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erste heißet man den Kern, trinken die Bürgermeister gern, ander heißt das Mittel-Bier, setzt man gemeinen Leuten für.
Biere mußten überall, wo deren Ausschank gestattet war, hohe Abgaben tragen, damit das einheimische Product nicht darunter leide. In mehreren Städten Norddeutschlands entstanden im 16. und 17. Jahrhundert große Unruhen unter der Bürgerschaft, weil da» Bier entweder zu theuer, oder der Aus- schank fremder Biere gestattet wurde. Die Sorg- fatt der Behörden, dem Volke nur gutes Bier zu verschaffen, hat manchmal etwas rührendes und komisches. Man bekommt wirklich Respect vor dem Eifer, mit dem die hochmögenden Rathsväter der verschiedensten Städte das Getränk grüßten. Die Erzählung von den Rathsherren, welche beim Be- urtheilen des Bieres sich auf mit Leder bezogenen Stühlen niederließen, welche vorher mit Bier be- goffen waren, dann richtig das Bier erprobten und wenn beim Ausstehen von den Sitzen, die Stühle an den Hosen fest klebten, das Bier für gut, im anderen Falle schlecht fanden, ist durchaus kem Märchen, sondern eine historische Thalsache. Eigen- thümlich ist es, daß im 16., 17. und bis ins 18. Jahrhundert von bayerischem Bier bei Weitem nicht so viel die Rede ist, wie von dem norddeutschen. u L
Bekanntlich ist die Sache letzt gerade umgekehrt. Norddeutsches Bier finden wir früher häufig in Süddeutschland erwähnt. Auf dem berühmten Reichstage zu Worms, (18. April 1621) als Luther dort vernommen wurde, spielt es sogar eine historische Rolle, denn Herzog Erich von Braunschweig sandte nach der Sitzung dem kühnen Mönch einen silbernen Becher mit gutem Eimbecker Bier, damit sich Luther daran labe. , ,
Wie der Wein, hat in früheren Jahren auch das Bier seine Poeten gefunden. Der alte Harß- dörffer singt vom Bier:
„Mein Vater ist der Bach, und daraus muß ich werden Des Lebens Lieutenant, die Mutter ist die Erden Mein Hauß ein hartes Holtz, ein Messing meine Thür, Mein Hemmet ist von Pech, der Pirkemeyer Zier.'« und ein anderer Poet schwingt sich zu dem folgenden Lobgesange auf:
Der vielbelobte Trank, das edle Gerstenwaffer Wird billig werth geschätzt, und hat nur wenig Hasser. Bier, Bier, das lescht den Durst und richtet Freude an, Daß manche Grille wird dadurch beiseit gethan.
In Brabant ist ein Ort, so Thienen wird genennet, Da ist ein Bier, dem man ja billig Ehre gönnet, Ein überauß gut Bier, mit welchem jederman Die Sorgen mehr als mit dem Wein vertragen kann. Das alt hamburgisch Bier, das läßt sich auch noch trinken Bei gutem Zwieback und bei einem Schweineschinken • Was noch mehr andre Bier davon will ich jetzt schweigen, Die weil ein jedes Bier seya Lob kann selber zeigen, So jedes Ort bekannt, Gott gebe Segen, Glück, Zum Brauen alle Bier, Bier ist eilt nöthig Stück."
Unzählig sind auch die Namen, die der Volks
mund dem Biere beilegt. In einem uns vorliegenden kleinen Verzeichniß deutscher Biere aus dem 17. Jahrhundert finden sich allerlei lustige aber auch viel un- fläthige Benennungen, von denen wir einige hier mittheilen wollen. Da finden wir in Brandenburg ein Bier, welches „Alter Clauß" heißt; Braunschweig braut „Mumma", die heutige „Mumme", und Hildes- heim liefert „Breyham", von dem der Chronist sagt: „Es hat aber solch' Getränk von deffen, Erfinder Kuerd Breyham den Namen erhallen, welcher auß dem Dorff Stocken, eine Meil von der Stadt Hannover gelegen, bürtig, und zu Hamburg ein Brauknecht gewesen, und Anno 1526 zu besagtem Han- nover, im Braunschweiger Land, Hamburgisch Bier zu sieden versucht hat, von Dannen es nach Hildes- heimb kommen."
„Bind den Kerl" braute man zu Boitzenburg, und „Bockhänger" zu Wollin in Pommern, wogegen in Frankfurt a. d. O. „Büffel" verzapft wurde, von dem der Chronist sagt: „ein wüstes tummes Ster;'. Die Erfurter brauten „Schluntze" und Fechte in Westphalen gar „Dodenkopff". Westphalen scheint überhaupt früher nicht sehr beliebt gewesen zu sein, denn ein alter Reim sagt darüber:
Schlecht Logiament und lange Meil,
Schwartz Brod, schlimm Bier, grob Schweine Keil, Giebts aitenthalben in Westphalen,
Wer'S nicht glaubt, mags selbst erfahren.
„Gose" und „Garley" braut man in Goßlar und Gardelegen unseres Wissens noch heute, dagegen hat sich der Merseburger „Kopfreißer", der „Strecke- borzel" und der „Hodebänker" nicht dort erhalten. Wittenberger „Kuckuck" erfreute sich früher einer guten Würdigung ebenso wie die „Klotzmilch" zu Bautzen, dagegen sagt die Bezeichnung „Jammer", eine Art Dummbier in Preußen, genug von der Güte des Getränkes. Zu Langensaltz
Braut man drey Bier mit einem Maltz;
Marburg war stolz auf seins „Junker", während Wernigerode nur „Lumpenbier" braute, und Magdeburg gar „Piepemstäl" (Pfeifenstiel). In Leipzig finden wir ein saures Bier, „so man Rastrum nennt" und Rostocker Bier wird „Oel" genannt. „Störtenkerl", (Stürtz den Kerl) „Scherpype" (Scherpfeife) und „Stamp in die Asche" trank man in Dernburg, „Schöps" oder „toller Wrangel" in Breslau, aber „Lause Brüh" zu Zerbst, wogegen dem Bier in Torgau nachgesagt wurde: „Torgtsch Bter ist der Ammen Malvasier."
Wir könnten noch eine Meng: Namen zufügen, wenn wir nicht fürchteten, den Leser zu ermüden, deshalb genug für heute. W. Kaulen.
britte heißt Kovent, Trink Dich, potz schlapperment.


