Ausgabe 
15.7.1886
 
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die gute Laune verdorben hat. Sie haben Nach« richten aus Wiesenthal erhalten?"

So ist es", erwiderte Rommel;wir mußten uns dort erkundigen wegen einer Leiche, die vor zehn Jahren" , r, .,

Ich weiß es. Man hat Ihnen geschrieben, es sei die Leiche meines Neffen, eines Lieutenant« Hermann von Salberg gewesen, der sich im Wiesen« thaler Walde erschaffen habe."

Der Referendar nickte bejahend.

(Fortsetzung folgt).

Der Zopf, der hängt ihm hinten", wandte der Buchhalter sich zu Tante Lina,es muß auch solche Käure «eben. Also Madame Ackermann war heute Abend wieder hier, und Sie wollen wirklich mit ihr nach Wiesenthal reisen?"

So ist es beschloffen", nickte die alte Dame.

Der Referendar blickte betroffen auf; die Nach­richt schien ihn zu überraschen.

Und was wollen Sie dort?" fragte er.

Ein Grab besuchen."

Das sieht schon besser aus, man sieht doch, wo und wie!" brummte Maiwind.Also weiter hat's keinen Zweck? Dann würde ich eine schönere Jahres- zeit abwarten."

Mit Ihnen ist heute wieder einmal nicht aus­zukommen", sagte Tante Lina;Sie machen über alles Ihre Glossen! Sie werden doch wohl begreifen, daß eine Reise, die zu solchem Zweck gemacht wird, keine Vergnügungsreise ist."

Gewiß, gewiß; aber weshalb soll man nicht auch darüber reden dürfen? Sollen Dich die Dohlen nicht umschrei'n, mußt nicht Knopf auf dem Kirch­thurm fein'." n

Wie paßt das nur hierher?" fragte Ludmilla vorwurfsvoll.

Das möchte ich auch fragen!" fügte der Referendar hinzu, während er seine Serviette zu- sammenrollte und dem Freunde einen zürnenden Blick zuwarf.Mich sollte es nicht wundern, wenn das Hauptbuch des Banquiers Morgenroth mit geist- reichen Citaten gespickt wäre, trotzdem sie da hinein paffen wie die Faust auf's Auge!"

Bah, wer Vieles bringt, wird Jedem Etwas bringen, und wer fertig ist, dem ist Nichts recht zu machen; ein Werdender wird nimmer dankbar sein. Sie sind mir auch zu Dank verpflichtet, Ver­ehrtester, denn Sie gehören auch noch zu den Werdenden; Sie haben zwar schrecklich viel gelesen, aber Alles wissen Sie noch lange nicht. Wie, Sie wollen schon ausbrechen? Max, bleibe bei mir, ich könnte besser einen Bessern missen."

Der Referendar schüttelte ablehnend das Haupt und wünschte gute Nacht; unter dem Vorwande, daß er noch Briefe zu schreiben habe, verließ er heute den traulichen Kreis früher als gewöhnlich.

Er hatte kaum in seinem Zimmer die Lampe angezündet und es sich auf seinem Sopha bequem gemacht, als nach leisem Anklopfen Tante Lina eintrat. _ ,

Ich will nicht lange stören", sagte sie in ihrer ruhigen Weise,nur einige Fragen möchte ich mir erlauben, die für den Frieden dieses Hauses von Wichtigkeit sind. Bitte, geniren Sie sich durchaus nicht, rauchen Sie Ihre Cigarre ruhig weiter; ich nehme mir einen Stuhl und setze mich zu Ihnen. In Gegenwart des Herrn Maiwind kann man kein vernünftiges Wort reden, und ich habe Ihnen gleich angesehen, daß Etwas vorgefallm ist, was Ihnen

Ein Scheffelfeft vor 25 Jahren.

Ein literarhistorischer Beitrag von Albert Jaenich.

(Fortsetzung).

Verehrtester Herr Schauenburg!

Soeben erhalte ich Ihre freundliche Einladung nach Heidelberg und bin in meiner Einsamkeit sehr erfreut von der fröhlichen Wirkung, die Poesie und Musik in ihrem Bunde hervorzurufen scheinen. Leider Gottes bin ich außer Stand, in meinem ge­liebten Altheidelberg, auf dessen Boden und in dessen Lust die heitersten meiner Lieder gewachsen sind, diesmal zu erscheinen. Im November hat mich ein schweres Leiden halb Congestion nach dem Kopfe, halb nervöse Reizbarkeit und Abspannung über­fallen und meine ganze geistige Thätigkeit bedroht. Ich muß mich daher auf's Aeußerste schonen und Sang und Becherklang und schwärmende Lust im Kreise der Freunde meiden.

Ich bitte Sie aber, allen Kunstgenüssen, die ihr Scherflein zu dem heitern Zusammenwirken beitragen, meinen freundlichen Dank auszusprechen, insbesondere den musikalischen Preisrichtern und dem Mannheimer Quartett.

Die große Theilnahme, die von so vielen Seiten dem harmlosen Sang zugewandt ward, soll mir eine Anregung sein, wenn der aus irdischem gebrechlichem Stoff bestehende Leib wieder geflickt ift noch manches fröhliche einfache Lied in die Welt hinauszusingen. Denn bei dem vielen und schweren Ernst unserer Tage hat auch der Scherz ein wohlberechtigt Amt und thut dem Geplagtensanfte".

Meine herzlichsten Grüße begleiten Sie zu den Sängern und Sangesrichtern. Ich will in der Ferne, da mir ein rechtschaffener Trunk auf das Wohl der Versammelten nicht wohl gelingen würde und ein schwacher der Freude nicht entspräche, die ich darüber empfinde, daß die Lieder auch Andern Freude machen, wenigstens mit grüßendem Gedächt- niß ein leeres Glas betrachten und hoffen, daß es auch mir sich bald wieder fülle und ich zu sprechen im Stande bin:ein Hoch der edlen Musica und allen edlen Musicis!"

Lassen Sie mich s. Zt. hören, wie der Wettstreit