Ausgabe 
19.8.1886
 
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großen Gefahren aussetzen. Aber daß er hier und da eine Aeußernng fallen läßt, um mich bei dem Burschen verhaßt zu machen, das glaube ich gerne, und damit kann man ja auch Manches erreichen. Hellmuth haßt uns Alle, nicht mich allein, auch meinen Schwiegervater und meinen Schwager; man halte dafür sorgen müssen, daß er versetzt werde,"

Er war damals schon hier, als die Leiche des Herrn von Salberg im Walde gefunden wurde?"

Freilich, er ist schon seit zwölf Jahren hier Förster. Aber gerade in jenem Sommer war er einige Monate beurlaubt; wenn ich nicht irre, machte er damals sein Examen und so mag er von dem derzeit Vorgefallenen wenig genug wissen, wohl nur das, was er später durch Hörensagen erfuhr. Ich erinnere mich noch, daß der Oberförster derzeit ganz allein im Walde hauste, seine Frau war schon seit einigen Jahren tobt, Han» besuchte in Wiesbaden die höhere Schule, und seine Tochter, meine jetzige Frau, schickte er ganz plötzlich zu einer Tante, wo sie mehrere Monate bleiben mußte. Man hat der­zeit sich den Kopf darüber zerbrochen, weshalb der alte Mann sich isolire, aber Niemand hat's heraus­gebracht, obgleich mancherlei Vermuthungen laut wurden."

Vermuthungen? Welcher Art?" fragte der Referendar, sich der Aeußerungen des rothen Fritz erinnernd.

Ich kann'» nicht mehr sagen, hab' auch damals wenig auf das Geschwätz gegeben. Die alte Frau, die derzeit dem Oberförster auswartete, wär stumm wie das Grab"

Ist es dieselbe, die ihn jetzt bedient?"

Nein, sie ist schon seit fünf Jahren tobt." Besuchte beim Niemand ten Oberförster?" Einige Neugierige haben allerdings den Versuch gemacht, aber sie erfuhren Nichts, und sie wurden in einer Weise empfangen, die ihnen eine Wieder­holung dieses Besuchs nicht wünschenswerth machte."

Der Referendar schüttelte den Kopf. Das lautete wieder so geheimnißvoll und stimmte mit den An­deutungen des rothen Fritz in mancher Beziehung so sehr überein, daß es wohl zu ernstem Nachdenken veranlassen konnte.

Was es aber auch gewesen sein mag, keinesfalls war es Etwas, was dem alten Herrn zur Unehre gereichen konnte", nahm der Wirth wieder das Wort;darüber sind wohl Alle einig, die ihn kennen."

Sie halten den Wald erreicht. Der Wirth schritt auf dem schmalen Fußpfade voran, dicht hinter ihm folgte der Referendar, der sich gewaltsam bezwingen mußte, um seine Erregung nicht zu ver- rathen.

Aber wenn es wirklich etwas Ehrenhaftes war, und ich will ja keineswegs daran zweifeln", sagte der Letztere,bann hätte boch der Oberförster kein Geheimniß daraus zu machen brauchen!"

Wer weiß, welche Gründe ihn dazu zwangen

Wer kann überhaupt wissen, ob

Haben Sie denn mit Ihrem Schwiegervater nie darüber gesprochen?" fragte der Referendar.

Nein, wozu auch? Ich bin nicht neugierig, und die Sache interessirte mich auch nicht! Ueberdie» ist der alte Herr an jene Zeit nicht gerne erinnert."

Wieder ein Beweis, daß hier ein Geheimniß vorliegt, dessen Enthüllung Unannehmlichkeiten be­reiten kann."

Da» letzte Wort war den Lippen des Referendars noch nicht entflohen, als plötzlich in nächster Nähe ein Schuß krachte; dem jungen Mann wurde der Hut vom Kopfe gerissen; deutlich hörte man die Kugel in einen Baum einschlagen.

Im ersten Moment standen die Beiden starr vor Schrecken.

Das war Tell's Geschoß!" sagte der Referendar, wahrend er sich bückte, um seinen Hut aufzuheben.

Was sagen Sie?" fragte der Wirth bestürzt. Sie sind doch nicht verwundet?"

L eb Vaterland, kannst ruhig sein! Diesmal bin ich noch mit einem blauen Auge oder vielmehr mit durchlöchertem Hut davongekommen. Aber ich denke, wir wollen hier keine Hütten bauen der Mensch versuche die Götter nicht!"

Damit eilte er mit raschen Schritten von bannen, und bet Wirth zögerte nicht, ihm zu folgen.

Als sie ben Walb verlassen hatten, blieben sie stehen, um Athem zu schöpfen. Rommel nahm feinen Hut ab unb betrachtete ihn mit ernstem Blick.

Einige Zoll tiefer und es war um mich ge­schehen", sagte er.Ich kenne Dich, Spiegelberg aber ich will nächstens unter Euch treten und fürchterlich Musterung halten!"

Wer mag ben Schuß abgefeuert haben?" fragte ber Wirth, ber feine Fassung noch immer nicht wieberstnben konnte.

Können Sie noch zweifeln, baß er mir galt?" erroiberte ber Referendar.Und wenn die» feststeht, wer hat hier ein Interesse daran, mich zu be­seitigen?"

Der rothe Fritz?"

Natürlich, kein Anderer, als er!"

Hm ich glaube nicht, daß er so glücklich ist, eine Büchse zu besitzen."

Bah, die Waffe kann er gestohlen haben." (Fortsetzung folgt).

Allerlei von Wein und Bier in alter Zeit.

(Schluß).

Das Bier, wie heute, so auch vor zwei, drei unb vier Jahrhunderten das Getränke de» Volke», erfreute sich nicht nur der besonderen Pflege von Seiten der Bierbrauer, sondern auch die wohlweisen und hochmögenden Väter ber Städte, wo mehr Bier wie Wein getrunken wurde, sorgten emsig dafür, daß stet» guter Stoff vorhanden war. Fremde