Ausgabe 
17.8.1886
 
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erwarten, daß er für diesen Schimpf Rache nehmen will."

Er wird nicht so thöricht sein, seine ganze Existenz zu gefährden", erwiderte der Referendar, der sich, wie es schien, nicht belehren lassen wollte. Wenn er auf der andern Seite auch über die Niederlage seines Vorgesetzten triumphiren mag! Und was die Aussagen des rothen Fritz betrifft, so sind sie doch nicht so ganz werthlos; man muß eben nur verstehen, sie in richtiger Weise zu benutzen." Sie wollen nicht auf meine Warnung hören, so muß denn eigene Erfahrung Sie belehren", sagte der Oberst, indem er grüßend an seinen Hut griff. Ein alter, hochgeachteter Beamter sollte vor bos­haften Verleumdungen und Verdächtigungen geschützt sein. Bedenken Sie das, mein Freund, und nun adieu!"

Betroffen blickte der Referendar ihm nach.

Er setzte sich wieder auf den Baumstamm und schaute sinnend vor sich hin. Dann und wann dröhnten die Axthiebe der Holzfäller durch den Wald; er achtete nicht darauf, seine Gedanken waren in diesem Augenblicke, mit den Worten, die der Oberst gesagt hatte, allzusehr beschäftigt.

Er mußte lange auf den Förster warten, und schon war er im Begriff den Heimweg wieder anzu­treten, als Hellmuth erschien.

Warten Sie auf mich?" fragte der Förster, dessen fieberhafte Aufregung dem scharf beobachtenden Blick des Referendars nicht entgehen konnte.

Schon seit einer Stunde", erwiderte Rommel ungeduldig.Sie sagten mir, ich könne Sie immer hier finden."

Ich habe Abhaltung gehabt. Was wünschen Sie von mir?"

Wir sprachen vor einigen Tagen über räthsel- hafte Aeußerungcn des rothen Fritz; Sie wollten weiter nachforschen."

Ich habe noch kein Resultat erzielen können", unterbrach Hellmuth den jungen Mann und zwischen seinen finster zusammengezogenen Brauen zeigte sich eine drohende Falte.Keller weicht mir aus, trotz­dem er seiner Sache ganz sicher zu sein scheint. Aber ich bringe es heraus, wenn Sie nur noch einige Tage sich gedulden wollen; ich habe Ent­deckungen gemacht, mit denen ich ihm die Zunge lösen kann."

Entdeckungen, die mir als Beweise gegen ihn dienen können?" fragte der Referendar erwartungsvoll.

Vielleicht! Ich kann Ihnen jetzt noch Nichts weiter sagen; diese Waffe darf ich nicht aus den Händen geben, wenn ich das, was wir Beide wünschen, erreichen will!"

Sie können mir wenigstens sagen, welcher Art diese Entdeckungen sind und worauf sie sich beziehen", sagte Rommel.

Jetzt noch nicht. Sie kennen die Verschlagen­heit dieses Burschen nicht; ihm gegenüber muß man sehr vorsichtig sein; alle Mühe wäre umsonst, wenn er gewarnt würde. Auf den Wirth Fahne hat der

rothe Fritz glühenden Haß geworfen. Er'betrachtet ihn als den Urheber seines Unglücks; der Wirth sollte klüger sein und sich um diesen Mann nicht kümmern."

Und worauf gründet sich dieser Haß?"

Der Bursche behauptet, Fahne hetze die Ge­meinde gegen ihn auf; er vermuthet ferner, daß der Wirth auch Ihnen Aufschlüsse über frühere Ereig­nisse gemacht hat."

Die Vermuthung ist unbegründet."

Mag sein, aber Sie werden den Vagabunden davon nicht überzeugen können; sein Mißtrauen, sein Haß und sein Rachedurst wurzeln zu tief."

Um so eher müßte man Sorge tragen, daß der Bursche unschädlich gemacht würde", sagte der Referendar kopfschüttelnd.Und wenn Ihre Ent­deckungen zu einer Verhaftung berechtigen, so sehe ich nicht ein, weshalb sie noch hinausgeschoben werden soll."

Der Förster blickte, auf seine Büchse gestützt, finster vor sich hin. Der Ausdruck seines Gesichts verrieth, daß in seinem Innern Leidenschaften ent­fesselt waren, die er gewaltsam bekämpfte, um nicht zu verrathen, wie sehr er von ihnen beherrscht wurde.

Ich habe wahrlich keine Ursache, irgend welche Rücksicht auf den Wirth zu nehmen", erwiderte er nach einer Pause, und die Gluth des Zornes loderte dabei jäh in seinen tückischen Augen auf;dennoch würde ich es thun, wenn ich nicht befürchten müßte, unsere eigenen Pläne zu durchkreuzen. Gönnen Sie mir noch einige Tage. Gelingt es mir, den rothen Fritz zu Erklärungen zu zwingen, so kann nachher die Verhaftung immer noch erfolgen und Ihnen wird durch diese Eröffnung die Untersuchung wesent­lich erleichtert."

Der Referendar konnte gegen die Gründe Nichts einwenden, so schwer es ihm auch fiel, seiner Unge­duld zu gebieten. War der Förster seiner Sache sicher, wie es in der Thal der Fall zu sein schien, dann gebot die Klugheit, Nichts zu übereilen und die wenigen Tage noch zu warten.

Er versuchte freilich noch einmal, sich über die gemachten Entdeckungen einigen Aufschluß zu ver- schaffen, aber Hellmuth wich mit allen verfänglichen Fragen geschickt aus, und der Referendar mußte end­lich unverrichteter Dinge den Heimweg antreten.

13. Capitel.

Ein Attentat.

Das Wetter hatte sich plötzlich geändert, liebet Nacht war Schnee gefallen; es schneite den ganzen Tag hindurch, und ein eisiger Wind peitsche die dichten Flocken gegen die Fenster des Zimmers, in dem die Damen nach der Mittagstafel ihr Plauder­stündchen hielten.

Der Referendar war eben eingetreten. Kopf­schüttelnd blickte er in das Schneegestöber hinaus, das sobald kein Ende nehmen zu wollen schien.

Ich glaube, es ist das Beste, wenn wir bet