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„Sechs Monate."
„Lab' Dich darauf nicht ein", sagte Riesenthal warnend. „Hat er Dir erklärt, nur einen kleinen Theil des Kaufpreise» baar erhalten zu haben, so können wir ihm beweisen, daß dies eine Lüge ist." —
„Und daraufhin soll ich den Prozeß beginnen?"
„Ich würde versuchen, den Gutsvrrkauf rückgängig zu machen. Es ist eine wahre Sünde, daß da» schöne Gut ruinirt werden soll. Bleibt es der Gesellschaft, dann wird'» nach einigen Jahren öffentlich versteigert und wahrscheinlich parzellenweise verkauft."
Der Landrath hatte die Unterlippe zwischen die Zähne geklemmt. Er stand in der Mitte de» Zimmer» und blickte finster vor sich hin.
„Ich kann's nicht ändern", erwiderte er mit dumpfer Stimme. „Wenn der Banquier seine Zahlungen einstellt, so habe ich das Nachsehen! — Was hat man zu meiner Amtsniederlegung gesagt?"
„Offen gestanden, ist Niemand darüber traurig", sagte Riesenthal achselzuckend. „Du hast es nun einmal nicht verstanden, Dich beliebt zu machen, und von Deinem Nachfolger erwartet man ein liberaleres Regiment."
„Und ich hoffen baß die Regierung bald wieder eine Schwenkung nach recht» machen wird; mit ihren liberalen Volksbeglückungsideen befinden sie sich auf abschüssiger Bahn."
„Das sind Ansichten, Hugo!"
„Die Du freilich nicht theilst!" erwiderte Ackermann rauh, der seine Wanderung wieder ausgenommen hatte. „Ich bin herzlich froh daß diese Plackereien und Quälereien ein Ende genommen haben. —■ Glaubte man's einer Partei recht gemacht zu haben, dann beschwerte sich die andere — man hatte keine Ruhe, und auf Dank durfte man nicht rechnen."
„Wie geht'S Deiner Frau?" fragte Riesenthal, — offenbar in der Absicht, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.
Der Landrath zuckte mit den Achseln.
„Ich komme mehr und mehr zu der Ueberzeugung, daß ich einen Feind habe, der mich bei ihr verleumdet", sagte er. „Der Schuft scheint Vergnügen daran zu finden, unseren häuslichen Frieden zu stören und eine Trennnng herbeizuführen; er mag sich in Acht nehmen."
„Hast Du eine Ahnung, wer dieser Feind ist?"
„Natürlich. — Es kann kein Anderer sein, al» dieser Herr von Görlitz, den ich schon einmal gezüchtigt habe."
„Aber welches Interesse sollte er dabei haben
„Pah, — ihn ärgert'» noch immer, daß ich mich der Gunst seiner Verlobten rühmen durfte!"
Riesenthal sah ihn eine Weile forschend an, dann schüttelte er mißbilligend da» Haupt.
„Du bist in einer sehr gereizten Stimmung", — sagte er vorwurfsvollen Tones. „Laß Dich nicht
von ihr zu einer Handlung hinreißen, die Du später bitter bereuen müßtest. Der Brillantschmuck damals wird Dir die Achtung Deiner Frau geraubt haben. — Herr von Görlitz hat wahrhaftig kein Interesse daran, den Frieden Deines Hauses zu stören und zwischen Dich und Deine Gattin zu treten."
„Ich weiß das besser!"
„Na, dann wäre es freilich nutzlos, Dich eines Andern belehren zu wollen! Wenn Du aber Händel suchen willst, dann bitte ich Dich, laß mich aus dem Spiele — ich sekundire Dir nicht noch einmal. — Bedenke: ich habe neun lebendige Kinder, ihnen und meiner Frau gegenüber kann ich's nicht verantworten, wenn ich meine Haut für einen Andern zu Markte trage."
„Das Gesetz bestraft die Sekundanten nicht!"
„Gleichviel. Man kann niemals voraus wissen, was sich aus solchen Geschichten entwickelt, und es ärgert mich schon, wenn mein Name dabei genannt wird."
Der Landrath hatte seinen Paletot angezogen; er nahm jetzt seinen Hut.
„Sei so gut und begleite mich", sagte er. „Ich will mit einem Advokaten berathen; vielleicht findet sich doch noch ein Weg, auf den ich dem Banquier Morgenroth fassen kann."
Riesenthal nickte zustimmend. Ohne Zögern traten die beiden Freunde den Weg an.
18. Capitel.
Ein falscher Würfel.
„Wenn die Herren mir das Vergnügen schenken wollen, noch ein Gla» Grog mit mir zu trinken, so sollen sie mir herzlich willkommen sein", sagte Hauptmann von Görlitz nach dem Abendessen.
„Wie ander» wirkt dies Zeichen auf mich ein!" erwiderte Maiwind, an den Spitzen seines blonden Knebelbarts drehend, während sein Blick unentschlossen auf dem heiteren Antlitz Hertha's ruhte. „Was sagen Sie dazu, Referendarius? Brechen Sie da» räthselhafte Schweigen —"
„Ich bin bereit", unterbrach Rommel ihn.
„Wohlan, — Arm in Arm mit Dir, so forder' ich mein Jahrhundert in die Schranken!"
„Du wirst mir nicht zürnen, Ludmilla, wenn ich Dich schon verlasse?" wandte der Referendar sich zu seiner Braut.
„Nicht doch", antwortete sie lächelnd. „Ich werde mich in mein Zimmer zurückziehen, um einige Briefe zu beantworten."
„Besonders lernt die Weiber führen", spottete Maiwind. „Es ist ihr ewig Weh und Ach —"
„Genug, genug!" lachte Hertha abwehrend. „Den ganzen Abend haben wir nur Citate und kein vernünftiges Wort von Ihnen vernommen, und — mir wird von Alledem so dumm, als ging' mir ein Mühlrad im Kopfe herum."
Der Buchhalter hatte sich erhoben. — Herr von


