Ausgabe 
18.12.1886
 
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Hießener Isamilienblätter.

BelleMstischrs KMM M» Gießener Anzeiger«

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Ak» 149. Samstag den 18, December. 188$.

Ws zur teHLen Klippe.

Original-Roman von E. Heinrichs.

(Fortsetzung).

Dann wäre ich ja wirklich wie gerufen ge- kommm", lächelte der Staatsanwalt, sich vergnügt die Hände reibend,Muß aber in diesem Falle um einen klaren Ueberblick bitten und die Geschichte unseres famosen Grafen kennen. Will nicht leugnen, daß er mich damals sehr interesflrte, da ich ihn für einen geriebenen Abenteurer hielt und nur die be­glaubigten Zeugnisse des schwedischen Consuls mich lahm legten.

Der Banquier lachte laut auf und füllte die Gläser, um auf den staatsanwaltlichen Scharfblick anzustoßen.

Ihnen ist es gut gegangen, lieber Rodenburg?" fragte Helmuih alsdann.

Leidlich schlecht und gut, die Jagd nach dem Glück mußte sich nur zu oft zu einem Kampf um das nackte Dasein bequemen, bei welcher Gelegenheit ich die Bekanntschaft dieses Freundes, der mir im tropischen Urwald das Leben gerettet, machte."

Nun, da war die wilde Jagd nach Glück doch bereits gelungen", lächelte Katüra, das Hauptband zwischen uns blieb der Haß und der Trieb nach Rache gegen unsern Todfeind."

Alle Wetter!" rief der Staatsanwalt plötzlich, t seine Uhr ziehend,über diese interessante Geschichte - vergesse ich meine heutige Hauptaufgabe und den i Zweck meines Besuchs. Ich wollte Sie bitten, mit; mir nach Helgoland zu fahren. Dort befindet sich s augenblicklich Ihre Tochter mit dem schönen Find« * Ung."

Ganz recht", nickte der Banquier erstaunt,doch - was hat sie mit Ihnen zu schaffen?"

O, im criminellen Sinne nichts, mein Lieber!" lächelte der Staatsanwalt,ich möchte mich nur mit | ihr zur Erforschung einer geheimnißvollen Persön- - lichkeit verbinden und da wäre die Gegenwart des f väterlichen Schutzes sehr viel werth. Auch ist meine Reise dorthin ganz harmlos. Fräulein Natalie be­sitzt einen ausgesprochenen criminalistischen Jnstinct, einen bewunderungswürdigen Scharfblick und großen Verstand, was mit ihren sonstigen liebenswürdigen Eigenschaften verbunden ein halbwegs vollkommenes menschliches Wesen ergiebt"

Sehr verbunden, Doctor!" versetzte der Banquier ironisch,ich wünschte meine Tochter etwas weniger vollkommen, um sie als glückliche Frau und Mutter,

I und mich als Großvater zu sehen. Doch daran ist l bei Ihrer Lobhymne nun gar nicht mehr zu denken, weil ihr Scharfblick alle Freier verscheucht."

So ist Ihr Fräulein Tochter noch unvermählt?" fragte Felix erstaunt.

Ja, trotz ihrer Erhabenheit und der staatsan­waltlichen Lobhymne", erwiderte der Banquier ärger­lich lachend,na ja, sie hat bei der Hochzeit Ihrer Stiefmutter schon als Brautjungfer fungirl und will den Orden der alten Jungfern durch ihr heroisches Beispiel verherrlichen."

Ach was, für ein Mädchen wie Natalie paßt unsere heutige Männerwelt überhaupt nicht", be- f merkte der Staatsanwalt,kann's ihr nicht verdenken, daß sie um solcher Kerle willen ihre Selbstständig­keit nicht aufgeben will. Um wieder auf Helgo­land zu kommen, es ist dort etwas Seltsames passirt, wie mir heute früh gemeldet worden. Sie " kennen doch den jungen Hartung?"

Na freilich, er macht der Vera heillos die Cour."

Der junge und dem Anscheine nach völlig harmlose Mann ist des Todschlags angeschuldigt worden."

Nicht möglich!" rief der Banquier überrascht, ich hörte, daß er mit Mutter und Schwester nach Helgoland sei."

Ganz recht, er soll bei Nacht und Nebel einen Engländer von der Verbindungstreppe hinab­gestürzt haben. Der junge Reimann, welcher eben­falls dort sich befindet, hat mir die Geschichte ge­schrieben und in Frau Hartungs Namen um meine Gegenwart gebeten, da die Engländer ein großes Geschrei erheben und den Mörder unbedingt hängen sehen wollen."

Mein Himmel, das ist ja fürchterlich", rief der Banquier außer sich,die arme Familie, weiß es der Vater denn schon?"

Wnß nicht, fühle mich auch nicht dazu berufen, wollte nur noch bemerken, daß der Name Vera Möller auch bei der Geschichte genannt wird. Wollen Sie mich begleiten?"

Versteht sich, Herrgott! das fehlte noch, daß meine Tochter um diesen Findling, na, ich habe genug gewarnt, aber sie mußte ja einen Schützling habm, natürlich, sonst hielt sie's doch nicht aus. Heute ist's nun zu spät, also morgen früh. Fahren Sie mit uns, meine Herren", wandte er sich an seine beiden fremde Gäste,es wird Ihnen Ver­gnügen gewähren. Sie wollten das Medaillon sich doch ansehen?"