Ausgabe 
17.8.1886
 
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Weßener Jamilienblätter.

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9?r. 96. Dienstag den 17, August. 1886.

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Saat und Ernte.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Aber darf ich den alten Mann hier allein lasien? Kann er nicht fordern, daß ich ihm eine Stütze fei?"

Er wird nicht allein sein", erwiderte der Oberst ruhig.Ihre Frau Schwester hat längst gewünscht, daß er seinen Abschied nehmen und zu ihnen in den Weißen Hirsch" ziehen möge; vielleicht wird er nun diesem Wunsche nachkommen, und dann ist er gut ; aufgehoben. Und noch Eins, mein junger Freund, J Sie werden mit Schwester und Schwager über s meinen Vorschlag berathen wollen; bitte, thun Sie - es nicht in Gegenwart der fremden Damen; sie \ dürfen nicht erfahren, daß ich noch in der Nähe s bin. So, nun will ich Sie nicht länger aufhalten", i fuhr er fort, indem er seinem Begleiter die Hand ! reichte.Sollten Sie mir Etwas zu sagen haben, ' so finden Sie mich imEber".

Hans trat den Rückweg zum Försterhause an. ! Der Oberst setzte seinen Weg fort und sah sich nach I kurzer Wanderung dem Referendar gegenüber, der am Wege auf einem Baumstamm saß und Jemanden < zu erwarten schien. i

Ich glaubte, Sie seien längst in denEber"] zurückgekehrt", sagte Rommel, sich erhebend.

Sie kommen doch nicht wegen des Handschuhs?" fragte der Oberst.

Nein, nein! Madame Ackermann hat diesen ! Verlust bereits verschmerzt; sie glaubte, der Wind habe das dünne Leder fortgeweht."

Und was führt Sie nun hierher?"

Ich warte auf den Förster; er sagte mir, in ; der Nähe der Holzhauer sei er immer zu finden." -

Was wollen Sie von ihm?"

Hm! Ihnen kann ich es wohl sagen: Der rothe i Fritz hat ihm gegenüber räthselhaste Andeutungen j fallen lassen; der alte Oberförster soll in die damaligen ; Ereignisse verwickelt sein. Der Vagabund sprach ; von dem Verschwinden einer Leiche"

Und diesem Unsinn schenken Sie Glauben?" . unterbrach der Oberst ihn vorwurfsvoll.

Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode; jedenfalls muß man der Sache auf den Grund gehen." j

Sie werden sich unnütze Mühe machen und anderen - Personen Unannehmlichkeiten bereiten. Ich habe den Vagabund vorhin kennen gelernt; er weiß, weshalb

Sie hier sind, und spottet über Ihre Nachforschungen. In seinem Auftrag soll ich Ihnen sagen, er lasse sich das nicht lange mehr gefallen; die Sache müsse ein Ende nehmen, so oder so, er wolle Ruhe haben!"

Er will mir drohen?" fuhr der Referendar auf.

Befremdet Sie das? Es kann ihm doch wahr­lich nicht angenehm sein, daß er hier auf Schritt und Tritt beobachtet wird"

Das hat er selbst sich zuzuschreiben; weshalb macht er uns die Eröffnungen nicht, die wir von ihm fordern?"

Weil er es nicht kann! Er soll in Ereignisse verwickelt sein, die hier vor zehn Jahren sich zuge­tragen haben, und trotzdem jene Ereignisse so klar wie das Sonnenlicht sind, werden sie dieses Burschen wegen zu einem dunklen Näthsel gestempelt. Man will ihm ein Verbrechen aufbürden, das wahrschein­lich gar nicht verübt worden ist, und ich kann es ihm nicht verdenken, wenn er dadurch zum Aeußersten gereizt wird. Jetzt versucht er es, Sie auf eine falsche Fährte zu bringen; nur zu diesem Zweck verdächtigt er den Oberförster. Ec würde triumphiren, wenn Sie die Spur verfolgten."

Glauben Sie das wirklich?" fragte der Referendar nachdenklich.Freilich, hoher Sinn liegt oft im kind'schen Spiel, und> es wäre immerhin möglich, daß die ganze Sache nur auf eine Ver­leumdung hinausliefe. Aber so ganz schuldlos, wie Sie ihn hinstellen wollen, kann er auch nicht sein, und ich bin nun einmal hier, um mir darüber Auf­schluß zu verschaffen."

Sie würden also der Verleumdung Gehör schenken und auf die Aussagen eines solchen Menschen hin die Untersuchung gegen den Oberförster er­öffnen?"

Nicht doch, aber ich würde diese Aussagen prüfen und zu ermitteln suchen, wie viel Wahrheit sie enthalten."

Und zu diesem Zwecke wollen Sie mit dem Vagabunden in Unterhandlung treten?"

"Nicht mit ihm, sondern mit dem Förster"

Vergessen Sie nicht, daß dieser Förster keine freundlichen Gesinnungen gegen die Familie seines Vorgesetzten hegt. Ec könnte den rothen Fritz als Werkzeug für seine eigenen unlauteren Pläne be­nutzen."

Förster Hellmuth ist königlicher Beamter!"

Was beweist das! Er ist ein jähzorniger, leiden­schaftlicher Mensch. Der Schwiegersohn des Ober­försters hat ihm das Haus verboten; man darf wohl