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vorüber., Es war ja fein Haus, in dem er sich hier befand, und da er schon früher in die erste Etage wieder hinab gestiegen war, sollte es dem Büreau- diener wohl schwer werden zu behaupten, daß er gerade in dem „Kutscherzimmer" gewesen sei.
Ionas schien von der Begegnung nicht minder bestürzt als sein Herr. Er verneigte sich tief, um seine Verlegenheit zu verbergen; dann entfernte er sich eiligst über die zum Hof hinab führende Treppe.
Aus seinem Komptoir trat Etwold in das Nebenzimmer, dessen Thüre durch das Wort „Kasse" ausgezeichnet war. Er sprach dort mit dem Kassirer wegen der zu leistenden Zahlungen für den Tag und begab sich dann in den hieran anstoßenden mehrfenstrigen Saal, in welchem viele junge Leute an Pulten emsig schrieben und rechneten. Der Kommerzienrath haßte nichts so sehr als Jemanden müßig zu sehen. Er begnügte sich auch nicht blos mit einem Umblick; er prüfte selbst, was gearbeitet wurde und ob die Rechnungen stimmten.
Heute war die Inspektion ausnahmsweise flüchtig; es drängte Etwold, zu seinem Kinde zu kommen und wenn er hier noch einen Augenblick verweilte, mußte er wohl einen sehr triftigen Grund dafür haben.
Beim nochmaligen Durchschreiten des Kassen- zimmers sagte er ganz flüchtig zu dem ebeu mit Rechnen beschäftigten Kassirer: „Also das Geld liegt auf meinem Tisch." Jener nickte stumm und rechnete weiter. Elwold aber ging durch sein Zimmer ohne Aufenthalt hinaus und warf die Außen- thür ins Schloß.
Da diese nur mit dem in seinem Besitze befind- lichen Schlüssel zu öffnen war, konnte nun Niemand anders in sein Privatkomptoir gelangen als durch die Kaffe. Der schallende Laut der zugeworfeneu Außenthür war aber den Büreaubeamten ein erlösendes Zeichen, und die Physiognomie der Arbeitszimmer war sofort eine andere, gemüthlichere.
Etwold ging unverzüglich zu seiner Tochter.
In ihrem kleinen Salon stieß er auf den Kommissar und auf Soltmann, denen eben der Sanitätsrath Edler, sein Hausarzt, das weitere Vordringen mit dem Bemerken wehrte, daß Fräulein Etwold zur Zeit und noch auf Tage hinaus ver- nehmungsunfähig sei.
Der Kommissär schien sich auch damit bescheiden zu wollen, aber Soltmann sagte: „Vielleicht, Herr Sanitätsrath, gestatten Sie mir doch nur eine einzige Frage an die Dame zu richten."
„Von meinem Standpunkte als Arzt nein", erwiderte Jener entschieden; „aber hier kommt ja der Vater, wenn er es dennoch will — ich lehne die Verantwortung für eine solche Interpellation einer schwer Kranken entschieden ab."
„Was denn, was denn?" fragte Etwold in ärgerlicher Stimmung.
Der Sanitätsrath erklärte mit wenigen Worten die Sachlage,
„Nun und —?" fragte der Kommerzienrath schroff.
Uneingeschüchtert sagte Soltmann, daß er dennoch wünschen müsse, eine einzige Frage an seine Tochter zu richten.
„Und ich untersage Ihnen fortan jede fernere Annäherung an dieselbe", erwiderte Etwold mit mühsam verhaltener Wuih. „Soll ich vielleicht das Leben meines einzigen Kindes Ihrer Neugier opfern? Auf den Ausspruch des Sanitätsraths Edler, dessen Name auch Ihnen nicht ganz unbekannt sein dürfte, verweigere ich Ihnen den Zutritt zu meiner Tochter. Wollen Sie Gewalt anwenden, so thun Sie es auf Ihre Gefahr; ich erkläre Ihnen aber sogleich, daß ich der Gewalt Gewalt entgegensetzen werde." Und damit stellte er sich vor die zu dem Schlafzimmer seiner Tochter führende Thür, zugleich den Sanität sruth zum Zeugen für alles Nachfolgende auf- rufer.d.
Soltmann zuckte die Achseln und wandle sich zum Fenster.
„Herr Kommerzienrath, ich muß doch sehr bitten", eisirle dagegen der Kommissär, „daß Sie uns unsere traurige Pflicht durch Ihre unmotivirte Ge- xiV. ,.-it nicht allzu sehr erschweren. Wir leiden mit Ihnen unirr dem Druck dieser ungewöhnlichen Verhältnisse ura üben jede nur erdenkliche Rücksicht. Oder was würden Sie erst sagen, wenn ich, wozu mich die Umstände wohl berechtigten, eine Haus- suchuna bei Ihnen anstellte? Aber wie gesagt, ich übe jede Stücksicht, und da darf ich wohl auch von Ihnen, einem gebildeten, besonnenen Mann, verlangen, daß Sie meinen Beamten unser gezwungenes Beisammensein nicht ganz unleidlich machen."
Bei dem Worte „Haussuchung" hatte sich Etwold jäh entfärbt, und auch jetzt noch zitterte seine Stimme als er sagie: „Ich bin erregt, und ich habe Ursache, es zu sein. In ein Verbrechen verwickelt, von dem ich nicht die allerentsernteste Kenntniß habe, muß ich es mir gefallen lassen, mich und die Meinen von dem Herrn Assessor selbst wie Verbrecher behandelt zu sehen. Oder was heißt es anders, wenn Sie meine Leute, wenn Sie meine Tochter verhören wollen und von Haussuchung reden? Bin ich denn nicht der Kommerzienrath Etwold, welcher in gewissen industriellen Angelegenheiten selbst das Vertrauen seines Monarchen genießt, nicht der Mann, dessen industrielle Schöpfungen als ein Segen des Landes gepriesen werden und dessen Name unbefleckt zurückreicht in die Zeit der ersten industriellen Schöpfungen unserer Stadt? Ich frage es nicht, denn was ich hier erfahre, ist eine Behandlung, die man meines Erachtens nur einem Unwürdigen zu Theil werden lassen kann, der selbst begründete Veranlassung 8it Zweifeln giebt."
„Wenn Sie das meinen", erwiderte der Kommissär gelassen, „so verkennen sie unsere Handlungsweise vollständig, und kann ich dies nur dem Umstande zuschreiben, daß Sie bisher mit polizeilichen, specisll mit eriminalpolizeilichen Recherchen verschont


