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M« 148 Donnerstag bett 16. December. 188$;
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Ms Zur keHLen Kkippe.
Original-Roman von E. Heinrichs.
(Fortsetzung).
„Großer Golt!" murmelte Felix, „was raffte den gesunden kräftigen Mann so rasch hinweg?"
„Ein Jagdunglück, — er befand sich mit der jungen Gattin in Wildbad, — war, wie Sie sich erinnern werden, ein leidenschaftlicher Jäger und fiel durch die eigene Kugel, wahrscheinlich beim lieber- springen eines Grabens oder Passiven eines Gebüsches, — genug, daß die eigene Büchse ihm den Tod gebracht, wie constatirt worden."
„Durch das Gericht?" fragte Felix hastig.
„Jawohl, da selbstverständlich eine Untersuchung des Unglückssalles stattgefunden, und ein etwaiges Verbrechen durchaus nicht anzunehmen war."
„Vielleicht ein Selbstmord!" tönte die tiefe klangvolle Stimme des Polen plötzlich durch die einge- tretene Stille.
Der Banquier blickte erschreckt auf, da er den Fremden kaum bemerkt hatte.
„Mein Freund und Lebensretter, Sennor KatLra!" stellte Felix jetzt denselben rasch vor, „welcher mich nach Europa begleitet hat, um einen flüchtigen Verbrecher zu verfolgen."
Der Banquier verbeugte sich tief vor der im- ponirenden Erscheinung und hieß ihn herzlich willkommen.
„So hat man's Ihnen zu danken, Sennor! daß dieser Toükopf noch am Leben und wieder heimgekehrt ist", setzte er, ihm die Hand reichend, herzlich hinzu. „Ich danke Ihnen dafür, als ob dieser Dienst meinem eigenen Kinde gegolten."
KatLra drückte ihm die Hand und wehrte mit melancholischem Lächeln den Dank von sich ab.
„Ihr Kind!" wiederholte Felix, in seiner Erinnerung suchend, „ja, Sie hatten doch eine Tochter?"
„Welche sich freuen wird, noch als Schattenriß in Ihrem Gedächtniß zu leben", lachte der Banquier fröhlich auf, „ja, ich habe wirklich eine Tochter, Natalie genannt, — doch bitte ich Sie nun, meine Herren, mir in ein wohnlicheres Gemach zu folgen", unterbrach er sich rasch, „und mir die Ehre zu erzeigen, bei einem Glase Wein und einer gut n Cigarre die Unterhaltung fortzusetzen. Nein, nein, Sie dürfen es mir nicht abschlagen", rief er lebhaft, als der Pole eine ablehnende Bewegung machte, „ich freue mich zu sehr über dieses Wiedersehen und wird
Freund Felix auch sicherlich viele Fragen auf dem Herzen haben."
Bald saßen die Herren vor einem reichbesetzten Frühstücksrisch und bei dem vortrefflichen Wein, dem herzlichen Willkommen aus Freundes Mund wagte Felix endlich eine Frage nach der Wittwe seines Vaters.
Der Banquier schaute ihn ernst und prüfend an.
„Sie ist todt!" versetzte er nach einer kleinen Pause.
„Todt!" — bebte es leise von Felix Lippen. „Also doch wahr!" — Mir ist, als wäre ich in ein großes Leichenhaus zurückgekehrt."
„Fühlen Sie sich stark genug, mehr darüber zu hören?"
„Ich bitte darum, — 0, fürchten Sie nicht, alte Gefühle damit zu wecken, die sind ebenfalls todt, eingesargt für immer. Selbst ihr Bild ist in meiner Erinnerung gänzlich verblaßt. Jenes eitle, gedankenlose Mädchen, das den thörichten Knaben aus der Hsimath vertrieb, ist längst von mir vergeffen worden."
„Leider war die Unglückliche mehr eitel und selbstsüchtig als gedankenlos", erwiderte der Banquier, „da sie den stattlichen Chef des Hauses Rodenburg einem unbärtigen Knaben vorzog. — Wir wollen nicht weiter darüber richten, — wer sie sein Eigen nannte, war dem Unglück geweiht. — Als das Trauerjahr kaum zu Ende gegangen, tauchte urplötzlich ein schwedischer Graf auf, welcher der schönen, jungen und reichen Wittwe — der Universal« Erbin — auffällig huldigte. Das Ende vom Liede war eine Heirath."
„Der Gras war vermuthlich ein Abenteurer", warf Felix dazwischen.
„Das wohl nicht, — ich selber zog genaue Erkundigungen beim schwedischen Consul ein, welcher ; die Angaben des Grafen, wonach derselbe reich begütert war, nach allen Seiten hin bestätigte. — Vor der Vermählung errichteten beide ein Testament, worin sie sich gegenseitig als Erben einsetzten. Die Hochzeit machte begreiflicherweise großes Aufsehen, — das junge Paar reiste alsdann birect nach Schweden, wo die Gegenwart des Grafen nothwendig erschien, obwohl die späte Jahreszeit, — wenn ich nicht irre, Anfangs November, — eine solche Hochzeitsreise eben nicht annehmlich machte. Seltsamerweise soll die junge Gräfin bei einem Aufenthalt in Jönköping eine Fahrt auf dem Wetternsee verlangt haben und dabei ertrunken sein. So hat ihr Gemahl selber


