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„Und als er es fort trug, wie trug er es?" „Zusammengeschnürt."
„Und Sie bemerkten gar nichts Auffälliges an ihm, als er mit Ihnen zur Bahn ging?"
„Nichts. Warum?"
„Weil in jener Ballnacht", erwiderte Soltmann lauernd, „die rsthe Maske ermordet wurde und Herr Eduard Etwold im Verdacht steht, diese That- begangen zu haben."
„Eduard?" stammelte Hedwig schreckensbleich.
„Nicht möglich!"
„Ihre eigenen Aussagen bestätigen es."
„Ach schändlich, schändlich! Man hat mich in eine Falle gelockt."
„Sie können von dem Nichts zurücknehmen, was Sie aussagten. Aber ich will Ihnen den Beweis geben, daß wir uns schwerlich irren. Das von Herrn Eduard getragene Kostüm wurde mit dem Domino und der Maske des Ermordeten zusammengeschnürt aus dem Fluß gezogen. Außerdem wurde der Fremde beraubt."
„Vergeffen Sie nicht die Uhr, die in der Matratze des rothen Matthies gefunden wurde. Das stand ja Alles in der Zeitung."
„Bah! ein ganz gewöhnlicher Kniff, um einen Unschuldigen zu verdächtigen. Das Geld des Ermordeten hat einen andern Weg genommen. Herr Eduard vcrthut mit seinen Freunden mehr Geld, als sein Vater ihm bewilligt, und so vereinigten sich Rache und Habgier, um ihn zu einem scheußlichen Verbrechen, dem Mord im Dunkeln, zu reizen." „_,r Hedwig stand einen Augenblick wie vernichtet.
„Und es ist doch nicht wahr!" rief sie dann.
„Eduard ist unschuldig."
„Das wird die Untersuchung ergeben."
Soltmann verabschiedete sich kurz und ging, um einen Verhaftungsbefehl für Eduard zu erwirken und damit selbst nach M. zu reisen.
Aber schneller als er war Hedwig zur Rettung ihres bedrohten Geliebten bereit. Selbst konnte sie nicht fort, denn sie durfte am Abend im Theater nicht fehlen; aber telegraphiren konnte sie an Eduards Privatadreffe.
Rasch warf sie etwas um und eilte zum Telegraphenamt. Unterwegs erst überlegte sie, was sie telegraphiren könne, um nicht den Verdacht der Beamten zu erwecken. Da war nun guter Rath theuer. In wenigen Worten Eduard von der Sachlage zu verständigen, war sehr schwer. Das Telegramm konnte dann nicht unbeanstandet bleiben.
Sinnend blieb Hedwig von Zeit zu Zeit stehen. Die Angst drängte sie zur höchsten Eile und doch hielt die Vernunft immer wieder ihren hastenden Schritt an und sagte: „Warte, Du verdirbst Alles, wenn Du nicht überlegst." Es waren Augenblicke tiefster Verzweiflung, welche sie da durchlebte.
Plötzlich legte sich eine Hand leicht auf ihre Schulter. Sie wgndte sich erschreckt um. Mer ihre
Angst schien auf einmal gewichen, als sie in der ihr Nachgeeilten ihre Freundin Ida Edler erkannte.
Die Begrüßung war beiderseits eine sehr lebhafte und herzliche, und mit dem scharfen Auge der Liebe erkannte Ida sofort, daß ihre Freundin von einem schweren Kummer bedrückt werde. Schon ihre erste Frage, wohin Hedwig gehr, fand eine ausweichende Antwort; und als sie sich jener anschloß, steigerte sich Hedwig's Unruhe zur stillen Verzweiflung.
Ida bedrängte sie um eine Erklärung. Und endlich, nach vielem Zureden, führte Hedwig sie in einen stillen Thorweg, wo sie ihr unter Thränen alles Vorgefallene gestand, und ihr auch ihre gegenwärtige Verlegenheit verrieth.
(Fortsetzung folgt.)
Mergkocken.
Erzählung von E. Kraus.
(Fortsetzung.)
Oben auf der Balustrade des Klostergarsens ergingen sich zwei der dienenden Brüder; sie besprachm das morgende Fest, den Umzug der hohen Geismch- keit und das große Gastmahl, das der Prior naa) dem Hauptgottesdienst geben würde.
Plötzlich blieb der Bruder Kellermeister stehen, deutete hinunter auf den Strom und sagte:
„Sieh doch lieber Bruder, der Fährmann bindet sein Boot noch einmal los, wer will denn zu dieser Stunde noch übergesetzt sein?"
„Bei unserm Schutzpatron", antwortete der Bruder Pförtner, nachdem auch er scharf hinunter geschaut, „das ist ja der Anton Marek - und ime verstört sieht er aus und ist ohne warme Kleidung! Sollte sein Vater, der alte Hitzkopf, ihn zur späten, eiligen Reise veranlaßt haben? Hm, hm, närrische Welt! Was man nicht alles erlebt! Thut mir recht leid der junge Mann, ein so gutes, junges Blut, und ohne Mantel bei dieser unbeständigen Jahres-
!"
„Na, wollen es nur gleich dem Pater Eusebius melden, lieber Bruder", meinte sein Gefährte.
Es war wirklich Anton Marek gewesen, den der Fährmann noch so spät übersetzen mußte; jetzt ging er am andern Ufer die Nacht hindurch, bis er am nächsten Morgen die Stadt L. erreichte und dort in die Behausung einer befreundeten Familie trat.
Zwar mit Staunen, aber doch gern aufgenommen, blieb er so lange dort, bis die Antwort auf ein langes Schreiben, welches er sofort an den Pater Eusebius, der übrigens ein naher Verwandter seiner Mutter war, richtete, eingetroffen war.
Anton hatte dem würdigen Mrnne den Vorfall im elterlichen Hause genau berichtet, aber auch gebeten, sein? Sühne zu versuchen, indem er fest ent'


