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sauberen Gattin geflohen war. Ein Verbrechen ist nicht angenommen worden, auch kein Selbstmord, — nur ein unglücklicher Zufall, — ein Jahr später war die Hochzeit der jungen Wittwe mit jenem angeblichen Grafen — und bald darauf ihr Tod, ebenfalls ein unglücklicher Zufall — wer vermag die Glieder dieser unheimlichen Ketten zusammenzufügen?"
„Es ist grauenhaft", murmelte Felix, „und dieser Mensch ist der irdischen Vergeltung entrückt."
„Ich kannte vor achtzehn Jahre einen schwedischen Grafen Altorf" bemerkte KatLra, „derselbe war indessen ein Ehrenmann —"
Der Staatsanwalt lächelte geringschätzig,
„Diesen Namen beanspruchen Alle, mein Herr! — Er jagt mir stets ein gelindes Grauen ein, — in der sogenannten Gesellschaft gilt nur die Folie, — wer reich, in angesehener Stellung und dazu Cavalier ist, darf heimlich sich Alles erlauben, sobald er nur das Decorum aufrecht hält. Es werden Tausende für Ehrenmänner gehalten und als solche pomphaft begraben, welche Galgen und Rad verdient hätten. — Uebrigens kann unser Graf Altorf ja auch ein Verwandter des Ihrigen sein oder hat sich, was ich noch eher glaube, Rang und Ramm usurpirt."
Der Pole richtete sich kerzengrade auf und blickte den Staatsanwalt überrascht an.
„Das könnte möglich fein, sehr möglich!" rief er, Lief und schwer athmend. „Ich kannte einen Mann, es war der Dämon meines Lebens, — welcher jenem schwedischen Grafen auffällig ähnlich sah, — o, wenn das wäre, — dann allerdings hätten wir einen Faden, welcher uns zum Ziele leiten könnte, — denn dieser Mensch hat sich verschiedener Verbrechen halber nach Europa geflüchtet und ist die Ursache unserer Heimkehr."
(Fortsetzung folgt)
Ueöer SLuöenheizung.
(Schluß).
Wir wollen nun einmal die gebräuchlichsten Heizvorrichtungen von den hier entwickelten Gesichts- punkten aus betrachten. Dabei ist der allgemeine Satz voranzuschickcn, daß eine Wärmequelle um so stärker strahlt, je heißer ihre Theile sind, eine Thatsache, die einem jeden aus der täglichen Erfahrung geläufig ist.
1. Offenes Herdfeuer, welches direct (ohne eisernes Abzugsrohr) in den Kamin hinein brennt. Die Luft, welche mit dem Feuer in Berührung kommt, wird ziemlich vollständig durch den Luftzug in den Kamin hineingesogen; geleitete Wärme kommt also so gut wie gar nicht in das Zimmer, sondern verschwindet unbenutzt durch den Schornstein. Die Flamme und die Kohlen sind aber sehr heiß und es wird deshalb ein namhafter Betrag von Wärme ausgestrahlt. Diese erwärmt direct die Zimmer
wände und die etwa umhersitzenden Menschen. Sind nach länger« Brennen des Feuers die Wände gut angewärmt, so kann der Temperaturzustand recht behaglich sein; dazu ist aber unbedingt erforderlich, daß das Zimmer gut geschlossen und nicht zu groß, der Herd dagegen ziemlich umfangreich sei, so daß das Feuer eine große Strahlungsfläche hat. Dann kann man erst sämmtliche Wände gut anwärmen lassen und hierauf einen Ofenschirm ansetzen; dieser hält einerseits die zu starke Wärmestrahlung vom Menschen ab und andererseits erwärmt er erst sich, dann durch Leitung die umgebende Luft. Ist aber die obige Bedingung nicht erfüllt, ist der Herd zu klein oder, was dasselbe sagt, ist das Zimmer zu groß und zu undicht, so sind die Leistungen des Kaminfeuers mangelhaft. Man muß sich dann nahe an den Herd hinanbegeben, um nicht unter der Kälte zu leiden — schon das ist ein Mangel, denn eine gute Heizvorrichtung soll das ganze Zimmer wohnlich machen, nicht bloß die nächste Umgebung des Feuers. Ist der Mangel etwas weit getrieben, so muß der Mensch mit seiner Person so viel von der Strahlung auffangen, daß er den Wänden einen erheblichen Antheil entzieht; dieselben werden dann nicht gebührlich warm; er bekommt auf der einen Seite eine zu große Wärmemenge, auf der andern strahlt er ungehindert aus — wer jemals, zur Hälfte gebraten und zur Hälfte erfroren, neben einem italienischen (oder auch französischen) Kamin gesessen hat, der weiß, daß das ein erbärmlicher Zustand ist, und ebenso erbärmlich ist das Heizwerkzeug, welches ihn hervorbringt. — Rich! unerwähnt darf bleiben, daß offenes Feuer den meisten Menschen auch eine dunkle ästhetische Befriedigung gewährt; man liebt es, Flämmchen spielen zu sehen, und die im ganzen heizenden Europa verbreitete Redensart vom „traulichen Herd" stammt offenbar zum Theil aus dieser Quelle. Ferner ist der offene Kamin ein vorzüglicher Ventilator, der den Luftwechsel im umgebenden Raume sehr fördert. Endlich ist zu erwähnen, daß er practisch nur langsam regulirt werden kann.
2. Herdfeuer mit Luftcirculation. An neueren Herden bringt man eiserne Röhren an, die unten von der Seite her in den Feuerraum geführt sind und oben seitlich münden. Wenn das Feuer brennt, erhitzt sich die Lust in diesen Röhren und steigt durch die obere Oeffnung ins Zimmer. Auf diese Weise wird ein Theil der Wärme durch Leitung nützlich gemacht. Die Wirkung derartiger „bouches ä chaleur“ ist recht merklich; außerdem sind sie leicht durch Klappen zu reguliren, stellen also eine Verbesserung des einfachen Herdfeuers dar, dessen übrige gute Eigenschaften erhalten bleiben.
3. Siemensscher Gasherd. Derselbe kann als ein verfeinerter offener Herd bezeichnet werden. Das Heizmaterial ist Gas welches bei reichlichem Luftzutritt verbrennt. Das brennende Gas bringt Asbest- fafern zu heller Gluth und diese strahlen dann ihre Wärme aus; seiner Wirkung nach ist also der Gasherd einem heißen Kamin sehr ähnlich, nur ist er


