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thut, als wenn man sich in der Thür geirrt habe. Sein erneuertes Erschrecken oder seine Gleichgiltigkeit sprechen dann schon genug für oder gegen ihn, um ihn uns zu verrathen."
Neubert, als der erste Entdecker der neuen Spur erhielt den Auftrag hierzu, und die unauffällige Weise, in der er sich derselben entledigte, machte ihm alle Ehre. Man hätte ihn überhaupt einen ebenbürtigen Rivalen Seltmanns nennen können, wenn nicht "schon ihr Altersunterschied einen solchen Vergleich unmöglich gemacht hätte. .
Jener war ein junger Mann in den Zwanzigern, und Neubert zählte bereits fünfzig Jahre. Klein schmächtig, grauköpfig, mit einem spitzen Gesicht, erinnerte er in nichts an den schlanken, schön gewachsenen Soltmann mit dem vollen blühenden Gesicht, den lebhaften dunklen Augen und dem i wohlgepflegten Schnurrbart. Neubert war bartlos, | und statt der flotten Kravatte ä la Byron, welche I dem ausdrucksvollen Kopfe seines jüngeren Kollegen einen idealen Anstrich verlieh, trug er eine weiße Binde, war ihm bei seiner sonstigen Nnscheinbarkeit das Ansehen eines Kirchendieners gab.
(Fortsetzung folgt).
3. Kapitel.
Eine wichtige Entdeckung.
Die Feststellung der Person des Ermordeten hatte auch mit Hülfe des gesammten Etwold'schen Hauspersonals nicht bewerkstelligt werden können. Man hatte sie Alle an Jenen herantreten lassen, aber Keiner gab ei» Erkennungszeichen.
Jetzt war es Neubert, welcher darauf aufmerksam machte, daß unter Denjenigen, die dem Fräulein gefolgt waren, sich auch eine Persönlichkeit befunden hatte, von der man mit einigem Rechte sagen könne, daß sie von Gott gezeichnet sei. Dieser Fleisch und Blut gewordene Franz von Moor habe | bei seiner zufälligen Besichtigung des Leichnams ; durch eine zuckende Bewegung ein unzweideutiges Erkennungszeichen gegeben, diese Bewegung aber sogleich wieder unterdrückt und sich scheu umgesehen, ob man sie irgendwo bemerkt habe.
„Schlauer Weise", vollendete Neubert seinen Bericht, „schlug ich sofort mein Auge zu Boden, sah aber unter dm verschleiernden Wimpern hervor, wie Jener von dem Ergebniß seines Umblicks sehr befriedigt schien. Er entfernte sich von dem That- ort und läßt sich hier nun nicht mehr blicken. Ich forschte so unter der Hand nach ihm und erfuhr, daß er allgemein unter dem Spitznamen „der rothe Mathies" bekannt sei und Herrn Etwold als Kutscher gedient habe. Wegen seinen anarchistischen Prinzipien von diesem entlassen, will er heute noch ins Ausland gehen."
„Das wäre!" sagte der Kommissar. „Ich glaube, das sind Verdachtsmomente genug, um dem Burschen einen Besuch auf feinem Zimmer abzustatten. Er wird j tzt gerade mit dem Packtn feines Koffers beschäftigt fein. Was meinen Sie, Soltmann ?"
„Ganz Ihrer Meinung, Herr Kommissar", erwiderte dieser. „Gehen wir aber nur Einer hinauf, um es recht unauffällig zu machen. Der Bursche darf durch Niemanden von unserem Kommen aeifirt werden. Man tritt ohne anzuklopfen herein und
Stirn gedrückt hielt, als wenn er dort einen psindlichen Stoß bekommen hätte.
Aber Mathies fah in diesem Augenblick feinen Gegner. Ein grünliches Funkeln brach seinem Blick, wie aus einem Schlangenauge, unter diesem Blick erbebte selbst der Mann, der ihn
Jach hohem Iiek.
Renette von Moritz Litis.
(Fortsetzung.)
Er schenkte die Gläser voll, und schien eben einen Trinkspruch ausbringen zu wollen, als abermals die Hausglocke ertönte.
„Zwei Herren wünschen den gnädigen Herrn Baron zu sprechen, aber sie verweigern die Nennung ihrer Namen", meldete der Diener.
„In guten Häusern ist es Sitte, feine Karte abzugeben; wenn die Herren das noch nicht wissen, sagen Sie es ihnen!" herrschte Brehmer dem Lakaien zu, welcher fragend auf feinen Herrn blickte.
Aber noch ehe biefer Zeit hatte, Bescheid zu geben, traten die beiden Fremden um die Ecke des Hauses, und ohne Zögern an den Tisch heran, um welchen sich die kleine Gesellschaft gruppirt hatte.
„Bitte um Verzeihung, wenn wir zu unpaß ender Zeit gekommen fein sollten", nahm der Aeltere der Beiden das Wort, den Hut abnehmend und in der Hand haltend und sich an den Baron wendend, fügte er hinzu: „Ohne Zweifel habe ich die Ehre, Herrn Baron von Eschenheim vor mir zu sehen i
Der Gefragte nickte leicht mit dem Kopse.
„Es ist so, aber was ist Ihr Begehr?" versetzte er gespannt. .
(Wir müssen Ihnen leider die Unannehmlicykeit.einer amtlichen Befragung bereiten," berichtete der Andere in geschäftsmäßigem Tvne. „Ich bin der Criminal-
hinaus gestoßen hatte. Seine Lippen bewegten sich, als wenn er eine Beleidigung, Drohung oder Verwünschung ausftoßen wollte — aber kein Wort kam daraus hervor. Er schüttelte nur die Faust gegen feinen ehemaligen Brotherrn, trat zurück, versetzte der Thür einen Tritt, daß sie schallend ins Schloß fiel und entfernte sich eiligst über Treppe und Hof nach den Ställen.
Etwold aber sank jetzt kraftlos in einen Sessel. Er seufzte tief und schwer, indem er murmelte: „Um einen Todfeind reicher!"


