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einen Vorwmf machen kann. Daher meine Verführung seines Sohnes zu einem Leben, welches diesen Prinzipien stracks zuwiderläust. Eduard war dazu nicht leicht verfuhrt und ist schwer auf dieser Bahn zu erhalten, wie Du selbst mir bestätigen mußt. Aber er darf nicht umkehren. Vater und Sohn müssen im Gegentheil einander ganz entfremdet werden. Ehe der Haupterbe nicht enterbt oder beseitigt ist, kann von unserer Besitzergreifung natürlich nicht die Rede sein. Das ist das Eine. Nun steht zwischen uns und dem Etwoldschen kolossalen Besitz nur noch eins — die Tochter.
„Ja, und willst Du die vielleicht auch ihrem Vater entfremden, sie auch ins Ausland schicken?"
„Daß ich ein Narr wäre! Nein, mein Freund, dieses schöne, liebenswerthe Geschöpf opfere ich einfach dem Ehrgeize ihres Vaters, indem ich sie Dir zur Gattin gebe."
„Mir?"
„Meinem Verbündeten, ja."
„Ich bin nicht abgeneigt, diese angenehme Beigabe zu der Erbschaft des Alten von Deinen Händen zu acceptiren. Und wie willst Du mich bei diesem in Gunst und Aufnahme bringen?"
„Einfach durch das Interesse, waches der Kom- merzienrath an meinem Privatleben nimmt. Aber das Nähere hierüber besprechen wir ein andermal. Natürlich wirst Du nicht zu rasch zum Gatten der Dame avanciren, zumal sie eine unglückliche Liebe nährt, welche der eiserne Wille des Vaters nur nicht aufkommen läßt. Vielleicht findest Du auch Beifall in ihren Augen; und wenn nicht, so hast Du die Autorität des Vaters, auf welche Du Dich stützen kannst."
„Ja, bist Du denn seiner Zustimmung zu meiner Bewerbung so gewiß?"
„Dafür laß mich nur sorgen. Jetzt kommt der dritte Punkt. Ich muß Associs des Hauses werden: und dazu —"
„Soll ich dann meinen Einfluß als Schwiegersohn beim Alten geltend machen?"
Duprat lachte.
„Da stünde meine Theilhaberschaft auf schwachen Füßen", sagte er. „Um das zu erreichen, glaube ich aller fremden Beihülfe entbehren zu können. Du weißt, was ich vorhin von dem Skelett im Hause sagte. Auch der Kommerzienrath hat sein Geheim« nist; und dessen will ich mich bemächtigen, so gut er es auch hütet."
„Spielst Du vielleicht auf das spurlose Verschwinden seines früheren Faktotums an?"
„Nun ja, ich glaube, daß das Verschwinden des alten Forster damit in engstem Zusammenhänge steht. Und ich denke mir das so, daß Forster der Entdeckung jenes Geheimnisses nahe war oder es schon heraus hatte und dem Kommerzienrath mit Veröffentlichung desselben drohte. Er ist verschwunden, Niemand weiß wohin, cs sei denn der Kommerzienrath, und der wird es gewiß nicht ausplaudern."
„Höre, Freund, das sind müßige Kombinationen,
die ganz romanhafte Verhältnisse vsrausfetzen. Wenn ich Dir rathen kann, so suchst Du Deinen Halt auf den Kommerzienrath durch etwas Anderes zu befestigen. Warum, zum Beispiel, strebst Du nicht nach der Hand der schönen Klara? Erst Schwiegersohn und dann Associs, das lasse ich gelten, das hat Hand und Fuß. Die andere Geschichte kommt mir vor wie Schatzgräberei. Dabei ist nocq Keiner glücklich geworden."
Duprat schüttelte mißbilligend den Kopf.
„Laß das nur so, wie ich es angeordnet", sagte er. „Es sind drei Punkte, die wir fest halten müssen, um auf legalem Wege zu Besitz und Ansehen zu gelangen: Beseitigung des Sohnes und Erben, Verheirathung der Tochter an Dich und meine Erhebung zum Associs der Firma Etwold. Dies Alles erlangt, werden wir weiter besprechen, was dann zu thun sein wird. Ich denke mir den Ausgleich so, daß Du Deinen Antheil in Baarem nimmst und ich das Geschäft weiter führe. Wir werden bann jeder mehr haben, als wir Zeitlebens brauchen werden."
„Ich bin's zufrieden."
„Deine Hand!"
, ifi fie."
Es war ein fester, eiserner Griff, in welchem sich diese beiden Hände zur Ausführung eines abscheulichen Verbrechens umschlossen, und in den Mienen der Darreicher derselben spiegelte sich todes- muthige Entschlossenheit. Diejenigen, gegen deren Lebensglück der hier geschlossene Bund sich richtete, mochten sich hüten.
Hiernach entwickelte Duprat vor seinem Freunde den Plan, welchen er zur völligen Vernichtung des Etwoldschen Familienglücks ersonnen hatte. Da wir denselben noch in der Ausführung sehen werden, genügt es hier zu bemerken, daß der Baron denselben vollkommen billigte und versprach, die ihm zufallende Aufgabe nach besten Kräften zu erfüllen.
Duprat holte jetzt Cigarren und Wein herbei.
Trinken wir ein Glas auf das Gelingen unseres Planes", sagte er. „Wenn Fran; zurückkehrt, müssen wir über ganz gleichgült'.ge Dinge sprechen."
(Fortsetzung folgt.)
Der Zapaiero von Sevilla.
E r z S h l u n g.
(Nachdruck vertaten.)
Fern im Süden, im schönsten Theile Spaniens, an den Ufer des Guadalquivir, inmitten einer der üppigsten, fruchtbarsten Ebenen der Provinz Andalusien, liegt die uralte Stadt Sevilla, voll von


