Ausgabe 
16.3.1886
 
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Ich antworte Dir mit Shakespeare: aanze Welt ist eine Bühne";auch müßte Dir _bie englische Redensart von demSkelett tm Hause bekannt sein. Jedes Haus hat ein solches, was sagen will, daß in jeder Familie irgendwo em Ge- heimniß steckt, welches der Familienehre wegen streng bewacht werden muh. Nun und der Kommerzienrath, soviel weiß ich nun schon, macht keine Ausnahme von dieser Regel. Auch ihn drückt Etwas, was das Auge der Welt zu scheuen hat; auch in fernem Hause ist bildlich gesprochen irgendwo em Skelett versteckt. Und siehst Du, Freund, das muß sch erst gesunden haben, um diesen Mann mir ganz

Deiner Wirthin vorgelesen und ihre Meinung er­fragt."

So? Und was sagte Frau Neumann?" ?

Gott, wie schön, Herr Dr,den! rre, fre- kann mir wirklich gar nicht denkerr, daß Cie das

forbern?e Erinnerung", sagte Duprat

beifällig,und ein vernünftiges Wort, das Du nun von mir auch zu hören kriegen sollst. Cetz Dich dort vor mich hin und höre mich ruhrg an. Irgend welche Fragen kannst Du nachher stellen.

Ich bin ganz Ohr", erwiderte der Baron und setzte sich, wie Jener es verlangte.

Obwohl im Augenblick eine Todtenstille im Hause herrschte und eine Ueberraschung von keiner Seite zu fürchten war, dämpfte Duprat doch seine Stimme unwillkürlich, als er begann. ,

Mit der Falschmünzerei, mein Freund, ist das heut eine heikle Sache, und ohne so außerordentlich günstige Verhältnisse wie die, unter denen wir das Geschäft betreiben, hätten wir die erreichten Erfolge gar nicht erzielt, vielmehr hätten wir schon langst Gelegenheit gehabt, hinter Schloß und Riegel über das Gewagte unseres Beginnens nachzusinnnem Rach vielen mißlungenen Versuchen ist es Dir endlich möglich gewesen, die Hundertmarkscheine fast fehlerfrei herzustellen. Wir haben aber auch schon genug davon unter die Leute gebracht, und nut jedem neuen Tausend rücken wir der Gefahr der Ent. dcckung näher. Mit neuen Platten hast Du bisper nur Unglück gehabt und Deine Existenz al» falsch- münzer gefährdet, ja, Du wärest mehrmals fast in die Dir gestellten Fallen gegangen. Was aoer, frage ich Dich, ist die Summe unserer Erfolge? Wir leben allerdings wie die Grandseigneure, aber - unter dem Beile des Henkers. Das habe ich mir schon oft in stillen Stunden und schlaflosen Nächten gesagt und darum darauf gesonnen, _ wie wir endlich festen Boden gewinnen und das gefähr­liche Handwerk des Münzsälschens aufgeben können. Dazu nun soll uns, was ich mit dem Kommerzien­rath vorhabe, die Handhabe werden; denn natür­lich sind es seine Liegenschaften und Millionen, aus die ich es abgesehen habe."

Und die wir auf eine natürliche, unverdächtige Art in unseren Besitz bringen könnten?" staunte Drpden.

Duprat nickte.

Erkläre mir dieses Wunder."

Nur Geduld. Was Etwold's Eigenschaften als Kaufmann und sein klares Denken trübt, sind Ehr­geiz und Titelsucht, für welches er jedes Opfer zu bringen jederzeit bereit gewesen und noch ist. Er pocht in erster Linie auf seine eigene Moralität und Integrität, das heißt, er lebt und handelt so, daß man ihm von keiner Seite beikommen, ihm nirgends

Ja? da denkst Du ganz richtig, liebe Seele , dachte ich bei mir;sagte aber, daß ich olche^Ge­dichte alle Tage machte und ein berühmte. Mann sein könnte, wenn ich mich nur entschließen wolle, meine Gedichte, um die sich sammtliche Verleger reißen, herauszugeben. Aber:erst rmch meinem Tode soll die Welt erfahren, welches Genie sie da der Erde übergeben."

Und sie?" fragte Duprat lachend.

Nimmt das für baare Münze und sagt, ich sei so excentrisch wie alle Engländer."

Du spielst also Deine Nolle vortrefflich; und ich übe mich gleichfalls kürzlich in der Verstellungs- kunst. Da kann uns der Erfolg nicht fehlen, Neu- lich erst lobte mich der Kommerzienrath wegen meiner bescheidenen Anspruchslosigkeit und sagte, er sei über­zeugt, ich verbrauche kaum den dritten Thril meines großen Gehalts."

Auch sehr gut", ries bewundernd Drpden. Und das Urtheil mag doch weniger leicht erlangbar gewesen fein, als das meine. Der Kommerzienrath der doch gewiß nicht zu den Dummen zählt, ist allo auch getäuscht."

Duprat lächelte selbstgefällig.Allerdings , sagte er,bin ich ihm an Verstellung überlegen. Aber bei eben jener Unterredung wäre ich auf eine Frage seinerseits doch fast aus der Rolle gefallen.

Was war das für eine Frage?"

Sie betraf eine private Sache oder vielmehr das Geheimniß meines Daseins."

Es giebt ein solches?" forschte der Baron zwischen Neugierde und Spott.

Eine Wolke legte sich auf Duprats Stirn. Er

triefte*

Gleichviel", sagte er, indem er gleich wieder diese Stimmung abschüttelie.Es ist dem Alten doch nicht gelungen, mich zum Abrerßen meiner Larve zu bewegen. Dagegen möchte ich ihm mal ein Bischen hinter die Maske gucken."

Du meinst, er trägt eine solche?

. unterthan und zum willenlosen Werkzeug unserer ! eta« MIchweisnng

Witter »ei dem eigentlichen Begenstand miftrer heimlichen Unterredung angelangt sind , warf der Baron ein.Sage mir nun ganz offen un v Umschweife, soweit es unsere gemeinsamen ^eressen betrifft, was hast Du mit dem Kommerzienrath vor, und was kann ich thun, um unsere Sache zu