Ausgabe 
16.12.1886
 
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leichter zu reguliren, kann jeden Augenblick ange­zündet werden, und es steht dem Besttzer frei, wenn er will, auch die Wärme der Verbrennungsproducte durch Leitung nutzbar zu machen, indem er ein eisernes Abzugsrohr anbringt.

4. Kleine eiserne Oesen. Soll ein kleiner eiserner Ofen das Zimmer genügend erwärmen, so muß er ziemlich heiß gehalten werden; infolge besten strahlt er ziemlich stark. Zugleich aber giebt er durch Be­rührung eine Menge Wärme an die ihn umspielende Luft ab. Bei kleinen eisernen Oefen ist daher die Leitung etwa gleich stark mit der Strahlung ent­wickelt, und man sollte sagen, sie müßten deshalb gute Heizwerkzeuge sein, die gleichmäßig auf Luft und Wände wirken. Man findet aber, daß die meisten Menschen ste nicht lieben; das liegt daran, daß sie eben ihrer Kleinheit wegen schnell heiß und schnell kalt werden, also die Neigung haben, unregel­mäßig zu arbeiten. Bald sind sie zu heiß, bald nicht heiß genug.

5. Große eiserne Oefen und kleine Kachelöfen arbeiten gleichmäßiger.

6. Große Kachelöfen am gleichmäßigsten von allen Holzapparaten, denn je größer der Ofen und je schlechter fein Material die Wärme leitet, desto iangsamer ändert sich seine Temperatur. Zugleich giebt ein großer Ofen bei gegebener Temperatur mehr Wärme ab als ein kleiner, der erstere braucht also nicht so hoch erhitzt zu werdm wie der letztere; der Kachelofen wird nie so heiß wie der eiserne, und in Folge besten ist auch die Verthetlung der Wärme im Zimmer gleichmäßiger; nähert man sich einem eisernen Ofen, so empfindet man stark feine directe Einwirkung; beim Kachelofen ist das nicht der Fall. Der letztere wärmt am meisten durch Leiiung die Lust des Zimmers; er ist daher nicht geeignet, einen kalten Raum schnell warm und wohn- sich zu machen, und die richtige Art seiner Benutzung bei recht kaltem Wetter besteht darin, daß man ihn überhaupt nicht kalt werden läßt bas haben unsere Schweizer, Schwanwälder und norddeutschen Bauern auch längst herausgefunden.

7. Luftheizung. In einer untern Räumlichkeit des Hauses wird die Luft durch einen Ofen erwärmt und dann durch Canäle in die Wohnräume geleitet. Die Heizung geschieht demnach ausschließlich durch Leitung, trifft direct nicht die Wände, sondern nur die Luft der Zimmer; man muß im Anfang sehr stark Hetzen, wenn man eine kalte Stube anwärmen will, da die Wände der Luft nur langsam ihre Wärme entnehmen. Die Luft wird dann leicht etwas dumpfig. Die Vortheile sind leichte Regulirbarkeit und Gleichmäßigkeit der Wärmezufuhr; ein Nach­theil ist, daß die warme Luft in die Höhe steigt und die Erwärmung deshalb nur von oben nach unten vor sich geht; der Kopf eines Menschen wird bei Luftheizung immer b-.ster gewärmt als ferne Füße, bekanntlich kein vottheilhaftes Verhältniß.

Man sieht aus der Aufzählung, daß man die

Apparate ebensowohl in schnell und langsam heizende wie in strahlende und durch Leitung wärmende nn- theilen könnte; diejenigen, bei denen eine kleine Maste von sehr hoher Temperatur die Wärme liefert, wirken schnell, und bei ihnen spielt die Strahlung eine wesentliche Rolle; diejenigen, bei denen eme große Maste von nicht sehr hoher Temperatur als Quelle dient, wirken langsam und mehr durch Leitung. Die der ersten Art haben nothwendig die Ergenscyaft, daß ein Mensch, der in ihrr Nähe kommt, ihre Wirkung viel stärker empfindet, als wenn er sich m einiger Entfernung von ihnen aufhält. Volle G-eech- Mäßigkeit der Zimmertemperatur und schnelle Her­stellung derselben können also mit einem einigen Heizapparat überhaupt nicht erreicht werden. Eme allen Ansprüchen bei strenger Winterkalte ge­nügende Zimmerheizung muß also durch einen Compromiß zwischen den verschiedenen Methoden zu

Stande kommen.

Das bequemste und leistungsfähigste, freilich nicht gcrads billige Verfahren dürfte eine Verbindung von Luftheizung" 'mit Siemens'schem Gasherd liefern; das oanze Haus wird durch Luftheizung leicht er- wärmt und der Temperatur im Zimmer durch einen Siemensschen Herd nachgeholfen, bis sie die er­wünschte Höhe hat. Da beide Apparate leicht zu reguliren sind, kann man jeden erforderlichen Grad von Luft- und Wand-Erwärmung Herstellen.

Darnach halte ich für den besten Heizapparat einen guten großen Kachelofen, der die Temperatur des Zimmers überhaupt auch Nachts nicht so­weit sinken läßt, daß die Wände sich in unange­nehmem Grade abkühlen.

Hierauf folgt der Siemenssche Gasherd allein oder ein guter großer Herd mit bouches st chaleur.

Dann kommen kleinere Kachelöfen und eiserne Oefen mit ziemlich großer Rohrleitung; zuletzt folgen kleine eiserne Oefchen und zu allerletzt kleine Kamme. Auch die transportabeln Oefen amerikanischen Ur­sprungs, die im Zimmer umhergefahren werden können, muffen für ein irgend kaltes Klima als schlecht bezeichnet werden; denn h'be Heizung ist schlecht, deren Wirksamkeit von der unmittelbaren Nachbarschaft des Ofens abhängt. Zugleich verderben diese Oefen die Luft, anstatt sie zu reinigen.

Bloße Luftheizung ist für Wohnräume nicht zu empfehlen, schon weil sie meist übertrieben werden muß/wenn die Wände nicht kalt bleiben sollen. Selbstverständlich ist, daß jede Luftheizung schädlich wirkt, wenn sie schlechte Luft ins Zimmer führt; es ist Sache des Baumeisters, dafür zu sorgen, daß dis einaesogene Luft nicht aus Kellern und Über Straßen- rinnen, sondern aus dem freien Luftraum m der > Höhe entnommen wird.

Redaktion: A.U-Yda. - Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.