Ausgabe 
20.7.1886
 
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Lump triumphiren. Hätte ich einen theuren Freund zu rächen, so würde ich vor seinen Feind hintreten und ihm sagen: Mach' deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt, fort mußt Du, Deine Uhr ist abge- laufen!"

Sie sind zu heißblütig, junger Freund", sagte der Oberst lächelnd.Sie berücksichtigen nicht, daß es Verhältnisse geben kann, die dem Wollen und Können enge Schranken ziehen. Dürfte ich Ihnen Alles enthüllen, Ihnen das dunkle Räthsel lösen, dann würden Sie mir sicher Recht geben; so aber müssen Sie sich mit meinen Andeutungen begnügen und die kommenden Ereignisse geduldig abwarten. Auf Wiedersehen denn in Wiesenthal! Sie wollen dort einem Verbreche» nachforschen?"

Jawohl, es ist für mich keine angenehme Reise; sie kann nur Mühe und Arbeit und wenig Erholung bringen, nichtsdestoweniger unternehme ich sie gern, sie giebt mir Gelegenheit, in solchen Sachen Scharf­blick z« üben unb schätzbare Erfahrungen zu sammeln. Auf ein fröhliches Wiedersehen!"

Er drückte dem Oberst die Hand und entfernte sich, um seine Dienste jetzt dem Hauptmann von Görlitz zur Verfügung zu stellen, der ihn bereits ungeduldig erwartete, da er ihn bitten wollte, Signora Barlotti von dem Vorgefallenen zu benach- richtigen, bevor sie diese Nachricht auf anderem Wege erhalten konnte.

Der Landrath war auch auf dem Rückwege mit feinem Freunde hart aneinander gerathe», schon au» diesem Grunde konnte Riesenthal die Einladung zum Diner nicht annehmen; er lehnte unter dem Vorwande ab, daß er schon mit dem nächsten Zuge die Heimfahrt antreten wolle.

Verstimmt trat Ackermann in fein Kabinet. Der Freund hatte ihm in gar zu derber Weise Wahr­heiten gesagt, die er als solche anerkennen mußte, so sehr sein Stolz sich auch dagegen sträuben mochte.

Auf dem Schreibtisch lagen mehrere Briefe, der Landrath fetzte sich in seinen Sessel und öffnete sie, um mit flüchtigem Blick ihren Inhalt zu überfliegen.

Er bemerkte nicht, daß hinter feinem Rücken die Portiöre zurückgeschoben wurde und Vera eintrat. Sie blieb unentschlossen stehen, als sie ihn beschäftigt sah; er öffnete eben den letzten Brief aber kaum hatte er einen Blick auf das entfaltete Papier ge­worfen, als er wie von einer Schlange gebissen von seinem Sitz emporfuhr.

Vera trat rasch näher. Der Brief enhielt nur die gedruckten Worte:Vor dem hösten Richter wird Alles klar!"

Starr ruhte sein Blick auf diesen Worten, sein Antlitz war todesbleich geworden, die zuckenden Lippen preßten sich fest aufeinander, unb Entsetzen sprach aus jebem Zuge feines Gesichts.

Wer brachte ben Bries?" fuhr er auf, unb erst jetzt bemerkte er bie Anwesenheit Vera's.Ah, Du bist hier? Was führt Dich hierher?"

Dasselbe, was Dir so großes Entsetzen einflößt", erwiderte sie, unb ihre dunklen Augen ruhten so fest

auf ihm, als ob sie feine geheimsten Gedanken et* forschen wollten.Auch ich empfing diese gedruckte Zeile. Was bedeutet sie?"

Wie kann ich es wissen?" sagte er mit mühsam erzwungener Ruhe.Ich weiß ja nicht einmal, wer so frech war, sich diesen unpassenden Ausdruck zu erlauben. Wer brachte bie Briefe?"

Der Dienstbote!"

Der Lanbrath warf einen Blick auf bie Adresse, wieder zuckte er zusammen.

Kennst Du bie Handschrift?" fragte Vera mit scharfer Betonung.

Nein", antwortete er rauh.

(Fortsetzung folgt.)

Die neuen deutschen Postdampfer und der Norddeutsche Lloyd in Bremen.

Die in Abelaibe erfcheinenbeAustralische Zeitung" bringt in ihrer Nummer vom 19. Mai 1886 nachfolgenben Artikel:

In wenigen Wochen wirb bet erste beutsche Post« bampfer in Australien eintreffen. Zum ersten Mal werben wir bie Nachrichten aus dem fernen Vater« lanbe burch beutsche Schiffe empfangen; zum ersten Mal wirb eine regelmäßige, schnelle unb sichere Verbindung mit Deutschland ins Leben treten, bei welcher nicht das Sonberinteresse eines einzelnen Nhebers ben Interessen ber Passagiere unb ber Be­frachter nachqestellt fein wird, wie bei der bisherigen Sloman-Lime, sondern bei welcher der Weltruf unb ber Ehrgeiz des Norddeutschen Lloyd in Bremen von vornherein jede Garantie für außerordentliche Leistungsfähigkeit bieten, bei welcher das deutsche Reich selbst, seiner Weltstelluug gemäß, und trotz des Widerspruchs der kurzsichtigen, im Seewesen und ben außereuropäischen, zumal australischen Hanbels« Verbindungen ganz unerfahrenen Oppositionspartei, durch die Anregung des großen Reichskanzlers seine Beihülfe unb Mitwirkung garantirt hat.

Wir können zu bem, was mir bereits mittheilten, heute nach authentischen Mittheilungen, welche uns von einem Freunbe unserer Zeitung, Herrn Dr. N. in Berlin zugehen, unseren Lesern ein vollständige» Bild der neuen Linie, ber Einrichtung ber Schiffe, bes Betriebes unb ber Vortheile, welche bie bemschen Postdampfer für ihre Passagiere bieten, sowie bes gefammten Umfanges unb ber staunens«erthen Etablissements bes Norddeutschen Lloyd entrollen, deren Kenniniß nicht nur in hohem Grade interessant, sondern auch für bie Beurtheilung ber deutsch- australischen Linie unb für bie Erwartungen, welche wir mit Recht davon haben dürfen, charakteristisch sind.

Da die Schiffe fast ganz gleichmäßig gebaut sind, so möge es genügen, hier die Maße unb Ein­richtungen nur eines von ihnen, berHabsburg", anzusühren. DieHabsburg" ist 551 Fug lang,