Ausgabe 
16.11.1886
 
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Hichmer Jamiümblätter

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Mr. 135 Dienstag den 16. November. ___1886.

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Ws zur letzten Klippe.

Original-Roman von E. Heinrichs.

(Fortsetzung).

Schreibt er nichts über den Unglücksfall?" fragte der Notar erschüttert.

O doch, hier steht's in kurzen Worten."

Der Banquier las die kurz gehaltene Schilderung von jener Fahrt auf dem Wetternsee, von dem Aus­bruch des Sturmes und dem Scheitern des Bootes; er selber, der Graf, habe, da Alles überraschend schnell gekommen, leider nichts für dis Rettung seiner jungen Gemahlin thun können, sondern nur so viel Besinnung gehabt, um sich an eine Planke zu klammern, mit welcher er an ein ödes Ufer geworfen sei, wo er nach und nach wieder zur Besinnung ge­kommen wäre, um endlich ohne irgend welchen Bei­stand nach Jönköping zurückkehren zu können. Mit einigen vornehm-kühl klingenden Phrasen über den Tod der geliebten Gattin ging der edle Graf sodann zu dem geschäftlichen Thema über, welches in der Forderung gipfelte, ihm den bedeutenden Rest der Hinterlastenschaft in baaren Capitalien nach London zu senden.

Der Banquier faltete das Schreiben, welche» mit dem gräflichen Wappen versiegelt gewesen, lang­sam zusammen und blickte den Notar nachdenklich an.

Der ist schnell Wittwer geworden", meinte letzterer, den Blick erwidernd,wer, zum Kuckuck, mag von den Beiden den Einfall gehabt haben, in dieser Jahreszeit eine derartige Wasierparthie zu machen? Ich traue es der eigensinnigen Krabbe, der Antonie wohl zu."

Nein, Herr Notar! da beurtheilen Sie die junge Frau, der ich immerhin mein tiefstes Mitleid nicht versagen kann, ganz falsch", rief Natalie leb­haft,sie fuhr nur im Sommer auf dem Waffrr, im Herbst schon unterließ sie es aus Furcht, ihrer Schönheit zu schaden; nichts vermochte sie von diesem Entschluß adzubringen. Und nun sollte sie in solcher Jahreszeit dort 'oben im Norden selber die Waster- sahrt in Scene gesetzt haben? Nein ich behaupte, daß sie dazu gezwungen worden ist."

Die beiden Herren blickten sich erschreckt an.

Behalte solche Gedanken für Dich, mein Kind!" sprach der Banquier sehr ernst,sie bergen eine zu gefährliche Consequenz. Hm, die Geschichte ist doch geradezu hohnvoll", setzte er, leicht mit dem Fuße aufstampfend, hinzu,muß ich einem wildfremden Menschen das ganze Vermögen ausliefern, während

der legitime Erbe heimathlos in der Welt umherirrt. Doch, was hilft's! ich bin gesetzlich dazu verpflichtet und unschuldig an der Geschichte. Er scheint's gewaltig eilig zu haben, der Herr Graf!"

Der Notar sagte kein Wort dazu, nahm Hut und Stock und empfahl sich mit einem verständnißvollen Blick auf Natalie, welchen diese bedeutungsvoll er­widerte.

7. Capitel.

Nunkt fünf Uhr Abends stand Natalie Gotthard im Hanse des Notars, um diesen an sein Versprechen zu mahnen.

Wenn die Neugierde im Spiele ist, dann sind die jungen Damen stets präcise", lächelte Willing melancholisch.

Fällt es Ihnen wirklich so schwer, Ihre kleine Fee"mir zu zeigen?"

Das weniger, meine Theuerste! ich glaube, das Schicksal der armen Gräfin hat mich angegriffen, ich kann die Geschichte vom Wetternsee nicht los werden."

Ganz begreiflich, lieber Notar!" nickte Natalie ernst,auch mir hat's heute den Appetit verdorben, zumal wenn ich das Bild in seiner eigenthümlichen Beleuchtung betrachtete und alle Consequenzen dabei zog. Wie der Anfang dieser Grafen-Geschichte mir schon, wie soll ich's nennen, dunkel und räthselhaft erschi n, so ist das Ende, ganz wie ich im Stillen befürchtet, unheimlich tragisch geworden. Wer weiß, was sich dort auf dem Wetternsee für ein Drama abgespielt hat!"

Sie haben diesem Grafen Altorf nie etwas Gutes zugetraut, Fräulein Natalie!"

Aufrichtig gestanden, nie, sein lauernder Blick erregte mir stets ein unbestimmtes Grauen, eine Empfindung, als ob er eine Maske trüge."

Hm, meine Liebe, von Empfindungen dürfen wir uns bei der Beurtheilung eines Menschen nicht bestimmen lasten", versetzte der Notar kopfschüttelnd. Ich habe mich seiner Zeit bei dem schwedischen Consul nach dem Grasen erkundigt und über das Geschlecht der Altorf, welches im zweiten Decennium dieses Jahrhunderts mit König Bernadotte von Deutschland gekommen und sich dort angekauft hat, genügend Aufschluß erhalten. Graf Adalbert ist der letzte seines Geschlechts, wacher sich seit Jahren im Auslande aufgehalten, die Welt durchstreift und end­lich hier Anker geworfen hat, so viel steht fest. Daß er ein Egoist vom Scheitel bis zur Sohle ist,