keinen so großen Werth, wie Sie glauben mögen. Wenn Sie wissen wollen, wer Herrn Etwold zu Extravaganzen verleitet und seine Börse leert, dann fragen Sie nur bei dem Herrn Baron Dryden und solchen Leuten an, mit denen Eduard, sehr zu meinem Leidwesen, intimen Umgang pflegt/'
„Baron von Dryden", sagte Soltmann sich den Namen notirend. „Und der Andere?"
„Ich nannte Niemanden sonst; es wäre denn der junge Prokurist seines Vaters, der falsche Duprat, welcher ihn, den rechtmäßigen Inhaber seiner ursurpirten Ehren, aus Haus und Herz seines Vaters verdrängt hat.
„Dieser Duprat!" sagte Soltmann sich den Nanien notirend. „Ist er denn wirklich ein so schlechter Charakter wie man sagt?"
„Ich kann nur sagen, ich halte ihn dafür. Daß Andere ebenso denken, bestätigt meine Meinung."
„Und wie ist er bei seiner Jugend zu einer so einflußreichen Stellung gekommen?"
„Durch Kriecherei und Schmeichelei — wie eben Menschen, die selber nichts sind — groß werden. Eduard verachtet diesen Heuchler und Verleumder, und mit Recht."
„Mancher Mensch wird auch angefeindet, weil er Verdienste hat und das erhebende Bewußtsein in sich trägt, etwas mehr zu sein, als seine Nebenmenschen. Und wo ist der Baron zu finden?"
„Ueberall und nirgends. Ich glaube, nicht einmal Eduard weiß, wo er wohnt."
„Jedenfalls doch in der Residenz?"
„Ja gewiß."
Soltmann notirte: „Einwohnermeldeamt."
„Und nun noch ein Wort von dem Maskenball!" wandte er sich wieder an Hedwig. „Sie entsinnen sich der Vorgänge auf demselben ganz genau?"
„Ja!"
„Woher denn hatte Herr Etwold die verwendeten Kostüme? Er ging als Polin, Sie als schmucker Jäger. Oder haben Sie die besorgt?"
„Ich nur meines. Das Seinige brachte er mit, jedenfalls aus der Maskengarderobe."
„Deren haben wir hier einige Tausend. Also welcher Maskengarderobe hatte Ihr Bräutigam das Kostüm entlehnt?"
„Das — weiß ich nicht."
„Wie? Sie hätten ihn nicht darnach gefragt?
Das thut doch sonst wohl ein junges Mächen."
„Ich that es doch nicht und mißbilligte überhaupt den ganzen Plan zu einem heimlichen Beisammensein in seines Vaters Haus."
„Ja, was hatte das denn eigentlich für einen Zweck, da Sie sich hier und an anderem Orte doch Ziel ungenirter bewegen und sprechen konnten?"
„O, Nichts weiter, als daß ich einmal seines Vaters Haus und seinen Vater selbst sehen sollte, denn dieser bewegte sich unmaskirt unter seinen Gästen. Ich hatte ja sonst keine Gelegenheit und keine Aussicht dazu."
„Ein annehmbarer Vorwand. Nun aber sagen
Sie mir doch — entsinnen Sie sich vielleicht, auf dem Balle mehrfach einem schwarzen Domino mit rothseidener Maske begegnet zu sein?"
„Ja, ich entsinne mich ganz genau, eine solche Maske gesehen zu haben."
„Wie so das? Begegnete Ihnen die Maske öfter?"
„Nein, nur einmal. Und da schien ich von rhr verkannt zu werden. Die Maske — natürlich ein Herr — führte mich, die ich nur zögernd folgte, nach dem Wintergarten des Eiwold'schen Hauses —"
„Dem Wintergarten, ha! Weiter!"
„Sie haben meinen Brief erhalten?" redete mich der Fremde an."
„Ich verneinte nach Maskenart pantomimisch."
„Wozu das Spiel noch weiter treiben", entgegnete der Andere schroff. „Ich erkenne Sie trotz Ihrer Verkleidung und trotzdem Sie in Ihrem Briese dieselbe nicht bezeichneten, sondern nur verlangten, ich sollte in diesem bestimmten Kostüm erscheinen. Wollten Sie mich in eine Falle locken, so sehen Sie sich vor — ich laste mich nicht beseitigen."
„Der Mann packte mich hier roh am Handgelenk, so daß ich einen lauten Schrei ausstieß. Eduard, vielleicht von Eifersucht gefoltert, hatte heimlich unser Beisammensein belauscht. Er sprang jetzt herzu, um dem Fremden die Maske vom Gestcht zu reißen. Dieser aber griff mit der Linken nach der Maske und mit der Rechten nach einem Dolch, den er unter dem Domino verborgen gehalten. Ich riß Eduard zurück. Er wollte sich trotzdem in einen Kampf mit dem Bewaffneten engagiren, und erst meine Erinnerung daran, daß wir jedes Aufsehen vermeiden müßten, brachte ihn zur Beiinnung. „Wir treffen uns schon noch ein andermal, rother Teufel!" rief er Jenem zu. Da aber zog ich ihn fort."
„Und die rothe Maske?"
„Stieß ein heiseres Lachen aus."
„Sonst aber sagte sie Nichts?"
„Nichts."
„Und dann?"
„Bald nachher verließen wir den Maskenball."
„Und als Sie hier Ihre Kleider gewechselt hatten?"
„Begab sich Eduard nach seinem Hotel."
„Welches war das?" „Ich weiß es nicht." „Sie begleiteten ihn nicht?" „Nein."
„Und er nahm sein Kostüm mit?"
„Ja, um es in der Frühe des nächsten Tages wieder abzuliefern."
„Sagte er Das?"
„Nein, ich vermuthete es nur."
„Wann reiste er?"
„Am Mittag des nächsten Tages. Ich begleitete ihn zur Bahn."
„Da hatte er das Kostüm nicht mehr?" „Nein."


