Ausgabe 
16.3.1886
 
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SMeirMsches Deiblstt z«W Gießener AKrsiger.

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Mx, 32. Dienstag den 16. März

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1886.

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Are Jakschmünzer.

Criminal-Roman von Gustav Lössel.

(Fortsetzung).

Mich hieltest Du also nicht für einen solchen", \ sagte er,als Du Dich mir als Falschmünzer ent- \ decktest und mich bewogst, meine Stellung zum heim- j lichen Vertauscher Deiner Fabrikate mit echten ! Hundertmarkscheinen zu benutzen wie?"

Nein. Ich erkannte in Dir sofort die ver- j wandte Natur, welche mit derselben kalten Berechnung j nach gleich hohen Zielen strebt, mit einem Wort ; einen Menschen, der nach der Berechtigung des ; Mittels nicht fragte, sobald es den Zweck fördert, j Ich glaube sogar, daß Du noch sicherer im Wahren von Geheimnissen bist als ich, denn Du bist ver­schlossener, und Dein kalter Egoismus gestattet kein Aufflammen der Gefühle, wie es bei mir nur zu oft noch eintritt. Ich bin leidenschaftlich, sinnlich und kann mich nicht immer beherrschen; Du bist ohne jedes Gefühl und lauter Berechnung. Da ergänzen wir uns sehr glücklich; auch darin, daß ich infolge meiner höheren gesellschaftlichen Stellung uns Kreise eröffne, in denen ein Umsatz der falschen Noten viel leichter und Entdeckung weniger zu fürchten ist. Du mußt bei der Vernichtung der echten mit den falschen Banknoten viel vorsichtiger sein, denn wenn Ihr bei Eurem großen Betriebe die Nummern der ver­einnahmten und verausgabten Hundertmarkscheine auch nicht notirt, so können dies doch kleinere Käufer, an welche Ihr Zahlungen mit solchen Scheinen leistet; und wenn erst einmal mehrere dieserhalb reklamiren, kann Etwold die Sache bedenklich vor­kommen und er einen gewandten Polizeispion mit dem Weiteren beauftragen."

Ganz recht", stimmte Duprat bei.Du ge­stehst also zu, daß ich mehr Gefahr laufe als Du, zumal ich Dich nach unserem Abkommen niemals verrathen dürfte, selbst wenn man mir den Strick um den Hals legte. Bekennen darf ich nicht."

Niemals", rief der Baron mit einem leisen Anflug von Furcht.Ich auch nicht. Der Tod in dieser oder jener Gestalt löste unsere Bundesge- nossenschast auf, sonst nichts. So ist es verabrede:."

So ist es verabredet", wiederholte Duprat mit einem Blick auf seinen Freund, der diesen um sich selbst hätte besorgt machen können, .wenn er nicht gerade zum Fenster getreten wäre.

Also zugestanden", fuhr er dann rascher fort,

ich laufe mehr Gefahr gehangen zu werden, und Du um so weniger, weil Du den Umsatz zu­meist am Spieltisch bewirkst und zumal beim Spiele mit Leuten, welche mit Hundertmarkscheinen nur so werfen und zu erregt sind, um an eine Prüfung derselben auf ihre Echtheit zu denken; so wärest Du doch um Deinerseits verpflichtet, auch etwas mehr zu riskiren, um das wieder auszugleichen. Denn mit demselben Rechte könnte ich sagen, warum soll ich denn für Dich die Kastanien aus dem Feuer holen und mir die Finger verbrennen, während Du den Genuß daran hast?'

Ist doch Dein Ernst nicht", lachte der Baron indem er einen bezeichnenden Blick umherwarf.Du lebst dafür wie ein Fürst."

Ja aber nur in den wenigen Freistunden, welche meine tägliche Arbeitslast mir läßt."

Ach was, Arbeitslast! Was hast Du denn als Prokurist zu thun? Ein wenig Chef zu spielen, hier und da eine Zurechtweisung zu ertheilen und unbe­queme Leute, die scharf sehen, an die Luft zu setzen, wie jetzt den armen alten Leuchtmann wieder. Da­zu ein paar vertrauliche Briefe, ein paar Wechsel­unterschriften, und das Nebrige machen die Anderen. Und nebenbei würdest Du auch wohl das nicht thun, wenn es nicht der Spionage gälte, mit welcher Du den Kommerzienrath immer fester umgarnst."

Allerdings", lachte Duprat leise,denn zu welch' anderem Zweck hätte ich mir ein Zimmer in seinem Hause einrichten lasten, das ich nach Belieben be­nutzen oder unbenutzt lasten kann. Uebrigens war meine Vorsicht nicht überflüssig, noch ein zweites, bescheidenes Asyl als Monsieur Duprat zu miethen, das Chambre garm, in welchem Du statt meiner hausest."

Warum? Hausen darin sagt mir gar nicht recht zu. Ich möchte mir eine eben solche Wohnung halten wie diese."

Glaube ich schon. Aber im Interesse unserer Sache wirst Du das vorläufig noch unterlassen, vielleicht auch mit Rücksicht auf Deine Sicherheit."

Das allerdings. Ich lebe da unangemeldet als Dein Freund, angeblich, weil Deine fingirte

. Reisendenstellung Dir selten zu Hause zu sein ge- ; stattet und Du doch einen vertrauten Freund zur

Wahrnehmung Deiner Interessen, Beantwortung von Korrespondenzen und so weiter in Deiner Wohnung haben möchtest. Uebrigens habe ich meiner Rolle - als Dichter gemäß gestern ein übersetztes Gedicht ! meines längst verschiedenen Namensvetter Dryden