Ausgabe 
17.4.1886
 
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Frau Marek.

Druck und «erlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Meßen.

^tzdactivn; A. Scheyda.

So zog Anton denn guten Muthes gen Prag und schämte sich nicht mit zwanzig Jahren noch em« mal von vorn anzufangen und bei einem tuchtlgrn Meister in die Lehre zu treten, um sich praktisch au richtiger Baumeister für den hohen Beruf, der chm seit seinen ersten Knabenjahren vorgeschwebt, vorzu­bereiten. Nach den zwei Lehrjahren, m denen er zum Erstaunen des Meisters mehr leistete als manche Geselle, ging er nach Wien und trat, um sich nun im Zeichnen auszubilden, in eine der großen Bau- kanzeleien als Hülfsarbeiter ein und schon^ nach wenigen Wochen zeigte sich sein eminentes valent für das Baufach, indem er im Plan- und Ornameni- zeichnen ganz hervorragende Leistungen bot. Man machte ihm glänzende Anträge und wollte ihn m Wien festhalten, aber Anton schlug Alles aus; mcht Professor der Zeichenkunst, nein, em ausübender Meister der Baukunst wollte er werden. Und des­halb sagte er schon nach zwei Jahren der schonen Kaisterstadt Lebewohl und steuerte nach dem Lande seiner Sehnsucht, der hohen Schule der Baukunst, a$<5o lange seine Ersparnisse reichten, besuchte i Anton die großen Städte dieses Landes und studirte an den großartigen Denkmälern der ArchrtUtur, dann aber ließ er sich in Bologna als Kerzen- und Brückenbaumeister nieder. Nun kamen dre Empfeh­lungen des viel vermögenden Priors zu statten, denn einen begehrteren Anfänger mag's mcht reicht ge­geben haben, bis später jene Empfehlungen nicht mehr nöthig waren und Anton durch seine Leistungen ein berühmter Meister wurde. Der Künstlerberuf des Signor Antonio Marezzani, wie Anton m Italien genannt wurde, war befestigt, der Knaben- und Jünglingstraum Anton Marek's zur Wirklichkeit ge­worden! In seiner Heimath wußten nur die Bat er int Kloster, seine Mutter, sowie die reizende Christenze, des Schullehrers Tochter, von semen Er­folgen, und eines Tages, sechs Jahre nach Antons beschleunigter Abreise, war besagtes junge Mädchen verschwunden man sagte, reich ausgestattet und mit dem besten Segen der Klostergeistlich^ell und der

nur als die Eisenbahn, welche die Regierung am jenseitigen Flußufer gebaut, in Betrieb gesetzt worden rüttelte doch der Zeitgeist an dem alten Zopf,

erreichen konnten. ,

Es fehlt uns die Verbindung, wir müssen eme Brücke bauen, dann läßt uns auch me Regie ui g ein Stationsgebäude aufrichten, und wir könne mit allen anderen Städten aufnehmen, meinte der Bürgermeister. .

Ja, ja, eine Brücke", sagte die Bürgerschaft,eme feste flache Bohlenbrücke, die hat uns «och gefehlt und Zimmermeister Lubin mag sich nur bald an Werk machen." .

Was, eine flache Bohlenbrücke wollen bie Bürger über unseren schönen Strom schla-er u unter unseren Augen, oatz geht nicht an , f Se. Hochwürden, der Prior, als ihm diese neueste Neuigkeit hinterbracht wurde,da müssen wir felbs lieber ein Uebriges thun, um eine bessere Brücke zu ^unb der Bürgermeister erhielt eine Einladung vom Prior und der geistliche Herr sagte wohlwollend .

Mein lieber Bürgermeister, was schmieden Sie für Pläne? Eine Bohlenbrücke wollen Sie über unseren herrlichen Strom bauen lassen? Eme solche Brücke erfüllt ihren Zweck für den heutigen Verkehr ^t^n, eine großartige steinerne Brücke mit drei mächtigen Bogen müssen wir bauen. Das Kloster will vier fünftel der Kosten, nach Befinden auch mehr tragen und einen Baumeister aus Italien kommen lassen, also abgemacht!"

Und abgemacht war«, denn unter diesen Le dingungen ließ man sich die großartige Bogendrücke und auch den italienischen Baumeister schon m der Stadt H. gefallen.

Gleich nach Ostern sollte der Bau begrünen und alle Welt im Städtchen sprach davon, nur nicht Wenzel Marek. Dieser starrköpfige ersenfeste Mann hatte sich merkwürdig verändert und seme treue Lebensgefährtin sah mit, Kummer, wie ihr Galle immer mehr verfiel. Sie kannte auch den Wurm, der "an feinem Innern nagte - es war Bte allmählig erwachte Sehnsucht nach dem verstoßenen Sohne, und der Aerger, der entsetzliche Aerger, den ihm sein undankbarer Neffe, der Rainer, den er ins Haus genommen hatte, bereitete.

(Fortsetzung folgt).

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nicht verschließen, daß es keine Ehre sur sie sei, daß das Nachbarstädtchen X- eine Eisenbahnstation be­kommen, 'während sie eine solche nur auf Umwegen

schlossen sei, die Heimath nur als gereifter Mann und als Künstler im Baufach, nur wenn er das sich gesteckte Ziel erreicht haben würde, wieder zu be­treten. Und dann hatte er noch um eine laufende Unterstützung für die nächsten zwei Jahre ersucht, welche feine^Mutter mit Freuden dem Pater ver- oütm würde und versprochen, von seinem jeweiligen

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Und die Antwort kam sehr bald in Gestalt von vielen väterlichen Ermahnungen von Seiten des Vaters. Bald erhielt Anton von der Mutter auch seine Kleider und eine ansehnliche Summe Geld und Seine Hochwürden, der Herr Prior, verhieß ihm die besten Empfehlungen, sobald er deren bedussen

Im Städtchen selbst hatte sich wenig verändert - Aar hatte sich Bürgermeisters Anna, die der alte Marek für seinen Anton auserlesen, an emen e Anderen verheirathet, sonst aber ging Wes feinen , SM» ÄÄ L