Ausgabe 
16.11.1886
 
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denen aber das Mikroskop noch deutlich die Elementar­organe der Pflanzen, Zellen und Gefäße nachweisen läßt.

Dieselben Bestandtheile, wie in der ursprünglichen Pflanzensubstanz finden sich in allen Kohlenarten, nur sind eben, wie bereits erwähnt, in jeder Kohlen-

Continents gleichfalls eine Emancipation vom eng­lischen Steinkohlenmarkte eingetreten ist.

Wenn nun England pro Jahr gegen 150 Millionen Tonnen Steinkohlen fördert, so hält der unterirdische Vorrath diesesschwarzen Goldes" noch auf 800800 Jahre vor und nicht wie man früher

forte die Mischungsverhältnisse andere. Auch die den Pflanzen eigenen anorganischen, unverbrennlichen Be- standtheile fehlen nicht, doch sind diese vielfach modificirt, theils durch Waffer ausgewaschen, theils durch Infiltrationen gelöster Substanzen die mannig­fachsten fremden Körper hinzugelangt, welche beim Verbrennen als Asche zurückbleiben und sowohl durch ihre Menge, als auch durch schädliche Wirkung, welche sie auszuüben im Stande sind, erheblich ver­mindernd auf den Werth der Kohlenart wirken können.

Die Menge von Wärme, welche bei der Ver­brennung der einzelnen Brennmaterialien frei wird, bezeichnet man technisch als Brennkraft, und zwar ist dieselbe je nach der chemischen Zusammensetzung verschieden. Ihre Größe bezeichnet man entweder in Form von Wärmeeinheiten oder so, daß man die Brennkraft des reinen Kohlenstoffes (8080 Wärme- Einh.) als Einheit annimmt und die der übrigen Brennmaterialien mit dieser vergleicht. Unter Zu­grundelegung des Kohlenstoffes als Einheit sind für die einzelnen Materialien folgende Werche ermittelt worden: Holz: 0,36-0,47, Torf 0,37-0,65, Braunkohle 0,43-0.85, Steinkohle 0,79-0.96, Torfkohle 0,33-0,85, Holzkohle 0,64-0,97, Coaks 0,84-0,97.

Aehnliche Umwandlungen, wie sie sich durch den Vermoderungsprozeß im Laufe unermeßlich langer Zeiträume vollzogen haben, kaffen sich künstlich nach­ahmen. Erhitzt man Holz bei Luftabschluß, so er­hält man je nach der dabei wirkenden Temperatur Producte, die in ihrer Zusammensetzung eine voll­ständige Parallele zu den Torfen, Braunkohlen, Steinkohlen und Anthraeiten bilden. Ueber den Kohlenreichthum der Erde, insbesondere über den Europas, sind nun von verschiedenen Seiten und zu verschiedenen Zeiten zahlenmäßige Nachweise geliefert worden, und es dürfte die Schätzung von Simmers­bach der Wirklichkeit am nächsten kommen.

Von ganz besonderem Reichthum sind die eng» lischm Steinkohlenlager, und zwar sind es in der Hauptsache drei große Kohlenbecken, das von Newcastle mit 2000 m Fläche und 18 Flötzen, das Central­becken mit 4800 m Fläche und das von Süd-Wales mit 2850 m Fläche und 25 Flötzen. Aus allen englischen Gruben werden jährlich gegen 170 Millionen Tonnen Steinkohlen gefördert, von denen im Jahre 1884 noch über 20 Millionen Tonnen exportirt wurden. Allerdings geht dieser Export von Jahr zu Jahr zurück, weil sich Nordamerika in Bezug auf Kohle von England frei macht, Asien in nicht zu Zanger Zeit seine ungeheueren Kohlenlager in Be­trieb gebracht haben wird und bei den Ländern des

irrthümlich annahm nur 105 Jahre.

Entschieden günstiger als in England sind die Kohlenverhältniffe in Deutschland. Nach vorge­nommenen fachmännischen Ermittelungen enthält das Ruhrkohlenbecken weit über 1 Billion Centner Stein­kohlen, die im Stande wären, den gegenwärtigen Betrieb der westfälischen Großindustrie auf über 1000 Jahre zu unterhalten. Das Ruhrkohlenbecken hat über 70 bauwürdige Flötze mit -ungefähr eben­soviel Großmächtigkeit aufzuweisen. Die ganze Teufe desselben beträgt ungefähr 2500 m mit ca. 130 Flößen. Die Kohlenlager von Aachen, Bayern, Niederschlesien, Saarbrücken und in Sachsen halten noch ca. 100 000 Millionen Tonnen Steinkohlen.

Die unterirdischen Schätze von Stein- und Braun­kohlen in Oesterreich befinden sich hauptsächlich in Böhmen, wo namentlich die Braunkohle maffenhaft vertreten ist; jedoch werden diese Felder, gleich betten der böhmischen Steinkohle in absehbarer Zeit aurge- beutet sein. Als eine Fortsetzung der oberschlesischen Kohlenfelder find die mährischen Steinkohlenflötze anzusehen.

Der russische Steinkohlenreichthum ist fast noch nirgends zur Genüge erschlaffen, doch werden in späteren Zeiten die russischen Kohlenlager den euro­päischen Bedarf auf sehr lange Zeit decken helfen.

Frankreichs Kohlenförderung steht auf sehr mäßiger Stufe. Im Jahre 1884 förderte man daselbst an Steinkohlen und Anthracit 21 Millionen Tonnen und an Braunkohlen ca. l/2 Million Tonnen.

In Belgien durchzieht das Steinkohlenbecken das ganze Land von Osten nach Westen. Der Kohlenbau wurde hier schon im 11. Jahrhundert und gegenwärtig in 260 Gruben von 166 000 Arbeitern betrieben.

Unbedeutend endlich ist die Steinkohlenförderung van Italien, Spanien, Dänemark, Schweden und Norwegen, welche Länder durchschnittlich je zwei Millionen Tonnen Kohlen von England beziehen.

Speciell die sächsische Kohlenförderung anlangend, wurden in den drei Kohlenbecken Zwickau, Lugau- Oelsnitz und Dresden im Jahre 1885 4 129 501 t 82 590 020 Centner dem Erdreiche entnommen, welche einen Gesammiwerth von ca. 20 Millionen Mark repräsentirten. Dir Zahl der beim sächsischen ä Steinkohlenbergbau beschäftigten Personen stellte sich - im vorerwähnten Jahre auf 591 Beamte und 17 984 \ Arbeiter. Dieselben bezogen an Gehalt 1 195 725 Jt. \ und an Löhnen 14 952 425 Außer diesen mensch- s lichen Kräften dienten noch 517 Dampfmaschinen s mit 18 527 Pferdestärken dem Steinkohlenbergbau ä und zwar theils zur Förderung der Kohlen aus der l Tiefe, theils zur Ventilation und Wafferhaltung. z Egon W.

Redaktion; A, Gcheyda. Truck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.