Ausgabe 
15.7.1886
 
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adresfirt. Diese beiden Briefe dürfen aber erst nach meinem Tode an ihre Adresse befördert werden vergessen Sie das nicht. Sollte ich nur ver­wundet werden, so bewahren Sie die Briefe sorgsam auf nach meiner Genesung verlange ich sie von Ihnen zurück. Im Falle meiner Verwundung haben Sie wohl die Güte, meine Braut schonend von dem Vorgefallenen zu benachrichtigen."

Ich hoffe nicht, in die unangenehme Lage zu kommen"

Wir müssen alle Fälle berücksichtigen", unter­brach der Hauptmann ihn achselzuckend.Ich sehne mich gewiß nicht nach dem Ende, nachdem ich so unvermuthet das heiß ersehnte Glück gefunden habe aber ich zittere auch nicht vor ihm."

Das Unvermeidliche mit Würde tragen, das Leben lieben und den Tod nicht scheuen, heißt leben heißt dem Tod sein Bitt'res rauben. Aber einen Vorwurf kann ich Ihnen nicht erlassen den: daß Sie selbst diese Gefahr heraufbeschworen haben! Sie hätten es Ihrer Braut überlassen sollen, den Brillantschmuck zurückzuschicken. Weshalb mußten Sie sich in diese Angelegenheit hineinmischen! Sie konnten voraussehen, daß Sie den Landrath dadurch tödtlich beleidigen würden, und dieser Be­leidigung mußte eine Herausforderung folgen."

Die Herausforderung wäre unter allen Um­ständen erfolgt", erwiderte Herr von Görlitz ruhig. Dieser Mensch, der nur von seinen Leidenschaften sich leiten läßt, würde einen Vorwand gesucht und gefunden haben, um die Forderung zu erzwingen er war durch meine Verlobung mit Julia Barlotti zu tief beleidigt und gedemüthigt. Und wenn ich ihm die Achtung seiner Gattin rauben wollte, so hatte ich auch dafür meine guten Gründe vielleicht wird Ihnen später einmal das Alles klar werden."

Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei auch Etwas denken lassen", sagte der Referendar kopfschüttelnd.Kennen Sie den Oberst Johnson?"

Ich erinnere mich nicht, den Namen schon ge­hört zu haben."

Ein amerikanischer Oberst"

Ja so, die Damen sprachen von ihm ich kenne ihn nicht."

Er macht es wie Sie; er giebt ebenfalls Räthsel auf, die man nicht lösen kann. Er interessirt sich für Sie und den Landrath er scheint die Vergangenheit des Letzteren gründlich zu kennen; aber will man ihm auf den Zahn fühlen, dann weicht er aus, und man fühlt die Absicht und wird verstimmt."

Der Hauptmann hielt den Blick erwartungsvoll auf seinen jungen Freund geheftet; auch er fchüttelte jetzt das Haupt, als wollte er sagen, er verstehe da» nicht.

Vielleicht lerne ich im Laufe der Zeit ihn -kennen", sagte er;dann werde ich ja erfahren, was dahinter steckt

Allem Anschein nach ein Mann, der für eine frühere böse That Vergeltung üben will."

Woraus schließen Sie das?"

Aus seinen eigenen Aeußerungen."

Für eine That, die der Landrath verübt haben soll?"

Bis hierher und nicht weiter kamen die feind­lichen Reiter! Ja, ja» Herr Hauptmann, ich habe auch meine Geheimnisse und wenn Sie nicht mit der Sprache heraus wollen, dann schweige ich auch! Haust Du meinen Juden, hau' ich Deinen Juden! Ich verrathe nun auch Nichts."

So wollen wir denn abbrechen", sagte Herr von Görlitz ruhig.Ich habe noch einige Briefe zu schreiben und Manches zu ordnen Sie werden also entschuldigen"

Ich will durchaus nicht stören", unterbrach der Referendar ihn, indem er sich rasch erhob.Ich hätte wohl selbst daran denken können aber das Wenige entschwindet leicht dem Blick, der vorwärts sieht, wie viel noch übrig bleibt! So wünsche ich Ihnen denn eine gute Nacht! Morgen früh punkt 9 Uhr werden wir dieses Haus verlassen und auf dem Marktplatz zusammentreffen; dort erwartet un« der Arzt und der bestellte Wagen."

Ich werde mich pünktlich einfinden! Gute Nacht!"

Der Referendar stieg die Treppe hinunter und trat ins Speisezimmer.

Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt!" begrüßte Maiwind ihn, der bereits vor dem Abendbrod saß und sich- vortrefflich munden ließ.Sind Sie denn heute Abend nicht im Theater?"

Emil Rommel war zum Scherzen nicht aufge­legt; er nahm schweigend Platz und sein Blick streifte dabei mit unverkennbarer Theilnahme das Antlitz Ludmilla's, die erröthend die Wimpern senkte.

Sonderbarer Schwärmer I" brummte der Buch­halter achselzuckend.Sind Sie wieder mit dem geheimnißvollen Amerikaner zusammengetroffen?"

Nein", erwiderte Rommel kurz.

Oder trauern Sie der Primadonna nach, die nun"

Auch das nicht, Verehrtester!"

Na, dann brechen Sie dies räthselhafte Schweigen, oder wollen Sie die Milch der frommen Denkart mir in gährend Drachengist verwandeln?"

Regen Sie sich nicht auf", sagte Hertha scherzend, man ist nicht immer in der Stimmung, Ihr Tohuwabohu anzuhören."

Deiner Geiste» hab' ich einen Hauch verspürt!" spottete Maiwind.Aber schauen Sie nur unfern Freund an; geht er nicht umher wie ein brüllender Löwe und suchet, wen er verschlinge. Sprich, was willst Du, Fernando, so trüb und so bleich?"

Lassen Sie mich mit dem Unsinn in Ruhe!" erwiderte der Referendar ärgerlich;Fräulein Hertha hat Recht, ich befinde mich augenblicklich nicht in der Stimmung. Man kann nicht immer scherzen und lachen.';

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