Ausgabe 
20.2.1886
 
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hören Sie! Man kommt schon wieder den Gang entlang--ein lautes Echo!"

Das könnte er wohl sein, da er keine Ahnung von unserem schon bestätigten Verdachte hat. Stellen wir uns auf die Lauer."

Sie thaten es und lauschten in banger Erwartung den nahenden Schritten.

Herr Assessor!" tönte es da rufend vom Corridor.

Es war der Kommissar, der sich durch diesen Anruf von draußen vor einem Doppelüverfall be­wahrte. Die Sache hatte somit bei allem Ernst etwas Komisches, und alle drei Herren konnten sich nicht enthalten, hierüber zu lachen.

Diese Entdeckung ist ungeheuer wichtig", sagte der Kommissar am Schluß von Neuberts Bericht.

Und hier ein neuer Fingerzeig in derselben Richtung!" rief Soitmann, der die Strohmalratze inzwischen noch weiter durchwühlt hatte. Er hielt triumphirend ein ledernes Portemonnaie in der er­hobenen Hand.

Vielleicht der Ring darin?" fragte erregt der Kommissar.

Rein, aber einige amerikanische Gold- und Silbermünzen", erwiderte Soltmann.Wenigstens wissen wir nun, aus welchem Welttheil der Fremde kam."

Und wohin wir eventuell seine Spur zu ver­folgen haben", setzte Reubert hinzu.

Aber den Ring müssen wir vor allen Dingen haben", beharrte der Kommissar.Ich bin über­zeugt, daß er ein Monogramm oder sonst ein Er­kennungszeichen enthält. Schütten Sie nur ruhig die Matratze aus. Reißen Sie die Dielen auf, was Sie wollen. Jetzt sind wir ja in Feindesland, und da ist Alles erlaubt. Ich lasse inzwischen die Leiche wegbringen und alle Thüren besetzen. Der Mörder ist offenbar noch hier und wird Ihnen, wenn er seine Schätze holen will, in die Arme laufen. Sehe ich ihn draußen, so werde ich ihn sofort selbst ver­haften."

Der Kommissar entfernte sich, und Reubert und Soltmann arbeiteten weiter. Andere Beamte ge­sellten sich zu ihnen. In dem Zimmer wurde nichts ganz gelassen.

Auf dem Rückweg von der Straße traf der Kommissar noch einmal mit dem Kommerzienrath zusammen, welcher in großer Erregung aus seinem Büreau kam, bis zu dessen Thür der Kommissar ihn vorhin begleitet hatte.

Was ist Ihnen, Herr Kommerzienrath?" fragte Letzterer.Haben Sie vielleicht auch irgend eine Entdeckung gemacht?"

O, und zu meinem Schaden eine solche", sagte Etwold,welche ohne Zweifel auf ein Verbrechen hinweist, wenn auch nicht auf das, nach welchem Sie jetzt forschen,"

Was ein neues Verbrechen in Ihrem Hause? Das wäre! Vielleicht ein Zusammenhang zwischen Beiden?"

Kaum annehmbar. Mir sind heute Morgen effektiv 13000 Mark von meinem Büreautisch ge­stohlen worden."

Der Komissar griff in seine Tasche und stutzte. Er wurde dadurch an die von Reubert übergebene große Baarsumme erinnert.

In was für Währung?" fragte er.

In Gold und großen Banknoten."

Und Mathies war in Ihrem Comptoir?"

Ja."

So ist er der Dieb und das Geld schon ge­sunden. Erkennen Sie dies als das Entwendete wieder?" Er hielt dem Kommerzienrath das Geld hin.

Gewiß, es ist das Geld", bestätigte Etwold. Und wo fanden Sie es?"

Auf dem Grunde von Ihres entlassenen Kutschers Koffer. Und sehen Sie, was wir in seinem Zimmer noch gefunden Uhr und Porte­monnaie des Ermordeten draußen in die Matratze eingenäht. Mathies ist der Mörder oder Mitver­schworene des Mörders und das Ganze charakterisirt sich jetzt als ein neues Attentat der Anarchisten. Dieses Geld sollte ihrer Propaganda dienen."

Ein bitteres Lächeln glitt über das bleiche stolze Antlitz des Kommerzienraths.Ein Attentat der Anarchisten, ja, ja", sagte er,und weiter ist es auch nichts. Die sollen ja selbst Frauen im Bunde haben, welche zu jeder Schandthat fähig sind. Daher auch die weiblichen Fußspuren. Sie haben Recht, Herr Kommissar, ein Anarchistenattentat, so ist es."

Haben Sie eine Ahnung, wo Mathies sein kann? Ich möchte ihn gleich selbst verhaften."

Er könnte, wenn nicht im Gesindezimmer, nur noch in den Ställen sein; obgleich ich nicht weiß, was er dort noch zu suchen hat."

Aber auf jeden Fall. ist er noch hier?"

Einer der Portiers müßte denn gesehen haben, daß er fortging."

Ich werde diese sogleich darnach befragen."

Damit eilte der Kommissar wieder die Treppe hinab, und Etwold kehrte in sein Büreau zurück.

Plötzlich ertönte lautes Geschrei vom Hose her. Durch den wieder stark verdichteten Rebel sahen die Herzueilenden den rothen Mathies im Kampf mit Williams, dem neuen Kutscher.

Zu Hilfe!" schrie dieser.Zu Hülfe! Die Pferde sterben! Er hat die Pferde vergiftet!"

Der Kommissar ließ einen schrillen Pfiff ertönen, und zugleich mit den Leuten vom Hauspersonal liefen sämmtliche^Beamten herzu, um den rothen Mathies zu fassen.

Sie sahen aber nur, wie dieser nacheinander Williams und den Kommissar zu Boden schlug und dann nach der Papiermühle zu rannte.

Man vermuthete, daß er sich in dem weitläufigen Gebäude verstecken wolle und rief das an die Fenster geeilte Fabrikpersonal um Beistand an.

Umsonst!