Ausgabe 
18.5.1886
 
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Hießener Jamilienbtätter.

Nr. 58.

BelletrißifHes Aeidlatt pim Gießener Aüfelger

Dienstag den 18. Mai.

1886.

Aie JakfchmünZer.

Criminal-Roman von Gustav Lössel.

(Fortsetzung).

In Duprat's Augen flammte es auf von be­friedigter Habgier oder Freude über die ihm winkende Machtstellung.

Was es auch sei, was Sie mir anzuvertrauen haben mögen", entgegnete er,ich werde es in ver­schwiegener Brust bewahren und mit meinem Leben für das Ihre eintreten. Ich glaube wohl, daß das Ihrem eigenen Versprechen die Waage hält."

Und mehr als das", sprach der Kommerzienrath, es überwiegt es. Ich glaube wohl, daß wir uns leicht und rasch verstehen werden, wie wir es stets gethan haben."

Duprat verbeugte sich. Er mar am Ziele. Des Kommerzienraths Wort war so gut wie die ^hat. Und was konnte einem solchen Geständniß, wie jener es zu machen hatte, auch Anderes folgen als ein so hoher Lohn für einen so großen Dienst; denn hier galt es doch nichts Geringeres, als die Beseitigung Desjenigen, welchen Etwsld so lange im Bänne seines halb erloschenen Daseins gehalten.

Nun schlug Duprat selbst einen heiteren Ton an, um den Eindruck seiner früheren Worte ver­gessen zu machen. Der Kommerzienrath stimmte in jenen mit ein. Es war zwar nicht die richtige Heiterkeit, die aus der sorgenlosen Ruhe des Ge- müths entspringt; aber was that das? Mau redete irch doch ein, daß man mit dem Winter auch die Sorgen abgeschüttelt hatte, und daß der Frühling Sonnenschein und neues regeres Leben bringen müsse.

Duprat konnte jetzt mit Ruhe der Weiterent- wlckelung, der Dinge entgegensehen. Er hatte dem Kommerzienrath in unzweideutiger Weise zu erkennen gegeben, daß er selbst es sei, welcher den ver­schwundenen Forster in dem Kellergewahrsam ver- muthete; und dieser hatte das auch halb und halb zugestanden. Es war leicht begreiflich, daß Etwold mit einem offenen Geständniß über diese Schreckens- that noch so lange als irgend möglich zurückhielt; und Duprat gewährte ihm gern jede Frist dazu. Zurück konnte Etwold doch nicht mehr, denn Duprat und kein anderer war es gewesen, der Eduard in der Fluchtnacht belauschte und auf seinem Gang zu dem Gewahrsam des affen Forster folgte. Ein ver­dächtiges Geräusch hatte ihn damals aus seinem

Zimmer hervorgelockt und ihn die Neugierde Eduard nachschleichen lassen. Die sich ergebenden Umstände hatten ihn dann zu der That gedrängt, welche er nicht vorbedacht hatte; und auch zur Ueberlegung war ihm keine Zeit geblieben.

Mit Eduard's Einsperrung aber war ihm sogleich der Gedanke gekommen, ihn mitsammt Forster einem qualvollen Tode zu überliefern. Und um in diesem schrecklichen Entschluß nicht mehr wankend zu werden, hatte er nach vollbrachter That die zusammenge­bundenen Schlüssel in den Kanal geworfen; dann hatte er mit Hülfe des Etwold'schen Bootes das, welches Eduard hierher gebracht, nach der Landungs­stätte zurückgesührt und wieder befestigt. Damit war auch die letzte Spur von Eduard's Hierherkunft vernichtet.

Trat nun Etwold mit seinem Geständniß und .dem Verlangen an ihn heran, die sterblichen Ueber- reste Forster's zu beseitigen, so galt der Umstand, daß er die Kellerschlüssel nicht hatte, als ein Beweis dafür, daß er sie auch aus ihrem Gewahrsam nicht entwendete. Drang man dann mit Hilfe von Nach­schlüsseln in den Keller, und fand Etwold seinen Sohn in Forster's Zelle tobt, so blieb das Geheim« niß seines Dorthingelangens und des Verbleibs der Schlüffe! unaufgeklärt. Ließ Etwold ihn aber und das war das Wahrscheinlichere allein zu dem Keller hinabsteigen, so brauchte er dort nur Zwei Leichen statt einer zu verscharren, nm Etwold ahnungslos davon zu lassen, daß Forster's Tod durch den gleichzeitigen seines einzigen Sohnes ge­sühnt worden war.

Duprat überlegte das mit der ihm eigenen kalten Ruhe.

,,Besser, ich halte sein Geständniß selbst noch auf", sagte er sich,denn nachher wird er mich um Verscharrung des Tobten bedrängen und vielleicht selbst mit hinabgehen um mir dabei behülflich zu sein. Nun hat mein Herr Eduard aber eine junge, überaus kräftige Natur, welche selbst durch sein ausschweifendes Leben noch nicht geschwächt worden. Forster sagte sogar, daß er noch auf acht Tage Nahrung da hätte. Man hat Beispiele, daß Menschen sehr lange fasten können, und daß sie, wenn der Hunger an ihnen nagt, selbst zum Kanni« balismus hinabsteigen. Wenn also bei Wiederer« Öffnung der Zelle Eduard noch leben sollte, wäre es sehr fatal. Etwold würde die Ermordung seines Sohnes nicht zugeben, und dieser würde, wenn er wieder frei käme, nicht schweigen. Dann aber wären Etwold und ich vernichtet, Also warten wir noch;