Gießener Jamilienblätter
Nr. 59.
Belletristischer Beiblatt zum Siebener Anzeiger,
1886;
Donnerstag den 20. Mai.
Are Jasschmünzer.
Criminal-Roman von Gustav Lössel.
(Fortsetzung).
„Und nun?"
„Die Suchenden fanden diese Thür, die allerdings etwas sehr versteckt liegt, nicht. Ich athmete auf. Ich folgte ihren Schritten und vernahm nun das ganze Ergebniß und die Veranlassung ihrer Untersuchung."
„Und diese waren?"
Riston berichtete, was wir bereits wissen, soweit es die Verfolgung de» rothen Matthies durch Neubert betraf.
„Nun, und da sind Sie noch unzufrieden?" fragte Duprat verweisend. „Freuen Sie stch doch über dieses merkwürdige Zusammentreffen von Umständen. Die Polizei ist irregeführt. Sie werfen Falschmünzer und Anarchisten in einen Topf."
„Da» eben bringt uns doppelte Gefahr."
„Lächerlich I Sind wir denn Anarchisten? Viel bedenklicher ist für mich, aus Gründen, die Sie Nichts angehen, das Wiedcrauftauchen des rothen Matthies. Ich hatte ihn tobt gewähnt."
„Das heißt, Sie wünschen, daß er tobt wäre?" fragte Risten lauernd.
„Weich' eine Umdrehung!" sagte Duprat unwillig. „Ich habe mich dummer Weise, trotzdem ich es gar nicht nöthig hatte, zur passiven Theilnahme an Ihren Münzfälschungen überreden lassen, und nun halten Sie sich für berechtigt, mir alle möglichen Verbrechen an die Schwelle zu legen. Ich sage i Ihnen, damit kommen Sie an die falsche Adresse. Lassen Sie es sich vergehen, mich zu bedrohen. Ich rathe Ihnen das in Ihrem eigenen Interesse."
„Wer bedroht Sie!" erwiderte Riston voll Entrüstung. „Ich bringe mich selbst in Gefahr, um Sie zu warnen, und das ist mein Dank dafür. Bemerken Sie denn nicht, daß ich Sie eher von jedem Verbrechen rein wissen und erhalten möchte, als Sie mit einem solchen behaften? Wenn mein Zeugniß, das Zeugniß eine» Münzfälschers, Sie rein waschen könnte, würde ich keinen Augenblick anstehen, die ganze Schuld auf mich zu nehmen. Ja, ich wäre im Stande, selbst ein Verbrechen zu begehen, um Sie vor den bösen Folgen eine» solchen zu bewahren."
Duprat stutzte.
„Das klingt so aufrichtig und ist doch so un
wahrscheinlich", sgate er, daß ich Ihnen darauf hin mein ganzes Vertrauen nicht schenken möchte. Reden wir von etwas Anderem und zwar von Dem, was für uns Beide ein gleich großes Interesse hat; denn jeden Augenblick kann mein Chef zurückkommen, und dann können Sie hier nicht mehr, ohne mich zu gefährden, betroffen werden."
Riston hatte Etwas einwenden wollen, aber bei diesen Worten nickte er zustimmend.
„Die Frage ist", fuhr Duprat fort, „was nun thun? Der Münzapparat ist uns genommen und die Falschmünzerei für uns überhaupt unmöglich geworben. Dryden hat bas vorausgesehen und ist entflohen. Ich habe durch ihn zwar mein Vermögen eingebüßt, aber ich möchte es durch so gewagte Mittel, wie eine neue Münzfälschung, nicht ergänzen."
„Ich würde auch unter keinen Umständen meine Hand dazu reichen."
„Und ich die mir bargebotene Hand auch unter keinen Umständen ergreifen. Mich trifft das alles nicht. Ich habe meine gute Stellung, welche mir eine auskömmliche Existenz sichert. Aber Sie, Riston, was machen Sie?"
„Ich brauche wenig."
„Dennoch müssen Sie leben, und dazu gehören Mittel. Ich will Ihnen diese Mittel gewähren."
„Sie — mir?" fragte Riston bewegt. „Wie gut Sie sind."
„Mißverstehen Sie mich nicht", entgegnete Duprat kalt. „Sie können in dem öden Hause, in dem Sie jetzt stark gefährdet sind, nickt bleiben, und ich kann durch Ihre Gegenwart nicht immerfort bedroht werden. Ich will Ihnen nun mein Letztes opfern und Ihnen eine Summe zahlen, welche es Ihnen ermöglichen wird, im Auslände sich eine neue Existenz zu gründen, und zahle ich Ihnen dieses Geld nur unter der einzigen Bedingung, daß Sie nie mehr einen Fuß in dieses Land setzen, mich nie mehr belästigen. Wollen Sie mir das versprechen?"
„Nein."
Duprat zuckte zusammen.
„Ich zahle Ihnen fünftausend Mark."
„Nein."
„Zehntausend!"
„Und nicht, wenn Sie mir selbst hunderttausend Mark zahlen."
„Warum nicht?"
Duprat sprach es grollend, drohend. Riston mochte sich vorsehen.
„Das — erwiderte dieser, werde ich Ihnen


