Ausgabe 
16.9.1886
 
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Enchener Jamilienblätter

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U?. 109. Donnerstag den 16. September. 1888.

sehr

SaaL und Ernte.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Ich bin Dir für Deine Mittheilungen

gedulde."

Wie lange ? *

mann mit wachsender Erregung.Ich habe ihm damals Vollmacht gegeben, das Kapital nach eigenem, bestem Ermessen anzulegen, und er behauptet, Aktien der Allgemeinen Baubank und der Aktien-Brauerei dafür gekauft zu haben."

Tann fürchte ich, daß Alles verloren ist", sagte der Gutsbesitzer.Diese beiden Gesellschaften stehen vor dem Bankerott."

Morgenroth bestreitet das ganz entschieden!"

Weil er wohl weiß, daß er es Dir gegenüber nicht zugeben darf. Du mußt ihm das Messer an die Kehle setzen und Dein Geld zurückfordern."

Das habe ich schon gethan."

Und er verweigert die Zahlung?"

Er verlangt eine Kündigungsfrist von sechs Monaten."

O weh! Bis dahin ist Herr Johann Heinrich Morgenroth ein Bettler!"

Na, so schlimm"

Ich habe mich in Deinem Interesse sehr genau erkundigt; Morgenroth hat in der letzten Zeit ganz toll spckulirt und enorm verloren."

Aber, was will ich machen!" rief der Landrath, dessen starrer Blick erwartungsvoll auf dem Freunde ruhte.Ich bin konktratlich an diese Kündigungs­frist gebunden und kann nicht einmal beweisen, daß Morgenroth die ihm eingeräumten Befugnisse über­schritten oder gar einen Versuch, mich zu betrügen, gemacht hat."

Dann sieht es freilich sehr böse für Dich aus", nickte Riescnthal.Ich kann's wirklich nicht be- greifen" ,

Was können denn Vorwürfe ändern!" schmtt der Landrath ihm ärgerlich das Wort ab.Was geschehen ist, läßt sich nicht ungeschehen machen; gib' mir lieber einen guten Rath, wie ich mich vor dem drohenden Verlust bewahren soll."

Da werden nur Drohungen helfen!"

Das habe ich schon versucht, und weißt Du, was er mir darauf erwiderte? Wenn ich ihn zwingen wolle, mir das Kapital zurückzuzahlen, so müsse er seine Zahlungen einstellen."

Der Lump."

Wir wollen doch nicht so rasch den Stab über ihn brechen! Er hat mir die Versicherung gegeben, daß ich Nichts verlieren solle, wenn ich mich NM

glaubt den Gründern nicht mehr, und die lügenhaften

| Prospekte haben ihren Nimbus verloren!"

Aber was soll ich nun machen?" fragte Acker-

dankbar", sagte er, dem Gutsbesitzer die Hand ; reichend;aber ist die Sachlage wirklich so schlimm, ; wie Du sie geschildert hast?"

So schlimm, bester Freund, daß jeder Tag ; Verzug Dir Dein ganzes Vermögen kosten kann", erwiderte Riesenthal.Ich begreife nicht, wie Du diesem Manne Dein ganzes Hab' und Gut anver­trauen konntest! Er spekulirt mit Deinem Gelbe; geht's gut, so hat er allerdings Vortheile davon, und geht's schief, so kannst Du den Sack flicken und auf Mitleid brauchst Du dabei nicht zu rechnen."

Er sagte mir, er habe nur einen Theil des Kaufpreises baar empfangen."

Dann hat er Dich belogen. Hunderttausend ! Thaler erhielt er baar und für den Rest mußte er ; Aktien der neuen Gesellschaft übernehmen. Diese Aktien sind aber nach meiner Ueberzeugung längst ? verkauft."

Der Landrath durchmaß das Zimmer mit großen i Schritten.

Wenn man nur das beweisen könnte!" sagte ' er erregt.Mir erklärte Morgenroth, diese Aktien seien noch in seinem Depot und nur mit großem Verlust verkäuflich."

Laß sie Dir vorlegen."

Was erreiche ich dadurch?"

Freilich Nichts!" erwiderte Niesenthal, bedenklich das Haupt wiegend.Er kann ja noch eine Menge dieser faulen Papiere für seine eigene Rechnung da liegen haben."

Sind's wirklich faule Papiere?"

Die ganze Geschichte ist Schwindel. Niemand begreift, wie der Gründer auf diese Idee kommen konnte! Eine Rüben-Zucker-Fabrik soll auf dem Gute gegründet werden; das Wohnhaus will man als Verwaltungsgebäude und die Oekonomiegebäude als Lagerräume benutzen. Die Fabrik selbst muß

natürlich noch gebaut werden, in einigen Tagen will man damit beginnen. Jetzt rechne einmal zu­sammen, was außer dem Kauspreis für das Gut noch für Fabrik und Maschinen gezahlt werden muß; außerdem eignet sich der Boden nicht einmal für RübeN'Anbau es ist die Idee eines Tollhäuslers. Na, es ist nur ein Glück, daß die große Masse end­lich ansängt, etwas vernünftiger zu werden; sie :