Ausgabe 
16.2.1886
 
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Kommissär Haltmann, und dieser Herr ist Assessor Reich, der in einem bereits anhängigen Criminal- prozeß als Untersuchungsrichter fungirt."

Der Hausherr winkte dem entfernt stehenden Diener, zwei Stühle zu bringen.

Criminal-Commissär, Untersuchungsrichter, amt­liche Befragung, und das Alles in meinem Hause?" rief Eschenheim im Tone aufrichtigen Erstaunens. Sie sehen, meine Herren, ich erwarte Ihre näheren Erklärungen."

Der Beamte hatte inzwischen einen nach dem anderen der am Tische Sitzenden gemustert, und seine Augen schienen mit besonderer Aufmerksamkeit auf Herrn von Brehmer haften zu bleiben.

Dann zog er ein Notizbuch hervor, warf einen Blick hinein und schaute dann wieder aus den jungen Mann, als stelle er Vergleiche an. Ein leises Kopf­nicken schien anzudeuten, daß das Resultat seiner Prüfung ein befriedigendes sei.

Es verkehren in Ihrem Hause verschiedene den höheren Ständen angehörige Herren, sämmtlich wohl nähere Bekannte von Ihnen?" begann der Com- missär wieder;darf ich Sie bitten, mir die Namen derselben zu nennen?"

Die Baronin, welche kaum im Stande war, ihre Unruhe zu bemeistern, als sie erfuhr, daß die Fremden Gerichtsbeamte seien, schöpfte erleichtert Athem, da es sich augenscheinlich doch nicht um ihre eigene, keineswegs makellose Vergangenheit handelte.

Der Kreis meiner Bekannten ist sehr groß, namentlich in der Stadt empfange ich viel Besuche" erklärte der Baron,ich müßte mich in der That, erst auf alle die Namen der mich beehrenden Herren, besinnen. Hier dagegen ist unsere Tafelrunde nur klein und beschränkt'sich in der Hauptsache auf den Legationssekcetär Herrn von Sohr und auf die beiden hier anwesenden Herren von Rauschendorff und von Brehmer."

Das genügt mir einstweilen", entschied Jener, dem künftigen Schwiegersöhne des Barons einen seltsamen Blick zuwerfend.Dieser Herr nennt sich von Brehmer er ist's, dem unser Besuch gilt."

Mir? Ich wüßte in der That nicht, wie ich zu Leuten vom Criminalamte in Beziehung käme?" sagte der junge Mann in anscheinend gleichgültigem Tone, indem er mit dem Griff seiner Reitgerte aus die flache Hand schlug.

Der Commiffär hatte sich erhoben und ein Papier ans der Tasche genommen, das er ent­faltete.

Dann trat er auf Brehmer zu.

Im Namen des Gesetzes, Sie sind mein Ge­fangener, hier ist der Haftbefehl", rief er mit er- hobener Stimme, Jenem das Papier vorhaltend.

Wie von einem giftigen Reptil gestochen, sprang der Angeredete auf. Sein sonst schon bleiches Antlitz hatte eine aschgraue Färbung angenommen, die Lippen erschienen violett und die Augen schienen

Nedactisn: A. Scheyda. Drudk und Verlag der !

aus ihren Höhlen treten zu wollen. Starren Blickes, wie ein Wahnsinniger, schaute er auf den Mann des Gesetzes, der mit imponirender Ruhe vor ihm stand.

Mensch, was wollen Sie von mir? Hier waltet ein furchtbarer Jrrthum ob!" preßte er end­lich mit Anstrengung hervor, als versagten ihm die Athmungswerkzeuge ihren Dienst.

Um was es sich handelt, werden Sie sehr bald erfahren, für jetzt haben Sie zu folgen", bemerkte der Beamte.Der Wagen steht bereit, Sie werden also ohne jedes Aussehen in die Stadt gelangen."

Nimmermehr!" schrie Brehmer und hob die Hand mit der Reitpeitsche, als wolle er zum Schlage ausholen.

Nasch faßte der Commiffär in die Tasche und langte eine kleine, silberne Pfeife hervor. Ein feiner, durchdringender Ton wurde hörbar, und so­fort erschienen zwei handfeste Männer in Cwilklei- dung, in einiger Entfernung stehen bleibend und die Befehle ihres Vorgesetzten erwartenv.

Bei dem geringsten, ferneren Widerstande lasse ich Sie augenblicklich binden!" erklärte der Com- miffär.Diese beiden Konstabler sind meines Winkes gewärtig, machen Sie also keine Umstände weiter!"

Bei diesen Worten griff er nach der Gerte, ent­riß sie der Hand des Verhafteten und schleuderte sie weit hin in den Garten.

Kraftlos sank der Arm Brehmers herab; er be­griff daß hier mit Gewalt nichts auszurichten sei.

Ich werde Genugthuung fordern für diese schmachvolle Behandlung!" rief er, die Handschuhe anziehend und den Hnt aufsetzend,und Sie, meine Damen und Herren, werden mir dabei als Zeugen dienen. Ich bin bereit, mein Herr, aber ich erkläre ausdrücklich, daß ich nur der Gewalt nachgebe.

Trösten Sie sich, Liesbeth, bald bin ich wieder bei Ihnen!" fügte er, die Hand ans die Schulter des Mädchens legend hinzu, während er den klebrigen einen Abschiedsgrnß zuwinkte.

Aber Herr Criminal-Commissär, was soll denn das Alles bedeuten?" fragte der Baron mit lauter Stimme, nachdem er bisher vor Erstaunen kein Wort hervorzubringen vermocht hatte.Darf man denn nicht erfahren, um was es sich handelt? Der Gefangene hat mehr als hinreichende Bewachung, Sie selbst sind also entbehrlich. Leisten Sie uns noch eine Stunde Gesellschaft, mein Wagen wird Sie dann nach der Residenz zurückbringen."

Ich bin Ihnen einige Aufschlüsse schuldig und bereit, sie Ihnen zu geben, so weit sie mir bekannt sind, und ich, ohne meine Pflicht zu verletzen, sie Ihnen mittheilen'darf", versetzte der Beamte, auf dem bargebotenen Stuhle Platz nehmend, während der Assessor mit. dem Arrestanten und den beiden Constablern in den Wagen stiegen, und in der Richtung nach der Stadt davonfuhren.

(Fortsetzung folgt).

hl'schon Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) m Ließen.