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beginnen. Dem jugendlichen Manne, der nun seine volle Kraft wieder besaß, konnte das nicht schwer fallen. Und vor feinem Gewissen traf ihn nach meiner Anschauung kein Vorwurf; er hatte das ©einige gelhan, um sein verpfändetes Ehrenwort einzulösen; nicht seine eigene Schuld war es, daß dies mißlang. Das und noch manches Andere sagte ich ihm, und es Hat mir viele Mühe gekostet, ihn zu beruhigen und zu überzeugen."

So war'»", fuhr der Oberst fort, und ein schwerer Seufzer entrang sich seinen Lippen,und ich weiß heute noch nicht, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn ich den Verband von meiner Wunde abgerissen und mich verblutet hätte. Hermann von Salberg «ar tobt und begraben, und wenn ich einen anderen Namen annahm, so brauchte ich eine unliebsame Enthüllung meines Geheimnisses schwerlich zu fürchten. So trat ich denn endlich nach langem Schwanken und Zögern den Anschauungen meines braven Freundes bei. Uhr, Ring und Börse waren mir gestohlen worden. Mein Freund äußerte schon damals die Vermuthung, daß jener Wilddieb, der heute deshalb in Untersuchung sich befindet, den Raub begangen haben müsse. Nachforschungen würden unser Geheimniß zu sehr gefährdet haben; wir mußten schweigen.

(Fortsetzung folgt.)

Die Brandstifterin.

Criminal-Novelle von Andr» Hug».

(Fortsetzung).

V.

Weitere Folgen.

Lustig schmetterten die Trompetenstgnale von dem Schießanger nach der Stadt. Kanonen brummten in das tolle Leben und Treiben ihren sonoren Baß und die angesammelten Menschenmassen der Stadt vergnügten sich nach Möglichkeit an dem mit Zer­streuung aller Art überhäuften Vogelschießfeste. Der Schießanger, über eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, bietet nur einmal im Jahre ein solches Volksfest, an dem Alt und Jung, Groß und Klein, Hoch und Niedrig sich beteiligt. Die Straßen der Stadt sind dann am Abend besonders der Haupt­festtage so gut wie menschenleer, denn nur die durch Krankheit oder Berufsgeschäfte abgehaltenen Be­wohner tummeln sich nicht mit auf dem grünen Wiesenplan vor der Stadt.

Unter den täglichen Festbesuchern hatte Kirchner mit seiner jungen Gattin noch nie gefehlt. In diesem Jahre war es anders geworden. Die mit dem Besuche de» Volksfestes verbundenen Ausgaben contrastirten zu feinen geringen Einnahmen, auch war die Kleidung der beiden nicht mehr in so un* tadelhaftem Zustande wie früher; die täglichen Sorgen

und Bedrückungen hatten die Kirchner'schen Eheleute schon etwas gleichgültig gemacht. Dann aber auch die Blicke der auf dem Feste Verkehrenden! Sahen sie nicht alle nach der heruntergekommenen Lehrers­familie ?

Diese und ähnliche Gedanken jagten Kirchner durch den Kopf, als er am Haupttage des Vogel­schießens aus dem Fenster seines Wohnzimmers sah. Der Spätsommer hatte einen jener lauen Abende gesandt, die so erquickend und beruhigend auf das Menschengemüth einwirken; auf Kirchner und dessen Frau machte der Abend diese Wirkung nicht. Die verborgene Noth und der damit verbundene Kummer nagte an ihrem Innern und löste angesichts des Freudentaumels, der heute alle Bewohner erfaßt zu Haven schien, eine bittere Stimmung los. Keines aber gestand e» sich.

Ich werde noch ein Stück nach der ***er Brauerei gehen. Die Luft wird mir wohlthun. Ich habe heut viel gearbeitet, mein Werk ist um 8 Seiten gewachsen. Morgen früh stehe ich desto zeitiger auf", sagte Kirchner zu seiner Fran.

Eigentlich hatte er einen Einwand erwartet, aber Frau Alice Kirchner unterstützte den Gatten in seinem Vorhaben und schien es kaum erwarten zu können, bis er die Stube verlassen. Kaum aber war dies geschehen, so brach der Sturm in dem Weibe mit aller Macht los. Sie fühlte nur zu gut, daß sie durch ihre Liebe ihren Mann ins Unglück gestürzt und daß er sich dessen bewußt geworden. Ausreden wollte sie es sich, daß sie sich täusche, aber die Ver­nunftgründe boten zu sehr ihre Macht auf und überzeugten sie, daß sie die einzige Schuld trüge. Sie rang mit sich, um einen Ausweg zu finden, grübelte und sann, aber kein Gedanke wollte ihr kommen, der sie wie ein Ariadnefaden aus diesem Labyrinthe brächte.

In diesem seelischen Kampfe hatte sie wohl Über eine Stunde zugebracht. Die Nacht war vollständig hereingebrochen und deckte ihren dunklen Schleier Über die Landschaft. Wie aus einem Schlummer erwacht, taumelte sie einige Male durch die Stube, dann zündete sie die Petroleumlampe an.

Das erscheinende Licht beleuchtete ein Zerrbild.

War das die schöne Lehrersfrau? War dieses gespenstisch aussehende Wesen mit den stieren Augen und dem funkelnden Blick jenes Weib, an dem mit Wohlgefallen die Blicke so vieler gehangen.

Und diese gräßliche Lache! ... Das war 93er» zweiflung oder Wahnsinn? . . .

Ich Habs!"

Ueber die verzerrten Lippen klangen die beiden Worte wie heiseres Gekrächz, bann strich sie sich bis herabgefallenen Haare au» bem Gesicht, ein leiben» fchaftlicher Kuß noch auf bie Stirn des nichtsahnenden kleinen Schläfer» da in dem Kinderbett und ent­schlossen öffnete sie die Thüre.

Ein gellender Schrei durchschnitt im nächsten Augenblick die Luft.

Die aus der Thür getretene Gestalt wankte, ließ