer u. s. w. sind mit dem ollergrößesten Comsort, wie ihn die Concurrenz der neuesten Zeit verlangt und mit allen anderen Erfindungen auf diesem Gebiete ausgestattet. Wir möchten aber an dieser Stelle nicht verfehlen, einige besondere Einrichtungen der Lloydschrffe zu erwähnen, welche speciell für die Fahrt nach Australien getroffen sind und welche ganz ebenso den Zwischen­deckspassagieren, den Stiefkindern aller anderen Linien, zu Gute kommen. Es ist dies

1) die außerordentliche Höhe des Passagierdecks, welche 8 Fuß also fast einen Fuß mehr denn auf den Schiffen anderer Linien beträgt und welche daher an fich schon eine weit bessere Luftcirculation ermöglicht;

2) hat der Lloyd auf jedem Schiffe einen neu- patentirten Pulsionsveniilator aufstellen lassen, welcher unausgesetzt frische Luft durch alle Cabinen, durch die Salons, über die Speisetische und durch das ganze Zwischendeck in allen Abtheilungen treibt und welcher für jedes Schiff Lstr. 1200 kostet.

3) Die gesammte Beleuchtung der Schiffe, das Zwischendeck eingerechnet, geschieht durch elektrisches Licht, welches keine Wärme entwickelt. Wer die Reise durch das rothe Meer, durch die heißen Climate überhaupt gemacht hat, wird den Werth dieser Ein­richtungen und ihre weitere Bedeutung, ganz besonders auch für das Zwischendeck, zu würdigen wissen.

lieber die Verpflegung auf den Schiffen des Norddeutschen Lloyd ein Wort zu sagen, ist eigent­lich überflüssig. Die ungemeinen Erfolge, welche der Passagierverkehr des Lloyd bei der Newyorker Fahrt zu verzeichnen hat, der Umstand, daß die Amerikaner und selbst die Engländer bei der Fahrt nach Europa die deutschen Schiffe allen anderen, auch der Cunardlinie vorziehen, die ungemein starke Anzahl der Zwischendeckspassagiere endlich, das sind Faktoren, welche für sich selbst sprechen und wir werden weiter unten, bei der Erörterung der Ein­richtungen der Compagnie auch die Ursachen dieser Erfolge sehen. Als eine speciell für die australische Fahrt auf den oben genannten Schiffen eingeführte Neuerung müssen wir die Einrichtung der großen, nach einem ganz neuen System eingerichteten Eis­kellereien erwähnen, welche durch schneie Verdunstung

des sich bildenden Wassers den üblen Einwirkungen desselben auf das frische Fleisch vorbeugen und welche bet den, bei der brasilianischen Linie des Lloyd an- gestellten Versuchen sich vorzüglich bewährt und bewiesen haben, daß sie im Stande sind, selbst bei der Fahrt durch die Tropen das Eis für mehr als acht Wochen zu conserviren; außerdem führen die Schiffe Eismaschinen. Trotz aller der oben genannten Vortheile und obgleich die Beförderung schneller sein wird, als auf den bereits bestehenden australischen Dampferlinien, werden die Preise für Zwischen­deckspassage vom Lloyd noch um 30pCt. unter die­jenigen der englischen Linien und der französischen Dampfschifffahrtsverbindung herunter gesetzt werden, so daß der Fahrpreis nur noch etwa Lstr. 30 viel­leicht noch weniger betragen wird.

Für die australischen Colonien wird außerdem ebenso, wie dies in den Vereinigten Staaten von Seiten des Lloyd geschieht das System der Prepaid tickets eingeführt werden, welches bett in den Colonien Ansässigen erlaubt, ihren Angehörigen ober Freunden in der alten Heimath die vollständig aus­gestellten Billets, ober vielmehr Anweisungen aus dieselben, welche dann bei den deutschen Agenturen des Lloyd gegen die eigentlichen Passagebillets umgetauscht werden, zu übersenden, eine Er­leichterung des Verkehrs, welche zusammen mit den sonstigen Vorzügen von wesentlicher Bedeutung ist.

Dringend ist es zu wünschen, daß die Deutschen in den Colonien in jeder Weise den deutschen Post- dampfern Unterstützung dadurch angedeihen lassen, baß sie als Kaufleute ihre Waaren an bie Schiffe des Lloyd consigniren, daß sie durch Verbreitung der Vorzüge der neuen Linie dem Passagierverkehr den möglichsten Vorschub leisten. Der Vortheil wird immer auf Seiten der Passagiere selbst fein, wie dies ja die ausgeführten Faktoren, die Schnelligkeit, der Comfort und die Sicherheit der Fahrt genügend beweisen.

Sachen und Einrichtungen aber kann man ebenso wie Menschen nur aus dem beurtheilen, was sie ge­leistet haben, nicht aus dem, was sie leisten wollen und so wollen wir einen Blick auf die bis jetzt be­stehenden Linien des Norddeutschen Lloyd und ihren Betrieb werfen. Der Norddeutsche Lloyd begann seine ersten Fahrten int Jahre 1857 und zwar nach Newyork mit nur zwei Schiffen. Heute, nach 29 Jahren, kann die Gesellschaft, Dank ihrer vor­züglichen Leitung und der niemals rastenden Energie, mit welcher jede Neuerung int Schifffahrtswesen, jede Verbesserung, jeder Comfort den Schiffen des Lloyd zu eigen gemacht wird, mit Stolz auf ihre Flotte, mit noch größerem Stolz aber auf die That- fache blicken, daß sie selbst in dem größten Con- currenzkampfe auf dem Gebiete der Schifffahrt, auf der Fahrt nach Newyork, alle ihre Mitbewerber weit hinter sich zurückgelassen hat.

(Schluß folgt.)

»rd«tion: S. Schema. »ruck und Beklag der Brühl'schen Druckerei (Ar. Ehr. Pietsch) in Bietzen.